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Brasilien gegen DFB-Elf Einfach genial. Einfach Götze


Nach 18 Jahren gelang der DFB-Elf wieder ein Sieg über Brasilien. Dank Spielwitz, Leichtigkeit - und Mario Götze. Bundestrainer Löw ist voll des Lobes über den 19-jährigen Debütanten.

Hätte man das Ergebnis des Länderspiels der deutschen Auswahl gegen Brasilien eine halbe Stunde nach Abpfiff nicht gekannt, es wäre unschwer abzuleiten gewesen von den Ausführungen des Bundestrainers. Es war Joachim Löw, der sich auf Nachfrage mit dem geschlagenen Gegner, dem brasilianischen Nationalteam beschäftigte. Solch ein 3:2-Sieg der DFB-Elf, eben dieser Mittwochabend in Stuttgart, veränderte mal eben die Welt.

Für Mario Götze ganz besonders, der 19-jährige Dortmunder erzielte das 2:0 auf ganz und gar brasilianische Art und sorgte in einer starken Mannschaft für die speziellen Momente. Die drei Säulen: Spielwitz, Leichtigkeit, Götze. Beim letzten Sieg einer DFB-Elf gegen den fünfmaligen Weltmeister, ein 2:1 im Jahr 1993 in Köln, war der Mann des Abends gerade mal 17 Monate alt. Dank Götze konnte Löw nonchalant über die BrasilianerAuskunft erteilen.

Löw erteilt Amtshilf für Brasilien

Völlig unrealistisch wäre früher solch ein Szenario gewesen, eher genau umgekehrt. Ein Trainer der Selecao hätte den Deutschen Mut zugesprochen, ein paar nette, aufbauende Worte gefunden. Motto: Wird schon noch - aber nicht gegen uns.

Nun aber, eine halbe Stunde vor Mitternacht, sprach Löw über Brasilien. Mit Respekt, klar, ohne anmaßend zu sein, aber ein wenig Amtshilfe nahm er sich schon heraus - im guten Gewissen des Triumphators. Also sprach Löw: "Wenn es Brasilien mit all seinen Top-Spielern - ich glaube, das sind 40-50, die dem Nationaltrainer zur Verfügung stehen - schafft, eine Mannschaft zu bilden, eine homogene, eingespielte Truppe, dann sind sie stark. Die Spieler dazu hat Brasilien." Mano Menezes, auf den der Begriff Auswahl-Coach wie auf keinen anderen zutrifft, dürfte sich bedanken.

Aktuell wird Löw beneidet. Er hat Mario Götze, den Spieler des Abends, in seinen Reihen. "Er hat eine große Zukunft vor sich", lobte Menezes. Es wäre interessant zu sehen, wie sich Götze mit Pato, Robinho oder Neymar verstehen würde - und wer von wem mehr profitieren würde. "Was die Technik betrifft, ist Mario ein halber Brasilianer", hatte Bastian Schweinsteiger gesagt. Die Mitspieler in Dortmund rufen ihn schon auch mal "Götzinho", die Boulevard-Medien haben dankend übernommen.

Löw voll des Lobes

Viel Lob war auf Götze, in seiner ersten echten Profisaison mit Borussia Dortmund Meister, eingeprasselt nach seiner Gala zum Ligastart gegen den Hamburger SV (3:1). Nach seinem Auftritt als Spielmacher in Vertretung des geschonten Mesut Özil von Real Madrid im Test gegen Brasilien wird es heißen: Tendenz steigend.

Bundestrainer Löw schwärmte nach dem 3:2-Erfolg: "Mario hat ein tolles Spiel gemacht. Er hat eine grandiose Technik und sieht alles auf dem Platz. Er spielte klare Pässe und lässt die einfachsten Dinge großartig aussehen." Einfach großartig. Der Bundestrainer weiter: "Mario findet in jeder Situation die richtige Lösung. Es sind die einfachen Dinge, die er genial macht." Einfach genial eben.

In wenigen Sätzen erklärte Löw das Gesamtkunstwerk Götze. Leicht und lässig sieht sein Spiel aus, immer in der Gewissheit, das Tempo seiner Aktionen plötzlich erhöhen zu können. Sehr reif wirkt alles, irgendwie selbstverständlich. Dabei war die Brasilien-Partie sein erster Einsatz im DFB-Dress von Beginn an, im siebten Länderspiel. "Ein Traum sei das", sagte er noch vor der Partie und hinterher klang er so, als habe er eine Prüfung in der Schule bestanden, vor der hauptsächlich die anderen reichlich Bammel gehabt hatten. Nicht Götze. "Ich freue mich einfach, es lief reibungslos. Ich bin froh, dass ich meine Chance bekommen habe, die Mitspieler haben mir geholfen. Ich bin glücklich, meinen Teil zu unserem Sieg beigetragen zu haben", sagte der gebürtige Memminger, "ich habe jeden Moment genossen." Inklusive der Extra-Würdigung durch Löw, der ihn zwei Minuten vor Ende der Partie auswechselte. Der Teenager sollte die Begeisterung der Fans spüren. Solch ein Startelf-Debüt hat man lange nicht bestaunen können.

Überangebot in der Offensive

Die Götze-Lobhudelei hatte dann aber ein jähes Ende, besonders Löw hielt sich zurück und schwärmte von seinen personellen Möglichkeiten - auch wenn man in DFB-Kreisen keine Sorge hat, dass der 19-Jährige abhebt. Sein Umfeld ist geerdet, bodenständig, er wohnt noch zu Hause. Löw sagte: "Ich bin froh, dass ich eine solche Auswahl an jungen Spielern habe, das spornt an und steigert den Konkurrenzkampf." Götze drängt in die erste Elf, doch wen aus der Offensiv-Abteilung soll Löw herausnehmen? Thomas Müller, den WM-Torschützenkönig, wohl nicht. Auch Özil nicht. Vorne werden sich Bayerns Mario Gomez und Oldie Miroslav Klose im EM-Jahr um den Platz streiten - bliebe die Linksaußen-Position. Lukas Podolski wird sich ernsthaft Sorgen machen müssen.

Wie Spanien auch? Denn wer Brasilien mit spielerischen Mitteln schlägt, kann von der Nummer eins nicht weit entfernt sein. "Wir haben ein gutes Teamwork gegen Klasse-Individualisten gezeigt", freute sich Löw, "unser Spiel war flüssig, fußballerisch gut, auch über die Flügel. Aber wir müssen uns noch verbessern." Um 2012 bei der EM in Polen/Ukraine den ersehnten ersten Titel seit 1996 zu gewinnen.

Spanien ist das Maß aller Dinge. "Sie sind Welt- und Europameister, stellen mit Barcelona den amtierenden Champions-League-Sieger. Natürlich wollen wir die attackieren", sagte Löw, "wir sind in den letzten fünf, sechs Jahren das konstanteste Team in der Weltspitze. Aber das heißt nicht, dass wir nun mit Spanien auf einer Stufe stehen, wir wollen sie herausfordern." Das Rezept dazu hat er. "Wir hatten eine Top-Einstellung gegen einen Top-Gegner. Die Mannschaft hat mit Lust, Freude, Engagement und Dynamik gespielt." Und mit Mario Götze.


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