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Bundesliga-Check: VfL Wolfsburg: Magaths Malocher

Der VfL Wolfsburg will mit Macht zurück an die Spitze. Dafür hat Trainer Felix Magath vor allem Kämpfer verpflichtet. Ob das gut geht? Im Pokal jedenfalls nicht. Bei der Niederlage in Leipzig war die Abwehr ein Torso.

Von Klaus Bellstedt

Was ist neu?
Christian Träsch, der für geschätzte neun Millionen Euro vom VfB Stuttgart kam, ist für Trainer Felix Magath der Wunschspieler für das defensive Mittelfeld. Der Nationalspieler soll bei den Wölfen neben Josuè abräumen - und die Lücke schließen, die sich nach dem Weggang von Sascha Riether aufgetan hat.

Patrick Ochs und Marco Russ wurden von Bundesliga-Absteiger Eintracht Frankfurt verpflichtet. Beide Spieler haben es auf Anhieb in die Stammelf geschafft. Ochs soll das Flügelspiel auf der rechten Seite ankurbeln, Russ läuft als linker Innenverteidiger auf - zumindest so lange, bis Arne Friedrich wieder richtig fit ist.

Mit Hasan Salihamidzic spricht ein weiterer Neuzugang Deutsch. Eine Tatsache, die Magath schon immer wichtig war. Die beiden kennen sich lange. Sowohl beim HSV, als auch bei den Bayern trainierte "Brazzo" unter Magath, der sich selbst als "Förderer" des Bosniers bezeichnet. Salihamidzic ist jetzt 34 Jahre alt. Er hat keine gute Zeit bei Juventus Turin hinter sich. Und jetzt wird er der Heilsbringer auf der rechten Abwehrseite?

Magath erhofft sich auch von Srdjan Lakic viel. Der Stürmer schoss in drei Jahren beim 1. FC Kaiserslautern 35 Tore. Gemeinsam mit seinem kroatischen Landsmann und Sturmpartner Mario Mandzukic soll Lakic jetzt auch bei den Wölfen die gegnerischen Abwehrreihen durcheinander wirbeln, aber vor allem: Tore schießen.

Talent Mateusz Klich (21) braucht ebenso noch Zeit wie die Nachwuchsspieler Kevin Scheidhauer (19) und Michael Schulze (22).

Was ist gut?

Die Vorbereitung lief fast schon beängstigend gut - bis zum Pokalspiel in Leipzig. In acht Testspielen, teilweise gegen ernst zunehmende Gegner, erzielte die Mannschaft 59 Treffer. Vor allem das 5:1 gegen den HSV beeindruckte. Das Sturmduo Mandzukic/Lakic scheint perfekt zu harmonieren. Bei der Saison-Generalprobe gegen Villareal (2:2) trafen beide, beim Pokal-Aus in Leipzig knipste immerhin Lakic. Warum das Zusammenspiel so gut funktioniert? "Wir sprechen auf dem Platz Kroatisch. Viele Gegenspieler verstehen das nicht. Das ist ein Vorteil für uns", sagt Mandzukic.

Der VfL Wolfsburg ist jetzt wieder eine echte Magath-Mannschaft. Mit den Neuzugängen Ochs, Salihamidzic und Träsch sowie Meister Josué stehen Fighter im Team, die in kritischen Situationen Verantwortung übernehmen können. Dass die Truppe darüber hinaus körperlich in einem astreinen Zustand ist, darauf hat der Coach selbst hingewiesen: "Ich bin der Meinung, wir haben alles getan, die Truppe hat wirklich sehr gut gearbeitet und ist auf den Punkt fit."

Was ist schlecht?

Die Position des Spielmachers ist bei den Wölfen nicht besetzt. Damit sind wir auch schon beim Hauptproblem: Diego. Nach dem Eklat am letzten Spieltag vor dem "Endspiel" gegen Hoffenheim verließ der Brasilianer aus Wut über seine Nicht-Berücksichtigung die Teamsitzung. Magath brach danach mit Diego - aber er wurde ihn nicht los. Die Diva zog stattdessen die Vorbereitung zum Erstaunen aller ohne zu murren und mit viel Engagement durch. Ein Verein fand sich trotzdem nicht für den früheren Star von Werder Bremen. Magath hat es auch aus finanziellen Gründen abgelehnt, die Geschichte vor dem ersten Saisonspiel aufzulösen. Verliert Wolfsburg das erste oder die ersten beiden Spiele, würde schnell die Diskussion hochkochen, ob man Diego nicht begnadigen sollte. Unruhe ist programmiert.

In der Abwehr wird Führungsspieler Arne Friedrich, der nach einer Bandscheiben-OP weitere sechs Wochen ausfällt, schmerzlich vermisst. In Leipzig war die Verteidigung ein Torso, nach Ansicht des Trainers noch nicht einmal existent. "Ich habe keine Abwehr gesehen", stellte Magath nach dem 2:3 unverblümt fest. Eine Woche vor dem Bundesliga-Auftakt beim 1. FC Köln forderte auch der indisponierte Kapitän Marcel Schäfer schnell Verbesserungen. "Das ganze Abwehrverhalten muss besser werden, sonst kriegen wir Riesenprobleme", prognostizierte er.

Ohne Friedrich an seiner Seite wirkte der zweite Innenverteidiger, Simon Kjaer, in den Testspielen und beim Pokal-Aus besonders wackelig. Sein Zusammenspiel mit Marco Russ muss sich verbessern. Viel Personal hat Magath in der Abwehr nicht mehr in der Hinterhand. Verletzt sich einer aus dem Duo, bliebe auf der Position als erstligaerprobter Spieler einzig Grobmotoriker Alexander Madlung.

Was ist möglich?

Wolfsburg fehlt die spielerische Klasse, um ganz oben anzugreifen. Die Abwehr bereitet Sorgen. Sollte sich der Problemfall Diego lösen lassen und trifft der Kroaten-Sturm so regelmäßig wie in der Vorbereitung, dürfte am Ende für die Arbeiter-Truppe von Felix Magath ein einstelliger Tabellenplatz heraus springen. Immerhin, denn das wäre schon weit mehr als in der vergangenen Saison. Ob das jedoch die hohen Ansprüche von Volkswagen erfüllen würde?

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