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Vierfacher Weltmeister Sebastian Vettel verlässt Ferrari – der unwürdige Abgang eines Champions

Sebastian Vettel
Sebastian Vettel wird die Scuderia Ferrari zum Saisonende verlassen
© Elmar Kremser/SVEN SIMON/ / Picture Alliance
Seit Dienstagmorgen ist klar: Sebastian Vettel wird die Scuderia Ferrari nach der Saison 2020 verlassen. Die Ziele, die er sich für seine Zeit dort gesetzt hat, hat er nicht erreicht. Welche Optionen hat er nun?

Seit Monaten wird hinter verschlossenen Türen darüber diskutiert und in zahlreichen Fan-Foren fleißig spekuliert, nun ist es sicher: Sebastian Vettel wird die Scuderia Ferrari zum Saisonende verlassen. Vom Saisonende zu sprechen, wenn die Saison noch nicht einmal begonnen hat, fühlt sich zwar ein wenig absurd an, aber so ist es zurzeit.

In einem Statement, das das Team am Dienstagmorgen veröffentlichte, sagte der 32-jährige Heppenheimer: "Das Team und ich sind zu dem Schluss gekommen, dass nicht länger der Wunsch besteht, nach dieser Situation weiter zusammenzuarbeiten. Finanzielle Themen haben hierbei keine Rolle gespielt. Das ist nicht, woran ich denke, wenn es darum geht, gewisse Entscheidungen zu treffen, und wird es auch niemals sein."

Der Traum vom Weltmeistertitel mit Ferrari scheint geplatzt zu sein

Was also ist der Grund für sein Ausscheiden? Als Vettel 2015 zum italienischen Traditionsrennstall wechselte, sollte er hier seinen bei Red Bull begonnenen Erfolg weiterführen. Dort hatte er innerhalb von fünf Jahren vier Titel gewonnen. Doch Mercedes machte dem Traum, endlich wieder einen Titel nach Maranello zu bringen, einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Seit der Saison 2014 dominiert das von Toto Wolff geführte Team die Meisterschaft. 2018 etwa schrammte Vettel zwar als Zweiter in der Jahreswertung nur knapp am Titel vorbei, doch für den Titel wollte es einfach nicht reichen.

In der Saison 2019 folgte ein weiterer Schlag: Mit Charles Leclerc holte Ferrari einen jungen Fahrer ins Team, der erst ein Jahr zuvor seine Rookie-Saison in der Formel 1 gefahren war. War Vettel es möglicherweise zuvor noch gewohnt gewesen, als absoluter Favorit der Scuderia gehandelt zu werden, sah er sich auf einmal mit einer neuen Welt konfrontiert. Einer Welt, in der ihm der zehn Jahre jüngere Monegasse den Rang abzufahren drohte. Harte Zweikämpfe endeten zuletzt sogar für beide Fahrer im Kiesbett. Während es zwar aus dem Fahrerlager heißt, das persönliche Verhältnis der Teamkollegen sei gut, wird die Tatsache, dass Leclerc am Ende der Saison 2019 im Ranking vor ihm lag, nicht einfach für Vettel gewesen sein. Und: Während Leclerc zuletzt einen Vertrag bis zum Ende der Saison 2024 unterschrieb, bot man Vettel nur einen Einjahresvertrag an. Ein unzureichendes Angebot für Vettel, der bislang immer auf Dreijahresverträge bestand, um das Auto nicht nur zu fahren, sondern auch mitentwickeln zu können.

Charles Leclerc
Newcomer Charles Leclerc hat bereits einen Vertrag bis Ende 2024 bei der Scuderia Ferrari unterschrieben
© HOCH ZWEI/ / Picture Alliance

Was sind nun Sebastian Vettels Optionen?

Was also sind nun seine Optionen? Schaut man sich die letzten Jahre und die absolute Dominanz von Mercedes an, würde man meinen, dass es einen Vertrag im deutschen Rennstall bräuchte, um Sebastian Vettel eine Chance auf einen weiteren Weltmeisterschaftstitel zu geben. Sein Vorteil: Die Verträge von sowohl Lewis Hamilton als auch Valtteri Bottas laufen zum Jahresende aus. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass Mercedes und Lewis Hamilton, die sich als absolutes Dreamteam erwiesen haben, zum Ende der Saison getrennte Wege gehen werden. Und Vettel als Hamiltons Teamkollegen einzusetzen, erscheint ebenfalls unwahrscheinlich. Zum einen wäre er auch hier die Nummer zwei des Teams; zum anderen dürfte, sollten sie sich von Bottas trennen, der immer wieder sehr solide Rennleistungen abliefert, Mercedes für die Zukunft eher auf junges Talent setzen, wie es zuletzt auch Ferrari tat.

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Einer, der zurzeit heiß als Vettels Ferrari-Nachfolger gehandelt wird, ist Mc-Laren-Pilot Carlos Sainz Jr. Nach seinem Wechsel von Renault brillierte er in der Saison 2019 immer wieder, fuhr das erste Podium seiner Saison ein und beendete die Saison schließlich auf einem respektablen sechsten Platz. Hier wäre auch ein Tausch denkbar: Sainz geht zu Ferrari und Vettel dafür zu McLaren. Dort könnte er einen guten, erfahrenen Gegenpol zum hungrigen, aber noch recht unerfahrenen 20-jährigen Lando Norris bilden. Und: Ab der Saison 2021 wird McLaren wieder mit Mercedes-Motoren fahren. Könnte Vettel dem Team aus dem britischen Woking zum Sprung aus dem Mittelfeld an die Spitze verhelfen?

Carlos Sainz Junior
Carlos Sainz Jr. wird als heißer Kandidat für die Vettel-Nachfolge bei Ferrari gehandelt
© David Davies/ / Picture Alliance

Auch denkbar ist, dass Daniel Ricciardo, dessen Vertrag bei Renault ebenfalls zum Ende der 2020-Saison ausläuft, nach Maranello wechseln wird. Die Scuderia soll den Australier schon seit geraumer Zeit auf dem Radar haben. Und: Vettels vier Weltmeisterschaftstitel mit Red Bull fuhr er mit Renault-Motoren ein. Jedoch: Zuletzt wollte es bei Renault einfach nicht laufen. Die Saison 2019 beendete das französische Werksteam auf einem enttäuschenden fünften Platz in der Konstrukteurswertung. Generelles Interesse am Deutschen würde jedoch bestehen. In einem Interview mit dem französischen Sender "Canal+" sagte Teamchef Cyril Abiteboul noch vor ein paar Monaten auf die Frage, ob man Vettel als Renault-Kandidaten für 2021 in Erwägung ziehen würde: "Ich will nicht Nein sagen, da er ein großartiger Fahrer und ein großer Champion ist."

Daniel Ricciardo
Daniel Ricciardo wechselte zur Saison 2019 in einem umstrittenen Move von Red Bull zu Renault – könnte er Ferrari wieder zum Gesamtsieg verhelfen?
© Actionplus/ / Picture Alliance

Eine verfrühte Renn-Rente ist (hoffentlich) unwahrscheinlich

Klar ist: Die Ziele, die Sebastian Vettel sich für seine Zeit bei Ferrari gesetzt hatte, hat er nicht erreicht. Sein Abschied aus der Scuderia wird ein unwürdiger sein. Die Tatsache, dass bislang noch immer nicht zu 100 Prozent sicher ist, wann und wo und ob überhaupt die Saison 2020 starten wird, macht die Sache nicht unbedingt besser. Ein Punktesieg in der Gesamtwertung, zumindest über den Noch-Teamkollegen Charles Leclerc, wäre vermutlich Balsam für die Sportlerseele des 32-Jährigen gewesen.

Natürlich besteht auch weiterhin die Möglichkeit, dass Vettel nach dieser Saison einfach den Rennhelm an den Nagel hängt. Doch bislang hat er noch nie einen solchen Wunsch geäußert. Vettel, einer der erfahrensten, doch nicht der älteste Fahrer im Formel-1-Fahrerlager, betonte zuletzt in einer Videokonferenz, dass er nicht glaube, "dass es in dieser Hinsicht ein Alterslimit gibt". Außerdem scheint es unwahrscheinlich, dass Vettel seinen Abschied von Ferrari öffentlich macht, nur um sich dann Wochen oder Monate später die Blöße zu geben, einen Austritt aus der Formel 1 aus Mangel an guten Angeboten zu verkünden. Sicher ist: Zumindest für deutsche Fans wäre eine Saison 2021 ohne Sebastian Vettel vermutlich schwer vorstellbar.

Quelle: "Canal+"


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