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1. Bundesliga: Stuttgart bremst mit dem 1 -1 den Lauf des BVB

In einem echten Spitzenspiel hat Borussia Dortmund beim VfB Stuttgart den fünften Sieg in Serie verpasst und musste Platz zwei an den Erzrivalen Schalke 04 abtreten. Von zu großer Belastung war beim BVB in den englischen Wochen nichts zu spüren, in der Schlussphase vergaben die Gäste vier Großchancen am Stück.

Der VfB Stuttgart hat den Lauf von Meister Borussia Dortmund gestoppt und beim 1:1 einen nicht ganz unverdienten Punkt im Schwabenland behalten. Das Spitzenspiel hielt über die gesamten 90 Minuten den Erwartungen stand, beide Teams zeigten ein hohes Tempo und spielten auf Sieg. Serdar Tasci hatte den VfB in Führung geschossen (22.), mit dem Pausenpfiff konnte Lukasz Piszczek ausgleichen (45.).

Die Dortmunder rutschten nach dem Remis auf den dritten Rang ab, Erzrivale Schalke 04 hat nach dem 3:1-Sieg gegen Hoffenheim einen Zähler mehr auf dem Konto. Die zahlreichen BVB-Fans unter den 60.000 Zuschauern konnten trotzdem zufrieden nach Hause fahren, denn die Gelb-Schwarzen hatten mal wieder gute Torchancen und waren dem Sieg gerade am Ende näher, allein in der 88. und 89. Minute schoss Dortmund vier Mal in aussichtsreicher Position auf das von Sven Ulreich gehütete Tor – allerdings ohne Erfolg.

Die Stuttgarter konnte sich auch in der Spitzengruppe behaupten, mit 18 Zählern steht der VfB vorerst auf dem fünften Platz.

Erstes Ärgernis vor dem Spiel

Das Spiel begann mit einer 15-minütigen Verspätung, da die Gäste im Stau standen und Trainer Jürgen Klopp von mangelnder Hilfe der Polizei sprach. "Es konnte uns niemand helfen bei der Polizei", erzählte Klopp vor dem Spiel bei Liga Total. "300 Meter vor dem Stadion haben sie uns angerufen und gesagt, dass sie jetzt jemanden hätten, der uns helfen könnte. Dann haben wir gesagt: 'Jetzt könnt ihr es auch lassen.'"

Weitaus weniger aufgeregt ging der Übungsleiter mit der eigenen Aufstellung um. Trotz der englischen Wochen und sieben Spielen in 22 Tagen änderte Klopp sein Team gegenüber dem Pokalerfolg gegen Dresden auf nur einer Position, für Kevin Großkreutz rutschte Ivan Perisic auf die linke Offensivseite.

VfB-Trainer Bruno Labbadia konnte auf die zuletzt angeschlagenen Cacau und Tasci bauen, zudem mussten die im Pokal überzeugenden Christoph Hemlein und Ibrahima Traoré auf die Bank. Dafür standen Shinji Okazaki und Zdravko Kuzmanovic wieder in der Startelf.

Gute Anfangsphase nicht belohnt

Die kürzere Vorbereitungszeit hatte dem BVB aber nicht geschadet, denn die Anfangsphase gehörte klar den Gästen. Die Stuttgarter wirkten alles andere als wach und ließen gleich drei gute Torchancen zu. Robert Lewandowski setzte den Ball aber an den Pfosten (3.), Mario Götze schoss nur knapp vorbei (4.) und auch Perisic zielte nicht genau genug (5.).

Nach zehn Minuten hatten sich die Gastgeber dann aber gefangen, die Zweikämpfe wurden besser angenommen und auch die eigenen Offensivbemühungen wurden aufgenommen. Die erste Großchance führte dann auch gleich zur Führung für den VfB: Nach einem Freistoß des Ex-Dortmunders Tamas Hajnal achtete Sebastian Kehl nicht auf Martin Harnik, der Österreicher traf den Pfosten und im Nachschuss war Tasci erfolgreich (22.).

Und plötzlich sahen die Zuschauer in der Mercedes-Benz Arena ein ganz anderes Spiel, denn die Dortmunder wurden durch das Gegentor vom Piräus-Virus befallen. In der Abwehr fehlte die Zuordnung, in der Vorwärtsbewegung lief nichts mehr zusammen – die Stuttgarter wurden förmlich zum zweiten Tor eingeladen, nutzten die Freiheiten aber nicht. Die beste Chance zum 2:0 vergab Cacau, als er einen Kopfball neben das leere Tor setzte (25.).

Kein Elfmeter, trotzdem der Ausgleich

Der Dortmunder Schockzustand hielt eine Viertelstunde an und hätte mit einem Elfmeter beendet werden müssen. Götze drang in den Strafraum ein und wurde von Molinaro eindeutig weggedrückt, Schiedsrichter Manuel Gräfe nutzte seine gute Sicht aber nicht und ließ weiterspielen (37.). Das Spiel war nun erstmals richtig offen und der BVB belohnte sich dann doch noch:

In der Nachspielzeit zog Götze von der linken Seite in die Mitte, bediente Shinji Kagawa und der als Torschuss geplante Querpass des Japaners, landete beim völlig frei stehenden Piszczek. Der Pole hielt nur noch seinen Fuß rein und so ging es mit einem gerechten Remis in die Kabine.

Klopp musste in der Pause reagieren, für den angeschlagenen Sven Bender ging Moritz Leitner auf die Doppelsechs und sollte den offensiven Part in der Schaltzentrale einnehmen. Dieser Wechsel war ein weiteres Indiz dafür, dass Ilkay Gündogan derzeit einen schweren Stand hat.

Fulminante Schlussphase

Nach der klaren Aufteilung der dominanten Phasen beider Teams im ersten Durchgang entwickelte sich nun eine Partie auf Augenhöhe. Sowohl der VfB als auch der BVB spielten auf Sieg, es entwickelte sich eine gutklassige Partie – wobei die Dortmunder die etwas bessere Spielanlage zeigten.

Auf der Höhe zeigten sich auch die beiden Torhüter, denn Ulreich parierte stark beim Schuss von Kagawa (50.), auf der anderen Seite war Weidenfeller beim Volley-Knaller von Kuzmanovic zur Stelle (56.). Machtlos wäre Ulreich wohl beim nächsten Versuch von Kagawa gewesen, doch der Dortmunder Japaner machte nach toller Einzelleistung alles falsch und schoss frei stehend über das Tor (60.).

In der Schlussphase wirkten die Stuttgarter zunächst ausgeruhter, die Belastung der letzten Wochen war den Dortmundern doch ein wenig anzusehen. Aber irgendwie schafften es die Gäste, dann doch nochmal einen Gang höher zu schalten. Zweimal Piszczek (88./89.) und Götze (88.) ließen aber gute Gelegenheiten liegen, die beste vergab aber Neven Subotic, den Kopfball klärte Ulreich mit einem glänzenden Reflex (89.).

Marcus Krämer

sportal.de / sportal

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