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Grand Prix in Silverstone: Verzweifelt und resigniert - der unglaubliche Niedergang des Sebastian Vettel

Sebastian Vettel ist nach dem Rennen in Silverstone an einem neuen Tiefpunkt angelangt. Der Ferrari-Pilot droht seinen Nummer-eins-Status zu verlieren, vom WM-Titel spricht längst keiner mehr - seine Karriere steht an einem Wendepunkt.

Sebastian Vettel steht an einem Wendepunkt in seiner Karriere

Sebastian Vettel steht an einem Wendepunkt in seiner Karriere

DPA

Nach dem Debakel von Silverstone bewies Sebastian Vettel menschliche Größe. Noch im Parc Fermé, also in der Zone, in der die Piloten ihre Autos nach dem Rennen abstellen, ging er zu Max Verstappen, der noch in seinem Red Bull saß, beugte sich zu ihm hinunter und entschuldigte sich für den Crash, den er verursacht hatte. Vettel war dem Niederländer in der 37. Runde im Kampf um Platz drei ins Heck gefahren und hatte beide um die Plätze auf dem Podium gebracht. Verstappen wurde immerhin noch Fünfter, Vettel fuhr als 16. über die Ziellinie. Es war - wieder einmal - ein Rennwochenende zum Vergessen für den 32-Jährigen.

Was die Pleite für Vettel noch schwerer machte: Teamkollege Charles Leclerc glänzte erneut und fuhr auf den dritten Rang trotz der Probleme, die Ferrari an diesem Wochenende hatte. Während der junge Monegasse auf dem Podium neben Sieger Lewis Hamilton und dem zweitplatzierten Valtteri Bottas die Champagnerduschen genoss, schlich ein sichtlich angeschlagener Vettel durch das Fahrerlager und musste den Journalisten erklären, was da in der 37. Runde eigentlich passiert war. Der Auffahrunfall bei einem Überholmanöver war ein dilettantischer Fehler. Es war aber nicht nur ein Missgeschick, wie es jedem Piloten immer mal wieder passiert, sondern Ausdruck der Krise, in die sich Vettel manövriert hat. Vettel hat in dieser Saison wie schon in der vergangenen zu viele entscheidende Fehler gemacht.

Sebastian Vettel will sich nicht die Blöße geben

"Schwierig", antwortete Vettel auf die Frage, wie er seine bisherige Saison in einem Wort zusammenfassen würde. Und er wiegelte auf seine Situation angesprochen ab: "Ich bin nicht beunruhigt, wünsche mir aber auch bessere Resultate." Es sind Sätze, die man sagt, um sich nicht die Blöße zu geben. Vettel weiß natürlich nur zu genau, dass seine Karriere an einem sehr kritischen Punkt angelangt ist. 

Es wirkt so, als wenn Vettel nicht in der Lage zu sein scheint, sich der negativen Entwicklung entgegen zu stemmen. Schlimmer noch: Er vermittelt den Eindruck, als sei er bei der Scuderia zunehmend verzweifelt und desillusioniert. Sein Vertrag läuft bis 2020. Ob er im nächsten Jahr noch bei den Italienern fährt, steht im Moment in den Sternen. Im Fahrerlager wird schon fleißig über mögliche Wechselkonstellationen getratscht.

Vettel crasht Max Verstappen ins Heck und macht sich und dem Konkurrenten das Rennen kaputt

Vettel crasht Max Verstappen ins Heck und macht sich und dem Konkurrenten das Rennen kaputt

Getty Images

Für ein Ende der Beziehung zwischen Vettel und Ferrari spricht, dass seine Krise durch die schlechte Ferrari-Performance verstärkt wird. Vor der Saison schien es, als ob Ferrari endlich auf Augenhöhe mit Mercedes wäre. Nach zehn Rennen zeigt sich: Die Hoffnungen waren trügerisch. Das Auto von Vettel und Leclerc kann auf den schnellen Strecken nicht mithalten. Und Vettel hat offensichtlich mehr Probleme mit dem Setup des Autos als Teamkollege Leclerc. Zudem begeht das Team zu viele Fehler: Mal verkalkuliert man sich im Qualifying oder vermasselt die Rennstrategie durch Boxenstopps zum falschen Zeitpunkt. Darunter leiden beide Piloten. 

Ein schwarz-weiß Foto zeigt Ex-Formel-1-Fahrer Niki Lauda

Die Zukunft heißt Charles Leclerc

Das Ergebnis ist, dass Vettel nach zehn von 21 Rennen hundert Punkte Rückstand auf den WM-Führenden Lewis Hamilton hat. So wie es aussieht, wird der Brite am Ende der Saison den sechsten WM-Titel gewinnen. Vettel ist hingegen seit elf Monaten ohne Grand-Prix-Sieg und sein Standing bei Ferrari schwindet. In den vergangenen drei Rennen schlug Leclerc ihn sowohl im Qualifying als auch im Rennen, Vettels Vorspung auf den Monegassen ist auf kümmerliche drei Punkte geschrumpft. Es gibt aktuell also nicht viele Argumente, warum Vettel den Nummer-eins-Status bei Ferrari behalten sollte. Leclerc beeindruckte in Silverstone durch sein Duell mit dem anderen Jungstar, Max Verstappen. Es war das Duell, das vermutlich die Zukunft der Formel 1 zeigte.

Zuspruch erhielt der Deutsche ausgerechnet vom strahlenden Dominator Hamilton. Der machte nach dem Sieg in Silverstone klar, dass er den Dauerrivalen nicht abschreibt. "Er ist einer der Großen dieses Sports. Er wird stärker zurückkommen, davon bin ich überzeugt", sagte der Mercedes-Fahrer. "Das machen großartige Athleten so - und er ist einer davon."

mit DPA

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