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1. Bundesliga Taktikschule - So schlägt man Borussia Dortmund


Seit drei Spielen wartet der FC Bayern auf einen Erfolg gegen Borussia Dortmund – eine fast schon historische Serie. Drei Mal war der BVB dabei taktisch überlegen. Wir analysieren die Dortmunder Stärken und Schwächen und zeigen Lösungen auf, wie die Bayern den gelb-schwarzen Riegel knacken können.

Borussia Dortmund hat die historische Chance, als zweites Team in der Geschichte der Bundesliga vier Mal in Folge gegen den FC Bayern zu gewinnen. Nach drei Pleiten in Serie dürften die Bayern – auch wegen des schwierigen Restprogramms des BVB – wohl auch mit einem Remis zufrieden sein, wer deutscher Meister werden möchte, muss dieses Spiel aber eigentlich gewinnen.

Nur wie, könnte eine nicht unberechtigte Frage lauten. BVB-Trainer Jürgen Klopp hatte zuletzt immer die richtigen Antworten auf die taktischen Rätsel dieses Spiels. Wir haben die Partien analysiert und sprechen fünf Empfehlungen aus, wie die Bayern ihre taktische Formation aufziehen sollte.

Der Blick zurück

Begonnen hat die Serie am 7. Spieltag der vergangenen Saison, als die Bayern nach schlechtem Saisonstart nicht in Bestform aufliefen. Eine Halbzeit lang war das Spiel völlig offen, nach der Pause ging der BVB durch einen abgefälschten Schuss glücklich in Führung und verwaltete nach dem Sahin-Freistoß zum 2:0 das Ergebnis bis zum Schlusspfiff.

Wesentlich aufschlussreicher war das Rückspiel in München. Nach einer atemberaubenden Anfangsphase mit Toren von Lucas Barrios (9.), Luiz Gustavo (16.) und Nuri Sahin (18.) war der BVB das bessere Team und siegte verdient mit 3:1. Die Schlüssel zum Erfolg waren die hohe Laufbereitschaft, das nahezu perfekte Verschieben, das Doppeln gegen Arjen Robben und Franck Ribéry sowie die gute Verteidigung gegen Bastian Schweinsteiger.

Im Hinspiel dieser Saison siegte die Borussia 1:0 durch ein Tor von Mario Götze. Auch hier verstand es der BVB sehr gut, das über die Außen angelegte Spiel der Bayern zu stören, Jupp Heynckes' Maßnahme den lange verletzten Robben in die Startelf zu stellen, verpuffte ergebnislos. Das Spiel der Bayern wirkte dadurch, wie schon häufig unter Vorgänger Louis van Gaal, zu statisch, es fehlten die Überraschungsmomente.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass Klopp sein Team gegen die Bayern etwas defensiver spielen lässt, ohne wie limitierte Mannschaften aus dem Tabellenkeller die eigenen offensiven Ambitionen zu vergessen. Gehört es ansonsten zu den Dortmunder Tugenden, früh zu attackieren und Pressing zu spielen, so stand der BVB in den Topspielen tiefer und griff später an. Im Mittelfeld schaffe die Borussia so häufig Überzahl, die überfallartigen Angriffe der Münchner hatten Seltenheitswert. Wir erwarten die Gastgeber mit einer ähnlichen Ausrichtung, die Gegenmaßnahmen könnten so aussehen:

Mitspielende Außenverteidiger

Die Flügelzange Ribéry/Robben ist und bleibt Bayerns stärkste Waffe, so sie denn zur Entfaltung kommt. Da die Dortmunder mit den sich verschiebenden Sechsern aber ein geeignetes Gegenmittel gefunden haben, benötigen die beiden mehr Unterstützung. Hier sind in erster Linie die Außenverteidiger gefragt.

Im Hinspiel agierte Philipp Lahm noch auf links, die rechte Seite besetzte Rafinha. Dabei war auffällig, dass beide ihre Seite gut hielten, dabei aber viel zu tief standen. Somit gingen viele Pässe zurück zu den Innenverteidigern, denen Lahm und Rafinha dann selbst wieder eine Anspielstation bieten mussten. Mehr Dynamik und Eigenverantwortung sowie häufiges Hinterlaufen von Ribéry und Robben könnte den Defensivverbund der Dortmunder auseinanderziehen.

In diesem Bereich sind die Bayern in den letzten Wochen aber ohnehin stärker aufgestellt – David Alaba und Lahm bilden ein wesentlich aktiveres Duo. Vor allem Alaba wagt sich häufig mit in die Offensive, auch wenn das Zusammenspiel mit Ribéry noch verbesserungswürdig ist. Trotzdem dürfte der linken Seite gegen Jakub Blaszczykowski und Lukasz Piszczek eine Schlüsselrolle zufallen.

Vertikale Wechsel

Eins der wenigen Dinge, die bereits im Hinspiel gut funktioniert haben, war die Spielverlagerung der Bayern. Dortmund spielt bekanntlich sehr ballorientiert, die komplette Mannschaft verschiebt sich in die Richtung des Balls, um Überzahlsituationen zu schaffen. Das schafft Räume für die Außenspieler der Bayern, die dann mit Tempo auf die Verteidiger zulaufen können, was im Fall von Ribéry und Robben für besondere Gefahr sorgen kann.

Gefragt sind dabei vor allem die Innenverteidiger, in erster Linie der passgenaue Holger Badstuber und das defensive Mittelfeld. Wir erwarten hier, trotz seiner langen Verletzungspause, Bastian Schweinsteiger neben Toni Kroos. Allerdings sollten diese technisch anspruchsvollen Pässe gut dosiert eingesetzt werden, Fehlpässe können von den gut konternden Dortmundern sehr gut ausgenutzt werden.

Schnelle Kombinationen

Einen Vorwurf muss sich der FC Bayern schon seit Jahren anhören. Das Spiel sei häufig zu langsam, zu statisch, zu ausrechenbar, zu sehr auf Ballbesitz und lahmende Ballzirkulation ausgelegt. Tatsächlich hat Jupp Heynckes diese Schublade geöffnet und für eine erhebliche Verbesserung gesorgt. Allerdings können dies kompakt stehende Gegner trotzdem immer noch ausnutzen, Rückfälle sind nicht ausgeschlossen.

Gegen den BVB ist langes Ball halten besonders kontraproduktiv, bei der Laufstärke der gelb-schwarzen Mannschaft müssen Lücken schnell erkannt und genutzt werden – ansonsten ist der BVB rasant wieder formiert. Hier sind insbesondere die zentralen Mittelfeldspieler gefragt, die das Spiel schneller machen müssen. Dortmund ist stark darin, Passwege zuzustellen, diese Fähigkeit der Antizipation muss durch Schnelligkeit zunichte gemacht werden.

Schlüsselspieler Thomas Müller

Bei der 0.2-Niederlage in Dortmund spielte Müller auf der rechten Seite, danach durfte er sich zwei Mal in der Mitte hinter Mario Gomez versuchen – und enttäuschte. Ob Müller in der Zentrale am besten aufgehoben ist, wollen wir hier nicht diskutieren, denn auf Robben oder Ribéry wird Heynckes kaum verzichten. Daher brauchen die Bayern einen starken Müller in der Mitte – bei allen taktischen Kniffen kommt dem Nationalspieler eine Schlüsselrolle zu.

Im Hinspiel hing Müller, besonders in der ersten Halbzeit, völlig in der Luft. Er war viel in Bewegung, wählte aber häufig die falschen Laufwege. Müller muss defensiv gut mitarbeiten, die Außenbahnspieler unterstützen, für Doppelpässe zur Verfügung stehen, selbst in die Spitze gehen, er muss auch Gomez mehr einbinden, als es in der Hinrunde gelang. Und wenn Schweinsteiger oder Kroos von hinten reinrücken, muss Müller als Kombinationsspieler zur Verfügung stehen. Nur so kann die zweikampfstarke Mitte der Dortmunder auseinandergerissen werden und es entstehen die nötigen Lücken.

Den Dortmunder Aufbau stören

Nicht wirklich neu ist das taktische Mittel, Mats Hummels frühzeitig anzulaufen, um den Spielaufbau des BVB zu stören. Der Innenverteidiger bestimmt mit seinen langen Bällen gerne das Tempo des Meisters, hier ist Gomez als erster Verteidiger gefragt.

Allerdings wurde dieses Manko bei der Borussia durch die Hereinnahme von Ilkay Gündogan kompensiert. Durch den Neuzugang vom 1. FC Nürnberg, der in den ersten Monaten nicht seinen Rhythmus finden konnte, ist das defensive Mittelfeld der Dortmunder wieder viel spielstärker geworden, wenn dadurch auch ein wenig Kompaktheit, die Sebastian Kehl und Sven Bender verkörpern, verloren gegangen ist. Wenn Klopp Gündogan für Bender und die defensive Grundordnung opfern sollte, muss der Trainer seine Aussage, nicht auf Unentschieden spielen zu können, eigentlich revidieren.

Fazit

Wie sagte einst Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge: "Fußball ist keine Mathematik". Das gilt auch für den Höhepunkt der Saison, immerhin hat der BVB seit 23 Spielen nicht verloren und den Vorteil des Heimspiels auf seiner Seite. Trotzdem gibt es genügend Werkzeuge für den FC Bayern, um nach drei Niederlagen zurückzuschlagen. Aber genug der Worte, geht’s raus und spielt Fußball.

Marcus Krämer

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