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Kommentar

Erneuter Eklat im Pokal: Ribéry verliert schon wieder die Nerven - ist er nicht mehr zu retten?

Er hat es schon wieder getan: Sogar beim lockeren Pokalkick in Jena verliert Franck Ribéry die Nerven und wird abermals verhaltensauffällig. Der FC Bayern München muss seinen Hitzkopf dringend in den Griff kriegen - ein hoffnungsloses Unterfangen.

Franck Ribéry

In beinahe jedem Spiel rutscht ihm inzwischen die Hand oder der Ellenbogen aus: Bayerns Franck Ribéry

Franck Ribéry ist nicht mehr zu retten. Wie könnte es sonst möglich sein, dass der so begnadete wie hitzige Franzose inzwischen in jedem Spiel den kompletten Kontrollverlust erleidet? Ob Pokalfinale, Supercup oder Jena - es ist völlig egal, worum es für den FC Bayern München geht: Ribéry rastet sowieso aus. Ihm rutscht die Hand aus, er rammt dem Gegner den Ellenbogen ins Gesicht, er schlägt um sich. Sein Verhalten ist für einen derart erfahrenen Spieler nur noch peinlich.

Ribéry ist nicht mehr zu retten - und ausgerechnet der neue und ihm so wohlgesonnene Bayern-Coach Carlo Ancelotti hat diese offensichtliche Tatsache zu Tage gefördert. Von Anfang an machte er das schwierige Temperament des Franzosen zum Thema. Als Ribéry während der USA-Reise im Testspiel gegen Inter Mailand die Beherrschung verlor, sagte Ancelotti: "Ich mag keine Spieler, die sich so verhalten." Der Coach redete Ribéry ins Gewissen, schenkte dem Mittelfeldmann das Ur-Vertrauen, das dieser unter dem kühlen Pep Guardiola so schmerzlich vermisst hatte. Und was macht Ribéry? Rüpelt auch beim Supercup in Dortmund herum und kann abermals froh sein, nicht vom Platz geflogen zu sein.

Ancelotti über Ribéry: "Er hat es sehr gut verstanden"

Direkt vor dem gestrigen Pokalspiel in Jena (5:0 für die Bayern) berichtete Ancelotti, dass er noch einmal mit seinem zickigen Starspieler geredet habe: "Er hat es sehr gut verstanden." Ach ja? Wahrscheinlich hat der gutmütige Italiener wirklich dran geglaubt. Aber was macht Ribéry? Lässt sich auch von dankbaren Jenaern provozieren, greift seinem Gegenspieler Kühne an den Kopf.

Selbst seine Fürsprecher scheinen Ribéry also nicht mehr zu erreichen. Die Liste seiner Aussetzer in neun Bayern-Jahren ist ohnehin lang: Gegen den BVB (CL-Finale 2013, Pokalfinale 2016) wird er besonders gerne auffällig, auch das Champions-League-Finale 2010 verpasste er wegen einer Roten Karte im Halbfinale gegen Lyon - einer der seltenen Fälle übrigens, in denen sein Fehlverhalten auch konsequent geahndet wurde. Allzu oft kam Ribéry aber ungeschoren davon. Vielleicht hat ihn auch diese Tatsache inzwischen völlig hemmungslos werden lassen. Vielleicht ist er deshalb nicht mehr zu retten.

Jeder F-Jugendspieler lernt, dass er sein Temperament in den Griff bekommen muss, damit er seiner Mannschaft nicht schadet. Klar: Niemand ist immun gegen Provokationen, jeder hat mal einen schwachen Moment - man frage nur nach beim wirklich großen Zinedine Zidane. Aber ein Spieler, der sich in fast jedem Spiel so leicht aus der Reserve locken lässt wie Franck Ribéry, erst recht in fortgeschrittenem Fußball-Alter - dem mangelt es nicht nur an Professionalität, sondern auch an den charakterlichen Voraussetzungen zum wirklich großen Fußballer. Der inzwischen auch schon 33-Jährige gibt für seine nickeligen Gegner längst ein allzu leichtes Ziel ab.

Franck Ribéry genießt Narrenfreiheit im Wortsinn

Franck Ribéry war 2007 einer der ersten großen Transfers des "modernen" FC Bayern. Hoeneß, Rummenigge und Kollegen waren seitdem stets darum bemüht, den launischen Künstler als Weltklassemann zu verklären, obwohl seine Leistungen dafür häufig zu wenig konstant waren - in wirklich wichtigen Spielen machten stattdessen meist Leute wie Robben oder Müller den Unterschied, nicht Ribéry. Der genoss trotzdem stets mehr Narrenfreiheit (im wahrsten Sinne des Wortes) als der Rest des Münchner Premium-Kaders. Damit muss jetzt Schluss sein.

Denn: Wenn Ribéry weiter so wütet wie in den letzten Spielen, wird er für die Bayern endgültig zum Sicherheitsrisiko. Der Verein hat immer alles getan, um seinen Star vor sich selbst schützen. Aber wie schützt man einen Hitzkopf, der sich nicht retten lassen will?

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