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Formel 1: Sutil Schnellster, Renault-Skandal spitzt sich zu

Die Bestzeit von Adrian Sutil im freien Training zum GP von Italien in Monza geriet im Zuge des Betrugsskandals in der Formel 1 zur Nebensache. Renault um Teamchef Flavio Briatore hat mittlerweile Klage gegen Nelson Piquet Jr. und seinen Vater eingereicht.

Die Formel-1-Affäre um einen angeblichen Betrug beim Großen Preis von Singapur 2008 spitzt sich zu. Der drohende Skandal mit einem möglichen WM-Ausschluss von Renault als negativem Höhepunkt hat am Freitag das sportliche Geschehen in Monza mit der überraschenden Tagesbestzeit durch Außenseiter Adrian Sutil in den Hintergrund gedrängt. Der französische Rennstall und dessen Teamchef Flavio Briatore haben jetzt Strafanzeige gegen ihren ehemaligen Fahrer Nelson Piquet Jr. und dessen Vater erstattet. Renault wirft den Brasilianern "falsche Anschuldigungen im Zusammenhang mit einem Erpressungsversuch" vor, um 2009 im Team bleiben zu können.

Der Präsident des Internationalen Automobil-Verbandes (Fia), Max Mosley, hat den Fall als "vielleicht sogar schlimmer" als den Spionage-Skandal um McLaren vor zwei Jahren bezeichnet. "Wenn, und ich meine hier ein großes Wenn, Renault einer Schuld überführt werden sollte, dann handelt es sich dabei um ein schwerwiegendes Vergehen", sagte der Brite der online-Ausgabe des Fachmagazins "auto motor und sport". "Wir kennen aber bis jetzt nur eine Seite der Geschichte und warten nun auf die Darstellung von Renault. Erst danach können wir ein Urteil fällen. Solange es keinen eindeutigen Beweis ihrer Schuld gibt, sind sie unschuldig." Der Motorsport-Weltrat der Fia verhandelt am 21. September in Paris über die Affäre.

Hintergrund der Renault-Anzeige ist der Vorwurf eines angeblichen Betrugs beim Singapur-Grand-Prix vor einem Jahr. Teamverantwortliche sollen Piquet Jr. angewiesen haben, absichtlich in eine Mauer zu fahren, um eine Safety-Car-Phase zu erzwingen. Fernando Alonso hatte das Nachtrennen im zweiten Renault gewonnen. Der zweimalige Weltmeister profitierte am stärksten von der Neutralisierung nach 14 Runden. Sollte der Motorsport-Weltrat den Rennstall schuldig befinden, droht Renault der WM-Ausschluss.

Straffreiheit für Piquet Jr.

Dagegen erwartet Piquet Jr. laut Fia-Präsident Mosley auch dann keine Bestrafung, wenn er das Auto absichtlich in die Mauer gefahren habe. "Wir haben ihm Straffreiheit zugesichert, wenn er auspackt". Für eine Verwicklung Alonsos in den "Singapur-Skandal" gibt es laut Mosley "keinerlei Beweis, dass er von der Sache etwas wusste". Der Spanier hatte versichert: "Ich bin überrascht von den Entwicklungen der vergangenen Tage. So eine Situation hätte ich mir nicht ausmalen können."

Eine Verurteilung Renaults hätte keine Auswirkungen auf die Wertung des Singapur-Grand-Prix. "Das Sportgesetz erlaubt es uns nicht, das Ergebnis des Rennens zu ändern", verwies Mosley auf die Regel, dass eine WM mit dem 30. November beendet ist. "Nachträgliche Korrekturen sind dann selbst bei einer nachgewiesenen Manipulation nicht mehr möglich." Der Imageschaden für die Königsklasse wäre dafür umso größer.

Indes drückte Sutil dem freien Training in Monza seinen Stempel auf. Der Force-India-Pilot fuhr im zweiten Durchgang überraschend die Tagesbestzeit, nachdem er am Vormittag schon als Dritter hinter dem McLaren-Mercedes-Duo Lewis Hamilton und Heikki Kovalainen eine erste "Duftmarke" gesetzt hatte. "Das gibt mir ein gutes Gefühl. Es macht richtig Spaß", sagte Sutil nach seinem schnellsten Versuch in 1:23,924 Minuten. "Ich habe lange drauf gewartet. Jetzt scheint es wirklich so zu sein, dass ich eine Chance habe. In der Qualifikation können wir einen der ersten fünf Startplätze anpeilen", meinte der Gräfelfinger.

Vettel lässt es ruhig angehen

Dagegen ließ es die deutsche Titelhoffnung Sebastian Vettel auf dem Hochgeschwindigkeitskurs langsam angehen. Der Red-Bull-Pilot aus Heppenheim begnügte sich jeweils mit Platz 18. Aber auch WM-Spitzenreiter Jenson Button deckte noch nicht alle Karten auf. Der Brite belegte im Brawn-Mercedes die Ränge 7 und 19.

Nick Heidfeld bestätigte den jüngsten Aufwärtstrend von BMW- Sauber. Der 32 Jahre alte Mönchengladbacher kam auf dem 5,793 Kilometer langen Kurs auf die Plätze fünf und sieben. Toyota-Kollege Timo Glock (Wersau), im ersten Training noch Letzter, steigerte sich auf den sechsten Rang. Für Nico Rosberg (Wiesbaden) reichte es im Williams-Toyota zu den Rängen 13 und 17.

Kurz vor dem Ferrari-Heimspiel hat Rekord-Weltmeister Michael Schumacher (Kerpen) seinen Vertrag als Berater der Scuderia um drei Jahre bis 2012 verlängert. Der 40 Jahre alte ehemalige Formel-1-Star teilte mit, dass er und Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo sich auf eine weitere Zusammenarbeit geeinigt hätten. Angeblich erhält Schumacher dafür fünf Millionen Euro pro Jahr.

Vor dem 13. Saisonlauf am Sonntag (Start: 14.00 Uhr/RTL und Sky) führt Button die WM-Wertung mit 72 Punkten an. Sein brasilianischer Teamkollege Rubens Barrichello ist Zweiter (56). Vettel (53) weist als Gesamtdritter 19 Punkte Rückstand auf.

Elmar Dreher/DPA

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