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Jubiläumsband 20 Jahre Fußballmagazin "11 Freunde": Es geht um mehr als ein 1:0

Fans des HSV verfolgen ein Spiel
Seit 20 Jahren schaut die "11 Freunde"-Redaktion auf die Fußball- und Fankultur in Deutschland. Auch beim Relegationsspiel 2015 zwischen dem HSV und dem Karlsruher SC richtete der Fotograf die Kamera nicht aufs Feld, sondern auf die Zuschauer.
© Kai Senf/11 Freunde
Das Fußballmagazin "11 Freunde" wird 20 Jahre alt und blickt in einem großen Jubiläumsband auf die Zeit zurück. Längst hat sich die Zeitschrift auch im Profi-Fußball einen Namen gemacht, dabei aber auch Fans und Amateure nicht aus dem Blick nicht verloren. 

Im Jahr 2000 war "Rumpelfußball" für Spiele der deutschen Nationalmannschaft eine ebenso gängige wie zutreffende Beschreibung, Christoph Daum war designierter Bundestrainer und Bayer Leverkusen wäre beinahe tatsächlich Deutscher Meister geworden – hätte es da nicht ein Eigentor des jungen Michael Ballack gegeben. In dieser Gemengelage entstand im deutschen Fußball ein neues Magazin: "11 Freunde" hieß es, und der Anfang war, wie immer, schwer.

Philipp Köster, bis heute Chefredakteur und seit einigen Jahren auch stern-Stimme, und der Fotograf Reinaldo Coddou H. wollten eine Zeitschrift auf den Markt bringen, die Fußball aus Sicht der Fankultur beleuchtete. Damals, im Jahr 2000, begann alles mehr oder weniger behelfsmäßig in einer kleinen Wohnung in Berlin-Friedrichshain. Die ersten Ausgaben verkauften die Redakteure eigenhändig vor Stadien. Und wenn sie bei Vereinen für Interviews anfragten, legten die Pressesprecher mitunter wortlos auf. Wohl eher aus dieser Not heraus erschien in einer der ersten Ausgaben ein Gespräch mit einer Eckfahne.

11 Freunde: Eine feste Größe in der deutschen Presselandschaft

20 Jahre später steht ganz vorne in dem Jubiläumsband "Das große 11-Freunde-Buch" ein Interview mit Pelé, den nicht wenige für den besten Fußballer aller Zeiten halten. Nicht ganz so viele, aber dennoch einige Fans halten die "11 Freunde" für das beste und interessanteste Magazin in Fußball-Deutschland. Die Höhepunkte aus den 20 Jahren haben Köster und sein Stellvertreter Tim Jürgens in dem großformatigen Band, der zum runden Geburtstag erschienen ist, versammelt.

Längst ist das Magazin eine feste Größe in der deutschen Presselandschaft. Und so schmückt man sich zum Jubiläum auch mit den ganz großen Namen: Neben Pelé tauchen Lothar Matthäus, Uwe Seeler, Per Mertesacker oder die schwedische Stürmerlegende Henrik Larsson prominent auf. Auch bei den Superstars des Geschäfts werden die "11 Freunde" für ihre hintergründigen Geschichten geschätzt. Dann aber tauchen nur wenige Seiten später Bilder von Ascheplätzen, Fußballkneipen und Stadien auf anderen Kontinenten auf. Das macht die "11 Freunde" aus: Hier wird der Weltmeister ebenso ernst genommen wie der Allesfahrer oder Amateurkicker.

Das Magazin für Fußballromantiker

Für schnöde 1:0-Berichterstattung hat sich das Magazin in seiner Geschichte ebenso wenig interessiert wie für reißerische Boulevardstorys. Dafür gibt es den "Kicker" oder die "Sport Bild". Die "11 Freunde"-Redaktion suchte immer nach den Geschichten hinter den Ergebnissen, die jeder überall nachlesen konnte. Fußball- und Fankultur sind hier keine leeren Schlagwörter – wer das Magazin aufschlägt, wird schnell erkennen, dass hier wirkliche Fußballleidenschaft am Werk ist. 

Fußballleidenschaft, man könnte es auch hoffnungslose Romantik nennen. Vehement schreiben die "11 Freunde" gegen Kommerz und VAR an. Erst kürzlich legte die Redaktion in einem Online-Artikel ausführlich dar, warum sie nicht "im herkömmlichen Sinne" über RB Leipzig berichten möchte. Der Fußball entwickelt sich weiter, keine Frage, und manche Entwicklung lässt sich wohl nicht mehr aufhalten. Doch gerade deshalb braucht es ein Magazin wie "11 Freunde" – so lange wie möglich.


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