Bundesliga Was Bayern mit Gomez vorhat


26 Scouts aus ganz Europa hätten sich jüngst die Mühe sparen können, Mario Gomez zu beobachten. Der Torjäger des VfB Stuttgart wird im kommenden Sommer die Schwaben verlassen. Sein Ziel ist der FC Bayern München. Der Deal wird zur Not mit einem alten Bauerntrick über die Bühne gehen.
Von Oliver Trust, Stuttgart

Mario Gomez wirkt ruhig und gelassen in diesen Tagen. Gerade so wie einer, der weiß, die Dinge sind geregelt. So sieht er jedes Mal aus, wenn er vor eine Kamera tritt und seine Stimme kommt ohne Schwankungen aus. Und das, obwohl sein Klub im Mittelmaß steckt, was einem ehrgeizigen Stürmer wie ihm nicht egal sein kann. Er schießt zwar Tor um Tor, aber auf Dauer hilft ihm nur ein Vereinswechsel.

Ohne die ganz große internationale Bühne – die Champions League - droht er gegenüber den Konkurrenten an Boden zu verlieren. Deshalb scheint der nächste Karriereschritt auch so gut wie beschlossen. Dass Bayern München bald einen rasanten Wechsel in der Abteilung Angriff durchführen wird, steht seit der verklausulierten Freigabe für Lukas Podolski fest. Ebenfalls ungewiss ist die Zukunft des Italieners Luca Toni. Ein deutscher Topstürmer, neben Gomez gibt es nicht viele, käme da gerade recht.

Bayern erste Wahl

Vor fast zwei Jahren schien es für den Stürmer mit den spanischen Wurzeln nur eines zu geben, den FC Barcelona oder einen anderen spanischen Topverein. In jedem Interview wies Gomez auf seine Leidenschaft hin, den spanischen Fußball. Doch bald stellte sich in den Gedankenspielen, die er zusammen mit seinem Management um Uli Ferber anstellte, eine Kehrtwende ein. Die iberischen Schwergewichte verloren an Strahlkraft - wie auch der italienische Topklub Juventus Turin. Turin hatte Gomez einst ein Angebot über 20 Millionen Euro netto für fünf Jahre gemacht. Kurz darauf beschloss man im "Hause Gomez" lieber einen "Zwischenschritt" zu machen, und der soll nach München führen.

Im Gespräch mit stern.dewollten sich die Verantwortlichen der beiden Vereine und auch der Spieler selbst branchenüblich nicht konkret äußern, aber es spricht alles dafür, dass Gomez zu den Bayern geht. Bereits vor einem Jahr war der Wechsel praktisch erledigt. "Mit Mario war alles klar. Wir waren uns mit ihm einig. Das ist jetzt abgeblasen worden, weil Stuttgart abgesagt hat. Ich finde es schade, aber es ist nicht zu ändern", sagte Bayerns Manager Uli Hoeneß. 25 Millionen plus X waren die Bayern bereit zu zahlen.

Reden um den heißen Brei

Gomez selbst hatte in Stuttgart derweil alles unternommen, um den geplatzten Wechsel als reine Spekulation abzutun. Auf seiner Homepage erklärte er: "Ein klares Bekenntnis zum Stuttgart ist doch gar nicht notwenig. Ich habe kein einziges Mal gesagt, dass ich den Club in diesem Sommer verlassen will. Und ich habe einen Vertrag beim VfB Stuttgart." Rund um die EM 2008 kochte das Thema wieder hoch. Uli Hoeneß meinte: "Sollte Mario Gomez zur kommenden Saison wechseln, sind unsere Chancen ziemlich gut, glaube ich. Es ist doch klar, dass wir alles tun, um diesen Topmann zu verpflichten, bevor der nach Italien geht und die Leute sagen: 'Hey, wieso habt ihr euch nicht bemüht?'"

Hoeneß weiter: "Wir interessieren uns doch nicht erst seit zwei Tagen für Mario Gomez. Sobald ein Signal aus Stuttgart kommt, sind wir da. Da können Sie sicher sein." Man mache Stuttgart schließlich "nicht verrückt, wenn wir ihn nicht wirklich haben wollen". Gomez hat zwar einen Vertrag bis 2012, in dem aber sollen Klauseln einen Wechsel doch möglich machen. Während Gomez selbst dem Drängen des VfB vor einem Jahr noch nachgab, scheint er diesmal zum Wechsel entschlossen.

Suche nach einem Nachfolger

Sagen die Stuttgarter wieder Nein zum direkten Weg nach Süden, könnte ein simpler Trick die Lösung bringen. Im Gomez-Vertrag soll eine Klausel einen Transfer zu einem europäischen Spitzenverein ermöglichen, für 30 Millionen Euro. Damit, so heißt es aus der Szene, könnte man Gomez zur Not für ein paar Tage bei Red Bull Salzburg "parken" und ihn dann zu den Bayern transferieren. Beide Klubs pflegen seit Jahren enge Beziehungen. Ob eine solche Nummer bei den Fans ankommt und förderlich fürs Image wäre, ist wieder eine andere Frage.

Stuttgarts Manager Horst Heldt jedenfalls wollte nach dem 2:0-Sieg über Partizan Belgrad "dieses Fass nicht aufmachen". Gemeint war der "Fall Gomez" und die nicht enden wollenden Spekulationen über einen baldigen Vereinswechsel des 23 Jahre alten Deutsch-Spaniers. Hinter den Kulissen aber, so heißt es, bereitet sich der VfB intensiv auf die Zeit nach Gomez vor. Es muss eine Strategie entwickelt werden, was mit den Bayern-Millionen passiert. Davon könnte auch der ehemalige Nationaltorwart Jens Lehmann profitieren. Auch ihn kann wohl nur die Aussicht ganz oben mitzuspielen, dazu bewegen, ein weiteres Jahr in Stuttgart zu verlängern. Die Tendenz geht in Richtung Karriereende. Im Winter soll eine Entscheidung fallen, die irgendwann im Januar verkündet werden soll. Das gilt auch für die Vertragsfrage um Trainer Armin Veh, dessen Kontrakt Ende der Saison ausläuft. Also auch der Winter am Neckar wird spannend.

Diesmal allerdings wird Mario Gomez keine Rolle spielen. In der Winterpause, das steht unerschütterlich fest, wird Gomez noch nicht gehen, weil das auch den schwäbischen Fans nicht zu vermitteln wäre. Die Bayern müssen deshalb noch ein paar Monate auf ihren Neuzugang warten.


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