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1. FC Köln Podolski droht mit Wechsel


Aufruhr in Köln: Lukas Podolski hat mit seinem Abschied gedroht. Der Nationalstürmer beklagt mangelnden Rückhalt im Club. Auch Bundestrainer Löw hält den 26-Jährigen reif für das Ausland.

Die Warnung von Lukas Podolski klang ziemlich unverhohlen. In ungewohnter Deutlichkeit drohte der Fußball-Nationalstürmer des 1. FC Köln am Wochenende mit seinem Abschied und sorgte so für Aufregung, die in der Domstadt länger anhalten dürfte als der Ärger über das 2:3 bei Werder Bremen.

"Wenn eine Anfrage kommt, und die werden bestimmt kommen, dann muss man eine Entscheidung treffen, auch für sich alleine", sagte der Nationalstürmer in einem Interview mit dem Bezahlsender Sky. Ihm fehle der Rückhalt im Club, auch Versprechen seien nicht eingehalten worden.

Podolski: Werde mir Gedanken machen


"Ich wollte ein Zeichen setzen", erklärte der Stürmer in Bremen seine Drohung via TV. Podolski ist ganz offensichtlich unzufrieden mit den Verantwortlichen des 1. FC Köln. Der sensible Stürmer fühlt sich nicht ausreichend geschätzt und zeigt sich - angesichts der entzogenen Kapitänsbinde - auch nachtragend. "Wenn es auf die Zielgerade geht, wird man bestimmt Gespräche mit dem Verein führen", sagte der Stürmer: "Ich werde mir meine Gedanken machen mit meiner Familie, und dann wird man gucken, wohin der Weg geht."

Konfrontiert mit den Aussagen seines Lieblingsspielers bezog auch Joachim Löw am Sonntag Stellung. Der Bundestrainer traut Podolski einen Wechsel ins Ausland zu. Nach der Weltmeisterschaft 2006 hatte es Löw noch für "nicht gut" gehalten, wenn der damals erst 21 Jahre alte Podolski die Bundesliga verlassen hätte. "Er brauchte Deutschland, die Kommunikation mit seinen Mitspielern. Heute ist vielleicht eine andere Situation. Jetzt hat er eher die Reife, ins Ausland zu gehen", erklärte Löw, der einen guten Draht zu Poldi besitzt, an dem er auch in Krisenzeiten immer festgehalten hat.

Noch kein offizielles Angebot


Noch gibt es kein offizielles Angebot, doch die Gerüchte über das Interesse von Clubs wie FC Arsenal, Lokomotive Moskau und neuerdings AC Mailand nehmen zu. Mit seiner Leistung in Bremen, der Vorlage zum ersten Kölner Treffer und seinem neunten Saisontor, dürfte er die Begehrlichkeiten noch gesteigert haben.

"Ich habe immer wieder betont, dass mir nicht nur in der Kapitänentscheidung, sondern auch in anderen Dingen der Rückhalt der Verantwortlichen gefehlt hat", sagte Podolski: "Und dazu stehe ich immer noch heute." Der Verein steht nun auch vor einem finanziellen Problem: Podolskis Vertrag in Köln läuft noch bis Juni 2013, so dass die Zeit begrenzt ist, in welcher eine Ablöse kassiert werden kann.

Löw hält Podolski reif für das Ausland


Die 2:3-Niederlage in Bremen dürfte Podolski noch in seiner Ansicht bestärkt haben, dass der 1. FC Köln nicht auf dem Weg zu einer Spitzenmannschaft ist. Etwas kompliziert formulierte der Angreifer seine Klage: "Wenn man von Bayern nach Köln kommt und dann von den Verantwortlichen gesagt bekommt, wir haben einen Weg für die nächsten fünf Jahre, wir wollen nach Europa und wir wollen das und das aufbauen, und ... das nach zwei Jahren nicht mehr funktioniert", dann sei man als Spieler enttäuscht.

Podolski sei für den FC "sehr wichtig", erklärte Löw. Und der Club sei für den 93-maligen Nationalspieler eine hervorragende Adresse, betonte der Bundestrainer. "Auf der anderen Seite ist Lukas jetzt in der Lage, so einen Schritt zu gehen", sagte Löw, der sich aber grundsätzlich neutral verhalten möchte: "Ich kann ihm nichts raten, das muss der Spieler allein oder mit der Familie entscheiden."

Die Nationalspieler würden aber immer wieder auch bei ihm Rat einholen. "Die Spieler fragen mich nach der Einschätzung der Liga, wir Trainer haben da einen besseren Überblick", erläuterte Löw. Grundsätzlich sei es auch "ein gutes Gefühl, wenn unsere Spieler bei großen Clubs im Ausland gefragt sind". Nach der WM 2010 waren Mesut Özil und Sami Khedira zu Real Madrid gewechselt. In dieser Saison wechselte Per Mertesacker von Werder Bremen zum FC Arsenal.

Von Michael Rossmann und Jens Mende/DPA DPA

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