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Wechsel zu Tottenham Calhanoglu kritisiert Sons Verhalten - ausgerechnet


Heung-Min Son steht unmittelbar vor einem Wechsel nach England. Teamkollege Hakan Calhanoglu findet Son sei "schlecht beraten". Sein eigenes Wechseltheater scheint der Türke schon vergessen zu haben.
Von Finn Rütten

Ausgerechnet Leverkusen-Star Hakan Calhanoglu, der im vergangenen Jahr mit einem gewaltigen Wechseltheater auf sich aufmerksam machte, kritisiert öffentlich das Verhalten seines Teamkollegen Heung-Min Son. Der Südkoreaner soll von Bayer 04 Leverkusen für 30 Millionen Euro zu den Tottenham Hotspurs nach England wechseln. Direkt vor dem wichtigen Rückspiel in der Qualifiktion Uefa Champions League gegen Lazio Rom, das Bayer mit 3:0 gewann und sich damit die Teilnahme an der Königsklasse sicherte, wurde die Wechselabsicht bekannt. Calhanoglu findet diesen Zeitpunkt mehr als unpassend. Zudem soll Son unentschuldigt beim Training gefehlt haben und nicht ans Telefon gegangen sein, als der Türke ihn angerufen habe.

Calhanoglu sagt über Son in einem Interview mit Sport1: "Ich finde es einfach nur schade, dass er von seinem Papa oder Berater schlecht beraten ist. Gerade vor so einem Spiel wie gegen Lazio musste das nicht sein." Schlecht beraten also. Vom Papa oder dem Berater, soso. Die Parallelen zum letzten Sommer drängen sich förmlich auf. Unpassender Zeitpunkt, unsportliches Verhalten, ein dubioser Berater...

Großes Wechseltheater um Calhanoglu vor einem Jahr

Der Mann, der sich vor TV-Kameras über den Stil seines Noch-Teamkollegen beschwert, kam im Sommer 2014 vom Hamburger SV unter recht merkwürdigen Umständen nach Leverkusen, wie sich HSV-Fans sicher erinnern werden. Erst kurz zuvor hatte er seinen Vertrag bei den Hanseaten bis 2018 verlängert und brav die üblichen Treueschwüre in die Mikrofone aufgesagt. Dann, unmittelbar vor einem der wichtigsten Spiele in der Vereinsgeschichte, dem Relegationsrückspiel gegen Greuther Fürth, gab Calhanoglus Berater öffentlich dessen Wechselwunsch bekannt. Ein - gelinde gesagt - recht ungünstiger Zeitpunkt für solche Eskapaden. Kurz darauf legte der Freistoß-Spezialist mit einem "Ich-will-hier-unbedingt-weg"-Interview nach. 

Calhanoglu warf dem damaligen HSV-Sportchef Oliver Kreuzer vor, ihn betrogen und getäuscht zu haben. Er hätte zuvor eine "mündliche Zusage für den Wechsel" von Kreuzer bekommen und nur zum Schein verlängert, weil der Sportchef ein "Erfolgserlebnis gebraucht" hätte. Spätestens nach diesen Interna war die Stilfrage endgültig geklärt.

Als die Chefetage der Hamburger ihm den Wechsel verbot und auf die Einhaltung des Vertrages pochte, ließ sich Calhanoglu von einem Psychologen krank schreiben und erschien nicht zum Trainingsstart. Als dem HSV Geld für den Lasogga-Transfer fehlte, kam der Wechsel dann doch noch zu Stande und Calhanoglu erfuhr eine scheinbare Wunderheilung - in Leverkusen stand er sofort wieder auf dem Platz. Kreuzer erklärte damals: "Das ist nicht der Junge und auch nicht der Berater - das ist der Vater. Er macht Druck, auch auf den Berater." Da war er vom Papa wohl schlecht beraten, der Herr Calhanoglu, könnte man meinen.


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