Bundesliga-Kommentar Hoffenheim? Gott sei Dank!


13 Spiele ohne Niederlage, die Bayern-Maschine läuft auf Hochtouren. Die Meisterschaft scheint eine klare Sache zu sein - gäbe es da nicht die Hoffenheimer. Ohne ersichtliche Schwäche überrennen sie die Liga und machen das Titelrennen spannend. Die Verbal-Attacken der Bayern zeigen: Sie wissen um die Stärke des Rivalen.
Von Jens Fischer

Ach ja, was hatte die Journaille nicht alles zu schreiben in den ersten Monaten dieser Bundesliga-Saison. Der FC Bayern München enttäuschte Woche für Woche und Spiel für Spiel. Der Schuldige war schnell gefunden: Jürgen Klinsmann war's, der neue Trainer der Bayern mit den ach so innovativen Trainingsmethoden. Die Presse und die Anti-Bayern-Fraktion freuten sich: Endlich war die Bundesliga wieder spannend, endlich war die Dominanz der Bayern wieder eingebremst.

Diese Zeiten sind vorbei. Seit 13 Pflichtspielen sind die Bayern ohne Niederlage und holten in der Bundesliga zuletzt 23 von möglichen 27 Punkten – beeindruckend, die Bayern-Maschine läuft auf Hochtouren. Der Überflieger Franck Ribéry, die bärenstarken Philipp Lahm und Ze Roberto oder die "Fließband-Torjäger" Luca Toni und Miroslav Klose – sie alle sind in Topform und siehe Leverkusen momentan nur schwer aufzuhalten. Ganz besonders auch, weil die vermeintliche Konkurrenz mal wieder mehr mit sich als gegen die Bayern kämpft.

Schalke, Hamburg, Bremen, Stuttgart, Leverkusen – die Bayern-Rivalen enttäuschen derzeit auf der ganzen Linie. Mit wenig Konstanz taumeln sie von Spiel zu Spiel, verzetteln sich in interne Personaldiskussionen und sind jetzt schon alles andere als ambitioniert in Sachen Meistertitel. Da droht jetzt schon wieder Langeweile in der Liga, gäbe es da nicht die vielumjubelten Underdogs aus Hoffenheim.

Die Mannschaft aus dem Kraichgau brilliert mit ihrem sensationellen Teamgeist, mit überragenden Einzelkönnern und vor allem und am wichtigsten: mit einer Leistungskonstanz, die der Rangnick-Truppe nie und nimmer zugetraut werden konnte. In jetzt 15 Spielen der aktuellen Saison haben die Hoffenheimer so gut wie keine Schwäche gezeigt, selbst vermeintliche "Stolper-Spiele" wie aktuell gegen Bielefeld werden leicht und locker mit 3:0 gewonnen. Die Hoffenheimer können Meister werden und sind für die wieder erstarkten Bayern echte Rivalen. Sie machen die Bundesliga spannend. Hoffenheim? Gott sei Dank!

Hoeneß attackiert

Auch der Respekt der Bayern ist riesengroß. "Ich freue mich auf das Spiel gegen Hoffenheim. Da treffen zwei Klasse-Mannschaften aufeinander", meint Klinsmann. "Dass Hoffenheim so in die Runde kommt, ist erstaunlich". Und Manager Uli Hoeneß bekräftigt nach dem Sieg in Leverkusen: "Wir haben in der zweiten Halbzeit klasse gespielt, das sollte gegen Hoffenheim reichen", um gleich noch eine Kampfansage hinterher zu schieben: "Jetzt wollen wir am Freitag Hoffenheim schlagen. Wir werden sehen, wer momentan die bessere Mannschaft ist."

Man mag von Hoeneß' Macho-Rhetorik nicht begeistert sein, sie hinterlässt aber eine klare Botschaft: Die Bayern sind beeindruckt, sie sind nervös vor dem vermeintlichen Endspiel um die Herbstmeisterschaft. Auch sie wissen: Die Hoffenheimer sind in diesem Jahr ein ernstzunehmender Konkurrent um die Meisterschale.

Das Bayern-Ziel: Hoffenheim verunsichern

Da wundert es auch nicht, dass die Bayern-Verantwortlichen auch bei den Hoffenheimern eine ihrer bewährten Taktiken anwenden. Dem gegnerischen Spielmacher Sejad Salihovic wird ein Angebot unterbreitet und Franz Beckenbauer macht via TV dem "Fließband-Torjäger" Vedad Ibisevic Avancen. Alles mit dem einen Ziel: Hoffenheim verunsichern, Unruhe verbreiten und die jungen Spieler aus der Konzentration bringen.

Bislang beißen die Bayern auf Granit. Auch weil die Verantwortlichen in Hoffenheim auf sehr angenehme Art und Weise auf dem Boden bleiben. "Wir fahren nach München, um zu gewinnen. Wenn wir couragiert auftreten, haben wir sicher auch dort eine Chance", gibt sich Trainer Rangnick gewohnt bescheiden. "Die Herbstmeisterschaft interessiert uns nicht so sehr." Und Mäzen Dietmar Hopp übermittelt aus seinem Florida-Urlaubsdomizil: "Wir spielen 2:2".

Hoffenheim bleibt cool. Keine Anzeichen von Nervosität oder Überheblichkeit. Das macht sie neben ihrer Spielstärke zu einem echten Gegner für die Bayern. Und zu einem Garanten für eine spannende Saison.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker