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1. Bundesliga Trainersuche beim HSV geht weiter - Barbarez bietet sich an


Huub Stevens war als Idealbesetzung beim HSV angesehen. Doch da Sportdirektor Frank Arnesen die Raute im Herzen des Niederländers nicht sehen konnte, soll nun Rodolfo Esteban Cardoso die Bank der Rothosen weiter besetzt halten. Allerdings hat der Argentinier keine Trainer-Lizenz - im Gegensatz zu Sergej Barbarez.

Huub Stevens wollte zum Hamburger SV, doch der will ihn nun scheinbar nicht mehr. Deswegen darf sich der FC Schalke 04 berechtigte Hoffnungen machen, den Niederländer als zukünftigen Coach präsentieren zu können. Schön für Königsblau, die Rothosen müssen damit aber einen weiteren Kandidaten ziehen lassen.

Vielleicht ist die Lösung einfacher als zunächst vermutet. Denn der HSV würde Rodolfo Esteban Cardoso nach dem ersten Saisonsieg gegen den VfB Stuttgart gern länger als Interimscoach halten, doch der Argentinier darf laut DFB-Regelwerk nicht. Gegen Schalke am Sonntag sitzt er aber definitiv noch auf der Bank, sagt der HSV. Aberwitzige Situation: Heuert Stevens bei Schalke an, wäre sein erstes Spiel beim Beinahe-Verein HSV.

Sportchef Frank Arnesen zeigte sich von der möglichen pikanten Konstellation unbeeindruckt. "Dann hoffen wir eben, dass wir gewinnen", sagte der Däne. Er möchte Cardoso länger in der Verantwortung sehen. Ohne Fußballlehrerlizenz darf der laut Reglement aber nur für 15 Werktage in der Bundesliga tätig sein.

Damit wäre die erlaubte Frist für den ursprünglichen U23-Trainer Cardoso nach der Bundesliga-Pause am 10. Oktober abgelaufen. Da diese Regelung zudem einhergeht mit den Richtlinien des Europa-Verbandes UEFA, gibt ein DFB-Sprecher dem HSV-Vorstoß "geringe Erfolgsaussichten."

Barbarez bietet sich an

Das hat Sergej Barbarez auf den Plan gerufen. Der ehemalige HSV-Profi erklärte der Welt: "Ich könnte Rodolfo als Partner zur Seite stehen. Wir waren nicht nur Teamkollegen, wir sind enge Freunde - und wir vertreten eine Philosophie. Das würde passen."

Anders als Cardoso, der lediglich als Interimstrainer berufen wurde, besitzt der 40-jährige Barbarez die Fußballlehrer-Lizenz. "Sollte Rodolfo im Sommer seinen Schein machen, würde ich ihm den Rücken freihalten", sagte der Bosnier. In finanzieller Hinsicht wolle er Abstriche machen: "Ich weiß um die wirtschaftliche Lage des Vereins, daher spielt Geld in diesem Zusammenhang für mich keine Rolle."

"Wir wollen mit dem DFB und der DFL sprechen, was möglich ist", sagte hingegen Arnesen, der dem Cardoso-Projekt noch keine Absage erteilen wollte. Er selbst besitzt die erforderliche Lizenz ebenso wie Co-Trainer Frank Heinemann und Torwart-Coach Ronny Teuber. Zum Angebot von Barbarez gab es noch keine Stellungnahme, einen Strohmann soll es aber auf keinen Fall geben. "Wir wollen immer den geraden Weg", meinte der frühere Nachwuchschef vom FC Chelsea.

Sein Vorstoß bedeutet aber nicht, dass Cardoso unbedingt bis zum Saisonende den Chef geben soll. Zunächst will Arnesen Zeit gewinnen. "Weil es in diesem Moment nicht die beste Trainerentscheidung für den HSV gibt, hoffe ich auf Flexibilität", sagte der Däne in Richtung DFB und DFL. Dann könnte er in Ruhe weitersuchen. Bisher sei kein Kandidat perfekt gewesen.

Stevens passt nicht ins Profil

Auch Stevens nicht. Zu Einzelheiten wollten Arnesen, der mit dem Niederländer in dessen Heimat gesprochen hatte, keine Auskünfte geben. Jedoch bekannte er: "Ich will einen Trainer, der sich 100 Prozent für unseren Verein entscheidet. Das ist das Gefühl, das ich haben muss." Bei Stevens, der parallel mit Schalke sprach und im Gegensatz zur HSV-Absicht einen längerfristigen Vertrag als nur bis Saisonende favorisiert, hatte Arnesen das Gefühl nicht.

"Manager Horst Heldt hat mich am Wochenende angerufen, wir haben kurz gesprochen", schrieb Stevens in einer am Montag veröffentlichten Sport1-Kolumne. "Ich bin ein freier Trainer, ich höre mir alles an. Der HSV spricht ja auch nicht nur mit einem Kandidaten", meinte Stevens.

Wer nach der Stevens-Absage noch im Lostopf ist, bleibt unklar. Der frühere niederländischen Bondscoach Marco van Basten oder der dänische Auswahltrainer Morten Olsen? "Kann sein, dass in den nächsten Wochen noch Kandidaten hinzukommen", sagte Arnesen.

Nach Informationen aus Österreich buhlen der HSV und Schalke auch um Meister-Coach Franco Foda von Sturm Graz. "Es ist das Ziel eines jeden Trainers, einmal in Deutschland zu arbeiten", wurde der Ex-Bundesligaprofi und zweimalige DFB-Auswahlspieler Foda zitiert. Zunächst jedoch schwärmt Arnesen über Cardoso: "Er bleibt immer er selber. Er spricht logisch, klar und ruhig. Ich bin sehr zufrieden mit ihm."

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