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Bayern ziehen ins Pokalfinale ein: Auch das Glück ist zurück

Der FC Bayern steht im Endspiel des DFB-Pokals. Anders als in den Spielen zuvor war es gegen Gladbach aber ein hartes Stück Arbeit. Im Elfmeterschießen half dann das Glück - aber nicht nur.

Von Klaus Bellstedt

Drei Mal hintereinander hatten es die Bayern zuletzt mit schlechteren Sparringspartnern zu tun. Gegen Hoffenheim, den FC Basel und Hertha BSC Berlin gelangen dem deutschen Rekordmeister dabei nicht nur drei glanzvolle Siege, sondern auch unfassbare 20 Tore. Es lief die sechste Spielminute in diesem Pokal-Halbfinale, als sich die Bayern-Fans im Stadion und vor den Bildschirmen vermutlich schon wieder die Hände rieben: Toni Kroos traf nach einer feinen Kombination mit einem präzisen Schuss aus 18 Metern den Innenpfosten. Der Ball sprang zwar ins Spielfeld zurück, aber so ein bisschen deutete sich trotzdem schon zu diesem frühen Zeitpunkt eine Fortsetzung des munteren Preisschießens an. Doch daraus wurde nichts. Die Münchner konnten die Partie erst im Elfmeterschießen mit 4:2 für sich entscheiden. Auch deshalb, weil der Gegner an diesem Abend Borussia Mönchengladbach hieß.

Gladbach? Da war doch was. Die vergangenen beiden Partien gegen die Mannschaft von Trainer Lucien Favre in der Bundesliga gingen für die Münchner verloren. Mit perfektem Konterfußball, der Mithilfe von Torwart Manuel Neuer und einem famosen Marco Reus gelang es dem Überraschungsteam der Saison, den großen Favoriten gleich zweimal in die Knie zu zwingen. Irgendwie merkte man das den Bayern anfangs auch an. Mit viel Respekt gingen sie dieses Alles-oder-Nichts-Spiel an - und hatten doch einen genauen Plan, wie die Gladbacher Organisation geknackt werden sollte. Geduld, so hieß das Zauberwort.

Ganz gemütlich und im Louis-van-Gaal-Stil bauten sie auf, ehe dann immer wieder Rhythmuswechsel in Form von schnellen Spielverlagerungen erfolgten. Das ging nicht immer gut, trotzdem kamen die Münchner allein in der ersten Hälfte zu drei weiteren klaren Gelegenheiten. Eine Führung wäre verdient gewesen. Gladbach verteidigte zwar mit hohem Aufwand, schaffte es aber viel zu selten, das eigene und von den Gegnern so gefürchtete schnelle Kombinationsspiel aufzuziehen. Dennoch: Auch die Hausherren tauchten immer mal wieder gefährlich vor Manuel Neuer auf. Aber es waren mehr Einzelaktionen (Reus, Daems, Dante). Die Wucht des Kollektivs bekamen die Bayern jedenfalls nie richtig nicht zu spüren.

Nerlinger hat eine Eingebung

Was natürlich auch an der eigenen wiedergefundenen Stärke lag. Auch ohne Bastian Schweinsteiger hat sich diese Mannschaft mittlerweile auch auswärts merklich stabilisiert. Mit David Alaba und Franck Ribéry auf links sowie Philipp Lahm und Arjen Robben auf der rechten Seite hat Jupp Heynckes seine idealen Pärchen gefunden. Im offensiven Mittelfeld rochieren Thomas Müller und Toni Kroos und machen das Spiel für jeden Gegner undurchschaubar. Es ist die Balance aus Defensive und Offensive, die wieder stimmt. Und die sich auch in Zahlen niederschlägt. Zwar hieß es auch nach 90 Minuten im Borussia-Park 0:0, aber in Sachen Ballbesitz führten die Bayern gegen Gladbach längst deutlich. Die Statistiker hatten für die zweite Hälfte ein Verhältnis von 62:38 Prozent ermittelt.

Christian Nerlinger, Bayerns Manager, hatte kurz vor der Verlängerung eine Eingebung: "Das ist zwar ein enges Spiel und wir müssen auch weiterhin aufpassen, aber ich glaube, wir gewinnen wegen unserer individuellen Klasse diese Partie." Nerlinger dachte in dem Moment vermutlich nicht daran, dass erst das Elfmeterschießen die Entscheidung in diesem hochklassigen Pokalspiel herbeiführen würde. Gladbach war am Ende der Verlängerung stehend k.o., der abermalige Schlusspfiff kam einer Erlösung für die aufopferungsvoll kämpfende Truppe vom Niederrhein gleich.

Mit dem Papst in der Tasche

Elfmeterschießen ist immer ein Glücksspiel, aber irgendwie sollte Christian Nerlinger mit seinem Gefühl, dass die Qualität entscheiden würde, doch auch Recht behalten. Die Bayern-Schützen Alaba, Ribéry, Lahm und Kroos versenkten ihre Schüsse vom Punkt allesamt mit großer Sicherheit. Anders Gladbach: Dante drosch seinen Elfmeter in den Nachthimmel. Ausgerechnet Dante. Der Transfer des Verteidigers im Sommer zu den Bayern soll so gut wie perfekt sein. Da kamen plötzlich Erinnerungen auf. 1984 im Pokalfinale versemmelte ein gewisser Lothar Matthäus für Gladbach seinen Elfmeter gegen die Bayern - als schon feststand, dass er im Anschluss an die Saison nach München wechseln würde. Dante war der Erste, der nach dem verlorenen Shootout in die Kabine flüchtete. Untröstlich wegen seines Missgeschicks. Kurz zuvor hatte Manuel Neuer auch noch den Schuss von Nordtveit gehalten. Das war glücklich, weil Bayerns Keeper einfach nur angeschossen wurde, aber in gewisser Weise auch der Lohn dafür, dass der Nationaltorwart eine richtig starke Leistung bot und sein Team beispielsweise kurz vor Ende der regulären Spielzeit mit einer spektakulären Rettungstat gegen Marco Reus vor dem Rückstand bewahrte. Mit Glück und Qualität ins Finale von Berlin, so klappte es für die Mannschaft von Jupp Heynckes.

"Die Bayern waren heute klar besser, als im Januar und im vergangenen August, als wir sie schlagen konnten", bilanzierte hinterher Gladbachs Trainer Lucien Favre. Trotz des bitteren Ausscheidens seiner Mannschaft wirkte der sympathische Schweizer nicht sehr betrübt oder gar niedergeschlagen. Vielleicht auch deshalb, weil sein Team den Zuschauern ein tolles und packendes Spiel geboten hatte. Dass sie derzeit, neben Borussia Dortmund, zum Besten zählen, was der deutsche Fußball zu bieten hat, konnten aber vor allem die Bayern unter Beweis stellen. Auch wenn sie am Ende den Pabst in der Tasche hatten.

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