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Bayern gegen Dortmund Auf diese Duelle kommt es an


In der vergangenen Saison siegte Borussia Dortmund 3:1 in München - und wurde Deutscher Meister. Jetzt sind die Vorzeichen anders. Diese Duelle entscheiden den Bundesliga-Kracher.
Von Klaus Bellstedt

Es ist das Topspiel des 13. Bundesliga-Spieltags: Am Samstagabend (ab 18.30 Uhr im stern.de-Liveticker) trifft Tabellenführer Bayern München auf Borussia Dortmund. Der BVB liegt als Zweiter fünf Punkte hinter den Bayern. In der vergangenen Saison feierte der spätere Meister einen grandiosen 3:1-Erfolg in der Allianz-Arena. Damals waren die Dortmunder Tabellenführer, dieses Mal sind es die Münchener. Entsprechend viel Selbstvertrauen und Zuversicht strahlen sie vor der Partie aus - allen voran der verletzte Bastian Schweinsteiger. Im Interview mit "sport1.de" machte er unmissverständlich klar, wie die Rollen zwischen Bayern und Dortmund am Samstag verteilt sein werden: "Wir sind der Überzeugung, dass wir qualitativ stärker sind, Dortmund weiß das auch." Aber stimmt das wirklich? Wir haben uns die fünf heißesten Duelle genauer angeschaut - und ein eigenes Urteil gefällt.

Franck Ribéry vs. Lukas Piszczek

Der Franzose befindet sich bei den Bayern seit Wochen in Topform. Ribéry, der unter Trainer Heynckes die Aufmerksamkeit bekommt, die er unter Van Gaal immer eingefordert hat, zündet endlich wieder. Die Zeit der vielen kleinen Verletzungen ist vorbei. Sechs Tore und acht Vorlagen stehen für Ribéry in dieser Saison schon zu Buche. Nur Mario Gomez und Claudio Pizarro liegen in der Scorerwertung vor ihm. Am Samstag wird sich ihm Lukas Piszczek entgegenstellen. Der Rechtsverteidiger bevorzugt das körperlose Spiel. In der laufenden Saison unterliefen ihm bislang ganze drei Fouls. Schwer vorstellbar, dass er diesen Ribéry fair kaltstellen kann. In Sachen Schnelligkeit muss sich der Pole nicht vor Bayerns linker Dampfwalze verstecken. Piszczek gilt als extrem sprintstark. Zudem legt er laut Impire-Datenbank beim BVB die meisten Kilometer zurück.

Punkt für Bayern, Ribéry ist derzeit nicht zu stoppen.

Thomas Müller vs. Marcel Schmelzer

An Selbstvertrauen mangelt es Marcel Schmelzer nicht: "Die Bayern wissen, dass sie die beste Mannschaft Deutschlands sind, und wir wissen das auch." Wer so spricht, kennt seine Stärken. Die liegen bei Dortmunds Linksverteidiger eindeutig in der Spielintelligenz. Schmelzer leitet auf seiner Seite oft die Angriffe des BVB ein. In dieser Saison hat er allerdings noch keine Meisterform. Zuletzt musste Schmelzer das Training bei der Nationalmannschaft wegen einer Wadenzerrung abbrechen. Aber für das Spitzenspiel soll er fit werden. Thomas Müller wird dann sein Gegenspieler sein. Der lieferte gerade beim 3:0 gegen Holland eine Galavorstellung ab. Läuferisch enorm stark, aber auch im Abschluss kalt bis ans Herz: Genau wie Ribéry befindet sich auch Thomas Müller in glänzender Verfassung – und ist nie richtig auszuschalten. Schmelzer müsste schon einen Sahnetag erwischen. Möglicherweise spielt er allerdings gar nicht - siehe Wadenverletzung - sondern der kaum erfahrene Chris Löwe. So oder so:

Punkt für Bayern..

Luiz Gustavo vs. Mario Götze

Luiz Gustavo hat in dieser Saison erst fünf Mal von Beginn an für die Bayern gespielt. Durch die Rotsperre von Anatoli Timostschuk und die Verletzung von Bastian Schweinsteiger rückt der Brasilianer gegen den BVB erneut in die Startelf und wird im defensiven Mittelfeld versuchen, die Kreise von Mario Götze einzudämmen. Aber das wird schwer. Luiz Gustavo hat seit seinem Wechsel im Januar 2011 von Hoffenheim zu den Bayern nie an seine frühere Leistungen anknüpfen können. Wenn er mal spielt, wirkt das umständlich und bedächtig. Immerhin: Halbwegs gute Erinnerungen hat er an das letzte Treffen mit den Dortmundern. Bei der 1:3-Schmach erzielte er den einzigen Treffer der Bayern. Sein Gegenspieler: Mario Götze, der entscheidende Faktor im Spiel des BVB. Götze kann alles und spielt diese Saison - als ungefähr einziger Borusse - noch stärker als in der vergangenen. Er ist ein kommender Weltstar. Nur eine Frage bleibt im Hinblick auf die Partie in München: Wird er mit dem immensen Druck umgehen können?

Punkt für Dortmund. Gegen Götze kann fast jeder einpacken.

David Alaba vs. Shinji Kagawa

Wie Götze ist auch Bayerns David Alaba erst 19 Jahre alt. Jupp Heynckes hat den Österreicher zum Vertreter von Schweinsteiger auserkoren. Auch wenn sich Alaba auf den Außenbahnen wohler führ: Er kann ein Spiel aufbauen, ist offensiv stark und kann auch noch Defensivarbeit verrichten. "Er interpretiert die Rolle in der zentralen Defensiv-Position sehr gut", lobt Heynckes seinen Filigrantechniker, der als Gegenspieler gern mal zum Kettenhund mutiert. Shinja Kagawa ist gewarnt. Dortmunds Japaner kam nach seiner schweren Verletzung in dieser Saison nur ganz schwer in Tritt, zeigte jetzt aber ansteigende Form. Beim deutlichen 5:1-Erfolg gegen den VfL Wolfsburg verzauberte Kagawa mit seinem kongenialen Partner Mario Götze endlich mal wieder das Publikum. Erwischt der kleine Japaner in München einen guten Tag, wird es ganz schwer für Alaba.

Punkt für beide. Das wird ein heißes Duell auf Augenhöhe.

Mario Gomez vs. Felipe Santana

Der Ausfall von Neven Subotic schwächt Borussia Dortmund. Als Ersatz steht immerhin Felipe Santana bereit, einer der besten Reservisten der Liga. Dem Zweikampf mit Mario Gomez, der mit 13 Treffern in zwölf Spielen auf den Spuren des Bundesliga-Rekordtorschützen Gerd Müller (40) wandelt, sieht der Brasilianer Santana cool entgegen: "Mario muss wissen, dass er gegen uns eine Torpause einlegen wird. Im Anschluss kann er wieder auf Rekordjagd gehen." Den Nationalstürmer, der gegen die Ukraine unglücklich agierte und das Spiel gegen Holland von der Ersatzbank aus miterlebte, machen solche Aussagen wenig Sorgen. Gomez trifft daheim fast in jedem Spiel. In der jetzigen Form wäre er kaum von Subotic auzuschalten.

Punkt für Bayern. Gomez ist zu abgezockt für Santana.

Gesamtergebnis:

3,5 zu 1,5 für die Bayern. Der BVB hatte zuletzt zwar in der Liga einen Lauf, aber die Bayern sind heuer zu stark und personell überlegen. Der 3:1-Sieg in München in der vergangenen Saison kam unter ganz anderen Vorzeichen zustande. Auch ohne Schweinsteiger werden die Bayern in diesem Duell die Oberhand behalten. Dafür sind sie viel zu stabil.


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