Formel 1 Technischer K.o. stoppt Schumacher


Wegen Problemen mit dem Benzindruck muss Michael Schumacher seine minimalen Hoffnungen auf ein glückliches Karriereende fast schon begraben. Trotz des zehnten Startplatzes will der Kerpener um den Sieg kämpfen.

Wegen Problemen mit dem Benzindruck konnte der Formel-1-Rekordchampion beim dritten Trainingsdurchgang zum Großen Preis von Brasilien keine gezeitete Runde fahren und fiel kampflos auf den zehnten Startplatz. "Dass ich nicht glücklich bin, ist klar. Aber noch ist nicht alles verloren", kündigte Schumacher trotzdem eine verbissene Aufholjagd auf den WM- Spitzenreiter und Trainingsvierten Fernando Alonso an, dem sein zweiter Titel kaum noch zu nehmen ist. "Dass ich noch alles versuchen werde, ist klar", sagte Schumacher.

Der 37-Jährige schoss nach dem Ausschalten der roten Ampel in der dritten K.o.-Runde des Qualifyings am Samstag in Sao Paulo als Erster auf die Piste. Wegen des technischen Problems musste der Kerpener dann aber die Konkurrenten der Reihe nach passieren lassen und im Notprogramm an die Box zurückschleichen. "Wir haben den Benzindruck verloren", nannte Technik-Direktor Ross Brawn als Grund für den schweren Rückschlag. "Wir müssen das Auto über Nacht auseinander nehmen." Nach derzeitigem Stand muss der Motor nicht gewechselt werden, so dass Schumacher wenigstens nicht noch um weitere zehn Startplätze nach hinten rutscht.

Zehn Plätze schwieriger

Der siebenmalige Champion reagierte erstaunlich nüchtern auf den Schock. "Im Prinzip macht es die Sache jetzt um zehn Plätze schwieriger", sagte er. "Wir müssen jetzt abwarten, was im Rennen passiert." Wie Schumacher gab sich auch Brawn kämpferisch: "Michael hat schon schwierigere Rennen gewonnen."

Angesichts von Schumachers Riesenpech war es für Ferrari nur ein schwacher Trost, dass Felipe Massa bei seinem Heimrennen am Sonntag (Start: 19.00 Uhr MESZ/RTL und Premiere) von der Pole-Position startet. Der Brasilianer, der einen bunten Rennoverall in den Landesfarben blau, gelb und grün trug, jubelte als einziger "Roter" richtig: "Das ist toll." Mit seinem Teamkollegen hatte Massa Mitleid. "Michael war die letzten beiden Rennen nicht vom Glück begünstigt. Aber unser Auto ist stark, weshalb noch etwas möglich ist." Beim zurückliegenden Rennen in Japan war Schumacher wegen eines Motorschadens ausgeschieden.

Kimi Räikkönen in der ersten Startreihe

Neben Massa steht dessen künftiger Teamkollege Kimi Räikkönen in der ersten Startreihe. Der Finne belegte im McLaren-Mercedes mit 0,619 Sekunden Rückstand den zweiten Rang vor Toyota-Pilot Jarno Trulli (Italien). "Eine klasse Runde von Kimi und eine gute Basis fürs Rennen", meinte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug erfreut. Ralf Schumacher (Kerpen) kam im zweiten Toyota auf den siebten Platz vor BMW-Vertreter Nick Heidfeld. "Ich bin nicht richtig zufrieden", sagte der Mönchengladbacher BMW-Fahrer. "Dass die Toyota so stark sind, ist ein Dämpfer." Williams-Pilot Nico Rosberg (Wiesbaden) belegte den 13. Platz.

Waren Schumachers WM-Chancen schon nach Suzuka wegen der zehn Zähler Rückstand auf Alonso äußerst minimal, sind sie nach diesem technischen Niederschlag praktisch auf Null gesunken. Denn der Seriensieger kann bei seinem Grand-Prix-Ausstand nur noch dann seinen achten Titel holen, wenn er gewinnt und Alonso maximal Neunter wird und ohne Punkt bleibt. Da der spanische Renault-Rivale aber als Vierter ins Rennen geht, ist dies mehr als unwahrscheinlich.

Dabei sollte ein neues Helmdesign Schumacher Glück bringen. Auf dem Kopfschutz stehen seine 91 Siege. Zudem wurden die bisherigen Motive vergoldet: die sieben Sterne für die sieben WM-Titel, die chinesischen Schriftzeichen für seinen Namen, den seiner Frau Corinna und der Kinder Gina Maria und Mick sowie das Drachen- und das "MS"- Logo.

Extra wegen Schumachers Abschiedsrennen ist dessen früherer Rivale Mika Häkkinen nach Sao Paulo geflogen. Der zweimalige Formel-1- Weltmeister, der jetzt für Mercedes beim Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) fährt, sagte: "Ich bin wegen Michael gekommen und um McLaren-Mercedes zu unterstützen." An ein endgültiges Karriereende Schumachers glaubt Häkkinen nicht: "Meiner Meinung nach wird er irgendwann wieder fahren."

Elmar Dreher/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker