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Afrika Cup: Hass im Halbfinale

Im Halbfinale des Afrika-Cups steigt eine brisante Begegnung: Algerien gegen Ägypten. Im November hatte es nach dem entscheidenden WM-Qualifikationsspiel zwischen beiden Nationen schlimme Ausschreitungen gegeben.

Von Daniel Theweleit

Auch Wochen nach dem Drama von Kairo wird Karim Matmour noch ganz aufgeregt, wenn er an die jüngsten Spiele zwischen Algerien und Ägypten denkt. Der Stürmer von Borussia Mönchengladbach saß mit seinen algerischen Nationalmannschaftskollegen in dem Bus, der im November auf dem Weg vom Flughafen zum Hotel in Ägyptens Hauptstadt mit Steinen beworfen wurde. Einige algerische Spieler bluteten aus Platzwunden. Matmour ist sicher, dass er in einen geplanten Hinterhalt geraten ist. "Das war alles organisiert, der Busfahrer hat nicht den direkten Weg zum Hotel genommen, an bestimmten Stellen ist er langsam gefahren, die Polizei war plötzlich weg, und dann sind die Steine geflogen", erzählt Matmour.

Nach Hin-, Rück- und Entscheidungsspiel qualifizierte sich schließlich Algerien für die WM. Am Donnerstag treffen die Erzrivalen in der Runde der letzten vier des Afrika-Cups erneut aufeinander, im zweiten Halbfinale begegnen sich die Nachbarn Nigeria und Ghana, die sich ebenfalls nicht leiden können.

Was Matmour verschweigt: Die Algerier geben sich nichts im Vergleich mit Ägypten. In der Nacht vor dem ersten der drei Qualifikationsduelle wurden die ägyptischen Spieler mit Hupkonzerten vor ihrem Hotel in Algier um den Schlaf gebracht. Der Dortmunder Stürmer Mohamed Zidan spricht von "Krieg" und meint, es gehe "um Leben und Tod".

"Krieg" mit politischer Dimension

Längst hat diese Fußballauseinandersetzung politische Dimensionen. Die algerische Regierung bemüht sich um nur schwer erhältliche Visa für 1000 Fans, die mit vom Staat gecharterten Maschinen nach Angola eingeflogen werden sollen. Diplomaten beider Länder beraten sich und erheben öffentlich Vorwürfe. Und in Frankreichs Großstädten dürfte es nach der Partie wieder Straßenschlachten zwischen algerischen und ägyptischen Zuwanderern geben. Kaum ist die Bestürzung nach dem Anschlag auf Togos Nationalmannschaft etwas verklungen, wird der Afrika-Cup erneut von der hässlichen Seite des Sports überschattet.

Angesichts dieser Auswüchse wäre es schön, wenn das Kontinentalturnier seinen vielen Negativschlagzeilen zumindest sportlich etwas Positives entgegenzusetzen hätte. Doch bislang wird dieser Cup als Veranstaltung der Tristesse in die Geschichte eingehen. Die WM-Teilnehmer Nigeria, Kamerun, Ghana und Algerien und die Elfenbeinküste galten als gefährliche Konkurrenz für die europäischen und südamerikanischen Anwärter auf den Weltmeistertitel. In Angola haben sie sämtlich enttäuscht. "Es scheint mir so zu sein, dass hier einige Mannschaften nicht die geistige Frische für so ein großes Turnier haben", sagt Urs Siegenthaler, der im Auftrag von Bundestrainer Joachim Löw in Angola weilte. "Der Afrika-Cup hat seine Unbekümmertheit verloren."

Kleine Nationen überzeugen

Mit Ausnahme von Ägypten überzeugten allenfalls kleine Nationen wie Gabun, Benin oder Sambia, Afrikas WM-Teilnehmer spielten hingegen grausam. Der Afrika-Cup leidet dieses Jahr unter dem schwierigen Termin inmitten der Klubsaison und dem Anschlag auf die Togoer, unter dem feuchtheißen Klima und enormen organisatorischen Schwierigkeiten.

Die Elfenbeinküste, die derzeit am stärksten besetzte afrikanische Mannschaft, hat jedoch regelmäßig erstaunliche Probleme mit diesem Turnier. In den ersten 23 Partien nach der Amtsübernahme von Trainer Vahid Halilhodzic 2008 blieben die Ivorer unbesiegt, seit Jahren wird das Team mit Lob überschüttet, doch sobald der Afrika-Cup beginnt, bleibt das Potenzial ungenutzt. Nun hoffen die Ivorer, dass zur WM der Fluch dieses Turniers, das nicht zum fröhlichen Fußballfest werden wollte, verflogen ist.

Diesen Artikel haben wir für Sie in der Financial Times Deutschland gefunden.

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