Ballack-Nachfolge Hoeneß flirtet mit Lincoln


Die Planspiele der Bayern für die Nach-Ballack-Ära gehen in die nächste Runde: Erstmals hat jetzt Manager Uli Hoeneß die Beschäftigung des Rekordmeisters mit dem Schalker Spielmacher bestätigt.

Michael Ballack geht - aber wer kommt danach? Der FC Bayern München fahndet im In- und Ausland nach einem Nachfolger für den scheidenden Fußball-Nationalspieler und scheint nach der definitiven Absage des Niederländers Mark van Bommel vom FC Barcelona den Brasilianer Lincoln intensiver ins Visier zu nehmen. "Wir sind interessiert", sagte Manager Uli Hoeneß vor dem Bundesliga-Heimspiel gegen den VfB Stuttgart der "Süddeutschen Zeitung" und bestätigte erstmals die ernsthafte Beschäftigung des Rekordmeisters mit dem Schalker Spielmacher.

Lincoln geht auf die Bayern zu

Noch ist es nur ein Planspiel, aber eines mit Hintergrund. "Das ist ein guter Spieler. Das finden wir alle. Auch Trainer Felix Magath", sagte Karl-Heinz Rummenigge in einem am Mittwoch veröffentlichten "Sport-Bild"- Interview. Der Bayern-Chef berichtete zudem, dass Lincoln dem Bundesliga-Spitzenreiter angeboten worden sei. "Nicht wir sind an Lincoln herangetreten, sondern sein Berater Roger Wittmann hat den FC Bayern kontaktiert", sagte Rummenigge.

Der FC Schalke hat Lincoln nicht ausdrücklich für unverkäuflich erklärt. Vor dem Heimspiel am Mittwoch gegen Arminia Bielefeld hob Teammanager Andreas Müller allerdings nochmals die Bedeutung des Brasilianers für die "Königsblauen" hervor - ungeachtet der sehr wechselvollen Leistungen des 27-Jährigen in dieser Saison. "So einen Spieler darf man nicht verkaufen. Er ist extrem wichtig für uns. Mit ihm steht und fällt unser Offensivspiel", betonte Müller.

Ein echter Spielmacher für die Bayern

Eine offizielle Anfrage aus München liegt wohl noch nicht vor. Doch der Poker ist nach der Münchner Interessensbekundung eröffnet. Bei einer zweistelligen Ablösesumme könnte Schalke womöglich doch schwach werden und den noch bis 2008 vertraglich gebundenen Lincoln ziehen lassen. Bayerns Interesse wiederum endet nach Angaben von Hoeneß dort, wo die "verrückten Preise" beginnen.

Lincoln für Ballack - würde das überhaupt Sinn machen? Die Qualitäten der beiden Mittelfeldspieler sind grundverschieden, doch genau darin liegt wohl der Reiz. Lincoln ist genau der klassische Spielmacher, der Ballack nie war, den die Bayern aber suchen. "Jede große Mannschaft spielt inzwischen mit einem Spielmacher - nur nicht Bayern", beklagte Abwehrspieler Willy Sagnol erst am Wochenende. Der Franzose würde Lincoln mit offenen Armen empfangen: "Er ist ein echter Spielmacher. Mir gefällt sein technischer Fußball."

Mit Lincoln auch internationalen Erfolg feiern

Lincoln soll den Bayern ermöglichen, was sie bei Ballack trotz vieler Tore und dem bevorstehenden dritten nationalen Titel-Double in vier Jahren vermissten: Erfolg in der Champions League. Vorrunde, Achtelfinale, Viertelfinale, Achtelfinale lautet die ernüchternde internationale Bilanz der Ballack-Ära. Die Enttäuschung sitzt tief, insbesondere nach dem jüngsten Scheitern gegen den AC Mailand. "Wir hatten uns vorgenommen, in diesem Jahr international besser abzuschneiden. Das ist uns nicht gelungen und da kam ein bisschen Frust auf", sagte Hoeneß noch am Samstag nach dem 13. Pokalsieg.

In München haben sie aufmerksam registriert, dass Lincoln seine besten Spiele in dieser Saison auf der europäischen Bühne machte. Der Brasilianer war Schalkes bester Torschütze und Torvorbereiter, schoss in Champions League und UEFA-Cup jeweils drei Tore. Ein "Leader" ist aber auch er nicht unbedingt. Bayern scheint trotzdem zum Risiko mit der bisweilen launischen Diva Lincoln bereit zu sein, auch wenn Hoeneß zum bevorstehenden personellen Umbau momentan lieber mauert: "Jetzt wollen wir erst einmal Meister werden - und dann schauen wir weiter."

Klaus Bergmann und Ulli Brünger/DPA DPA

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