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Bayern siegt im DFB-Pokalfinale: Happy End mit Haken

Lange können die Dortmunder das Spiel offen halten, am Ende müssen sie sich dem stärkeren Team aus München geschlagen geben. Dabei wird dem Dortmunder Mats Hummels ein klares Tor aberkannt.

Von Ingo Scheel

"Ihr wohnt im Pott und wir haben ihn" stand schon vor Spielbeginn in Krakelbuchstaben auf einem Fan-Plakat im Bayernblock. Eine Prophezeiung, die sich erfüllen sollte, wenn auch mit Hindernissen. Und die begannen für Pep Guardiola schon vor dem Spiel. So musste der Bayern-Coach auf den kurzfristig verletzten Alaba verzichten. Der Spanier bot stattdessen den 18-jährigen Hojbjerg auf, der auf der rechten Abwehrseite nicht nur einen guten Job machte, sondern auch noch offensiv für Gefahr sorgte. Javier Martinez spielte in einem 3-4-3-System auf der zentralen Abwehrposition. Mario Mandzukic war von Guardiola in die Verbannung geschickt worden, für ihn rückte Robben ins offensive Zentrum. Auch das eine richtige Entscheidung, wie sich herausstellen sollte.

Wer sich jedoch erhofft hatte, dass die beiden Clubs einen ähnlichen kurzweiligen Kick wie 2012 und 2013 bieten würden, sah sich getäuscht. Die Bayern agierten dabei griffiger, zeigten von Beginn an mehr Zug zum Tor. Thomas Müller in der 4. Minute, Robben nur wenig später, hätten bereits für die frühe Münchner Führung sorgen können. In der 25. Minute war es erneut der Holländer, der im erstklassigen Weidenfeller - noch – seinen Meister fand. Nach einer halben Stunde schließlich legte sich nicht nur Guardiolas hohe Stirn in Sorgenfalten, auch Bundestrainer Löw rückte auf seinem Tribünenplatz nervös hin und her. Der Grund war Philipp Lahm, der mit einer Blessur am linken Fuß vorzeitig vom Feld musste. Für den Bayern-Kapitän kam der Franzose Franck Ribéry in die Partie.

Nach einer Stunde offeneres Spiel

Und die Dortmunder? Latent zerfahren, unsicher im Zuspiel, ideenlos im Aufbau – die Leistung der Klopp-Truppe in der ersten Hälfte. Im Blickpunkt dabei Borussenstürmer Lewandowski, der im Sommer zu den Bayern wechselt und seinen Arbeitgeber in spe nur selten in Gefahr brachte. Auch nach dem Seitenwechsel waren es vor allem die Bayern, die Akzente nach vorne setzten. Erst nach einer Stunde Spielzeit wurden die Westfalen mutiger und sorgten schließlich in der 64. Minute durch Mats Hummels für die Dortmunder 1:0-Führung – wenn, ja, wenn Schiri Florian Meyer oder einer seiner Linienrichter die Situation richtig gesehen hätten. Oder die längst überfällige Torlinien-Technik hierzulande eingesetzt würde. So aber erwischte Dante den Ball von Hummels – in der Zeitlupe eindeutig zu sehen – hinter der Torlinie, schlug ihn aus dem Sechzehner und hielt so das 0:0.

Zum offenen Schlagabtausch entwickelte sich das Pokalfinale schließlich in der Verlängerung. Die Beine der Bayern wurden langsam schwer, Kroos und Müller litten unter heftigen Krämpfen und als man sich so langsam mit dem Gedanken an ein Elfmeterschießen befasste, fiel doch noch ein Tor. Wieder einmal durch Arjen Robben. Der war im Gegensatz zu vielen seiner Mitspieler noch drahtig und fit wie der vielzitierte Turnschuh. Netzte in der 107. Minute und setzte gleich zu einer halben Ehrenrunde an. Die Dortmunder bäumten sich noch einmal auf, Chancen gab es jedoch kaum mehr. Dafür sorgte Thomas Müller in der 3. Minute der Nachspielzeit für den Schlusspunkt. Mit letzter Kraft sprintend, taumelnd, sich durchbeißend umkurvte der Bayern-Stürmer BVB-Keeper Weidenfeller und schloss zum 2:0-Endstand ab.

Gut oder richtig gut?

Das Double war gesichert. Schlusspunkt unter eine bayerische Erfolgssaison und nicht zuletzt ein Tor für Pep Guardiola. Für den war dieses Finale schlussendlich der Lackmus-Test, das Zünglein an der Waage. Zweimal 45 Minuten, die darüber entscheiden sollten, ob es denn nun eine sehr gute oder "nur" eine gute Saison werden würde. Mit einem Triple aus der Abschiedsaison von Jupp Heynckes als Hypothek, stand Guardiola dabei vor einer schwer lösbaren Mammutaufgabe. Die Meisterschaft im Sack, die "Bundesliga eingestellt", war das Team vor Wochen aus dem Tritt geraten. Verabschiedete sich im Halbfinale der Champions League mit einer blamablen 0:4-Heimpleite, geriet Guardiola zunehmend in die Kritik.

Das DFB-Pokalfinale, das Anhängsel an die Saison, musste es nun richten. Sollte zeigen, ob es "nur" zum Meistertitel reicht oder ein Double eingefahren werden kann. Dass es schließlich überzeugend und - trotz nicht gegebenem Tor – verdient zum Titel reichte, erkannte auch BVB-Coach Klopp an. Wer weiß, wie leicht dem Mann die Hutschnur hochgeht, war zumindest dezent überrascht, wie verhältnismäßig unaufgeregt er die Fehlentscheidung Mitte der zweiten Hälfte nach Spielschluss kommentierte.

Nun denn. Ein Happy End. Wenn auch mit Haken. Die vielen angeschlagenen, am Ende einer langen Saison auf Reserve laufenden Spieler wie Lahm, Kroos, Müller und der an der Schulter verletzte Neuer müssen für die WM wieder fit gemacht werden. Und nicht auszudenken, was der Treffer für die Dortmunder aus diesem Spiel gemacht hätte. Und wie sich die Bayern – und vor allem Trainer Guardiola - mit einer möglichen Finalniederlage arrangiert hätten. Alles graue Theorie. Die Wahrheit lag - wenn auch spät – auf dem Platz. Wie hechelte es Torschütze Robben nach dem Spiel ins Mikro eines Interviewers: "Wir wollten unbedingt den Titel. Den haben wir. Wieder das Double. Eine gute Saison. Ende!". Eben. Drum.

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