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stern-Check Bundesliga Freche Bremer, ein Platzfehler in Bielefeld und warum der Heimvorteil keiner mehr ist

Bundesliga im stern-Check: Bremens Eggestein im Zweikampf mit Douglas Costa
Beste Haltungsnoten verdienten sich die Bremer bei ihrem mutigen Auftritt in der Allianz-Arena. Am Ende verspürte Trainer Kohfeldt trotz des Remis sogar einen Hauch von Enttäuschung.
© Lukas Barth / Picture Alliance
Corona hat auch die Bundesliga fest im Griff. Fast alle Partien dümpelten am achten Spieltag in den leeren Stadien so vor sich hin. Überwiegend frei von Spielwitz und Finessen. Was die Uefa damit zu tun hat und warum Bremen in München zwei Punkte liegen ließ, lesen Sie im stern-Check.

So liefen die Spiele in der Fußball-Bundesliga

Alle Ergebnisse des 8. Spieltages, die Tabelle und Statistiken zum Nachlesen finden Sie hier im stern-Ticker.

An Bundesliga-Spieltag eins nach der Schmach von Sevilla ließen Tabellenführer Bayern München und Verfolger RB Leipzig Punkte liegen. Dabei kamen die Münchner nach der Länderspielpause sichtlich schwer in die Gänge und waren mit dem Remis gegen disziplinierte Bremer am Ende noch gut bedient. Denn alles, was sich Werder nach dem Spiel vorwerfen lassen musste, war der leichtfertige Umgang mit besten Einschussmöglichkeiten. Was noch auffiel: Nationaltorwart Manuel Neuer hat sich die sechs Gegentore von Sevilla binnen weniger Tage aus dem Trikot geschüttelt. Der Bayern-Keeper war mit einigen glänzenden Reflexen der stärkste Spieler beim etwas müde wirkenden Rekordmeister. Ansonsten musste sich der geneigte Fan an diesem achten Spieltag weitgehend mit fußballerischer Magerkost zufriedengeben. Ausnahmen waren der eindrucksvolle Viererpack der Dortmunder Lebensversicherung Erling Haaland und das sehenswerte Sechs-Tore-Spektakel in Sinsheim. Dort machte die TSG Hoffenheim aus der Corona-Not eine Tugend und gab zwei der drei sicher geglaubten Punkte gegen erneut aufmüpfige Stuttgarter erst in der Nachspielzeit aus der Hand.

Was noch auffiel: Die neun Heimteams verteilten einmal mehr großzügig Gastgeschenke. Der Heimvorteil ist in Zeiten von Corona längst keiner mehr. Ohne die eigenen Fans im Rücken tun sich die Gastgeber zunehmend schwer. Dieses Mal entführten die Gäste rekordverdächtige 19 von maximal 27 möglichen Punkten aus den Stadien des Gegners. Man wird das Gefühl nicht los, dass die gähnende Leere in den Arenen vor allem die Heimmannschaften lähmt.

Aufreger des Spieltags

Von kleineren Scharmützeln und einem kurzen emotionalen Ausbruch von Augsburg-Trainer Heiko Herrlich nach der gelb-roten Karte für einen der Seinen abgesehen, bot der achte Spieltag wenig Anlass, sich nachhaltig aufzuregen. Selbst aus dem Kölner Keller war ungewöhnlich wenig zu hören. Der VAR hielt sich unauffällig im Hintergrund und mischte sich so gut wie gar nicht in die Partien ein. Das spricht vor allem für die Leistungen der Schiedsrichter. Einer sah das nach der 1:3-Pleite gegen Mainz komplett anders. "Unfassbar, unfassbar", kommentierte Freiburg-Trainer Christian Streich eine Szene, die dem Spiel früh eine Richtung gab. Wenige Sekunden bevor Stürmer Jean-Philippe Mateta zum 1:0 vollendete, hatte sich der Franzose im Luftkampf gegen Freiburgs Santamaria durchgesetzt. "Das wird immer gepfiffen", wetterte Streich. "Das ist keine 50:50-Entscheidung, sondern zu 100 Prozent ein Foul", befand er. Tatsächlich verschaffte sich Mateta mit robustem Armeinsatz einen Vorteil, brachte seinen Gegner aus der Balance. Foul, ja. Klare Fehlentscheidung, eher nicht. Letztlich sparte sich Streich weitere Schiri-Schelte. Die richtigen Adressaten wären ohnehin seine Spieler gewesen. 

Gewinner des Spieltags

Beflügelt von den überzeugenden Auftritten der Gästeteams in den Samstagspielen meldete sich das bisherige Tabellenschlusslicht, der FSV Mainz 05, auch in dieser Bundesligasaison an. Nur ein mageres Pünktchen hatten die Rheinhessen in der von Corona geprägten Saison ergattert. Bei den sonst so heimstarken Freiburgern legten sie schon vor der Pause drei Tore vor. Weil weder Schalke, noch Köln und Bielefeld punkteten, reichte Mainz die lästige rote Laterne in den Ruhrpott weiter und rückte als 15. dem SC Freiburg zumindest etwas auf die Pelle. Was der Sieg wert ist, können die Mainzer am nächsten Spieltag gegen die kriselnde TSG Hoffenheim zeigen.

Verlierer des Spieltags

Der Fußball. Beinahe jeder der 18 Bundesliga-Klubs schickte in der zweiwöchigen Länderspielpause Stammpersonal in die weite Welt hinaus. Das kickte dann in der ohnehin umstrittenen Uefa-Nations-League oder bei einem sinnentleerten Freundschaftsspiel für sein Nationalteam. Ein Zustand, den DFL-Boss Christian Seifert in einem Interview mit dem Fachmagazin "Kicker" als "nicht zu akzeptieren" anprangerte. Länderspielreisen dürften nicht den Spielbetrieb im gesamten Profifußball gefährden, erklärte er und verwies auf das erhöhte Corona-Infektionsrisiko, das sich durch Flugreisen, Hotelaufenthalte und andere "unvermeidbare" Zusammentreffen ergibt. Nicht nur, dass einige Mannschaften Rückkehrer mit erlittenen Blessuren direkt in die Obhut ihrer Mediziner geben mussten: Die TSG Hoffenheim beklagte vor dem achten Spieltag gleich sieben Corona-Fälle innerhalb der Mannschaft – und bat die DFL darum, die Partie gegen Stuttgart zu verlegen. Auch Borussia Mönchengladbach (Ramy Bensebaini), RB Leipzig (Hee-chan Hwang, Alexander Sörloth) und der VfL Wolfsburg (Marin Pongracic) mussten coronabedingt auf wichtige Spieler verzichten. Es mag Zufall gewesen sein, doch echte Spielfreude wollte an diesem achten Spieltag maximal in zwei der neun verwaisten Stadien aufkommen. Die Uefa riskiert mit dem zwangsläufig sehr eng getakteten Rahmenspielplan nicht nur weitere Corona-Infektionen in allen großen Ligen Europas – sie nimmt den gesunden Profis auch die Zeit zum Durchatmen. Dass die dann in ihren Ligen nur noch sporadisch zu Höchstleistungen auflaufen, verwundert kaum.

Dieses Tor sollten Sie nochmal sehen

Die unfreiwillige Slapstick-Einlage des Spieltags unterlief dem finnischen Nationaltorwart Lukáš Hrádecký im Spiel der Bayer-Elf auf der Bielefelder Alm. In der 47. Spielminute schickt dessen niederländischer Teamkollege Daley Sinkraven einen harmlosen Flachpass über wenige Meter in Richtung seines Keepers. Der 30-Jährige riskiert eine kurzen Blick nach vorn, setzt zu einem langen Schlag an ... Dann spielt ihm ein eine kleine Unebenheit im Rasen einen Streich. Die Kugel hoppelt ihm über den rechten Schlappen und kullert ins leere Tor. Besonders kurios: Arminia Bielefeld hatte zu diesem Zeitpunkt noch kein einziges Mal auf Hrádeckýs Kasten geschossen. Kein Schuss, ein Tor. Das haben noch nicht viele Bundesligateams geschafft.

Bild des Spieltags

Bundesliga im stern-Check: BVB-Trainer Lucien Favre gibt Youngster Moukoko letzte Anweisungen
Es läuft die 85. Spielminute im Berliner Olympiastadion. Ein historischer Wechsel bahnt sich an. BVB-Trainer Lucien Favre holt den vierfachen Torschützen Erling Haaland vom Platz und schickt Youssoufa Moukoko auf den Rasen. Moukoko, geboren in Kamerun, feiert am Tag nach seinem 16. Geburtstag sein Debüt in der 1. Fußball-Bundesliga. Er löst damit Nuri Sahin ab, der am 6. August 2005 ebenfalls als 16-Jähriger für Borussia Dortmund debütiert hatte. In einem auf dem BVB-Facebook-Kanal veröffentlichten Video gratulierte der früherer türkische Nationalspieler. "Ich freue mich, dass es einer von uns ist, einer von Borussia, der diesen Rekord bricht", so Sahin. "Mach' weiter so, wir drücken dir die Daumen", sagte er in Richtung des außergewöhnlich talentierten Teenagers. Akzente konnte (und brauchte) Moukoko in Berlin nicht mehr setzen. Dennoch dürfte er demnächst auch als jüngster Torschütze in die Liga-Geschichte eingehen.
© Clemens Bilan / Getty Images

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