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Bundestrainersuche: Hitzfeld bekräftigt sein Nein

Nun wird der DFB wohl endgültig im Ausland einen neuen Bundestrainer suchen müssen. Wunschkandidat Ottmar Hitzfeld bekräftigte seine Ablehnung: Er stehe auch 2005 nicht zur Verfügung.

Erstmals in seiner 104-jährigen Geschichte erwägt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Einstellung eines ausländischen Bundestrainers. "Die Tendenz geht dahin, dass es ein Ausländer wird", verkündete Franz Beckenbauer im Anschluss an die Sitzung der Trainerfindungskommission (TFK) in der "Bild"-Zeitung und bestätigte damit, dass der DFB die verzweifelte Suche nach einem Nachfolger von Rudi Völler über die Grenzen hinweg ausweitet.

Zwar zählen deutsche Trainer zu den besten der Welt und gelten seit Jahren als Exportschlager. Doch für den vakanten Posten des Bundestrainers sind die meisten offenbar nicht gut genug. Seit den Absagen der Wunschkandidaten Ottmar Hitzfeld und Otto Rehhagel werden an erster Stelle die Namen von Guus Hiddink (PSV Eindhoven), Morten Olsen (Nationalcoach Dänemark) und auch Arsene Wenger (Arsenal London) gehandelt. "Wir haben uns auf einen Arbeitsplan verständigt. Möglich, dass schon am Donnerstag erste Resultate vermeldet werden können", sagte Beckenbauer.

Im Ausland längst praktiziert

Alle Kandidaten stehen jedoch unter Vertrag, was die Verhandlungen erschweren dürfte. "Wir haben uns über das Verfahren verständigt. Die Gespräche laufen jetzt an", erklärte Liga-Präsident Werner Hackmann. Noch nie hat der DFB das höchste Traineramt im Lande an einen Ausländer vergeben. Doch die Pleitenserie in den vergangenen Wochen hat die Verantwortlichen zum Umdenken gezwungen. Nun wird in der TFK ein Modell favorisiert, das in anderen Ländern längst erfolgreich praktiziert wird.

Bei der Europameisterschaft führte Otto Rehhagel die Griechen zum sensationellen Titelgewinn, der Basilianer Luis Felipe Scolari erreichte mit Gastgeber Portugal das Finale. Selbst das Mutterland des Fußballs brach vor zwei Jahren mit den über ein Jahrhundert alten Traditionen - seither schwingt mit dem Schweden Sven-Göran Eriksson erstmals kein Brite das Zepter als Nationalcoach.

In Deutschland waren ausländische Fachkräfte bislang nur auf Vereinsebene gefragt. Trainer wie Ernst Happel (Hamburger SV), Branco Zebec und Giovanni Trapattoni (beide Bayern München) feierten mit ihren Mannschaften auf nationaler und internationaler Ebene große Erfolge. Derzeit sind in der Bundesliga mit dem Niederländer Bert van Marwijk (Borussia Dortmund), dem Belgier Erik Gerets (VfL Wolfsburg) und dem Österreicher Kurt Jara (1. FC Kaiserslautern) drei Ausländer beschäftigt.

Lieber Ex-Profis als gelernte Fußball-Lehrer

Der DFB hat dagegen über Jahrzehnte hinweg aus dem eigenen Reservoir geschöpft. Seit 1947 wurden an der Sporthochschule in Köln über 1200 Fußball-Lehrer ausgebildet. Die Europäische Fußball-Union (UEFA) hat die DFB-Kurse als höchste Stufe der UEFA-Trainerausbildung anerkannt. Entsprechend gefragt sind die Absolventen - national wie international. Doch für die Nationalmannschaft reichte es oftmals nicht.

In Krisenzeiten hat der DFB in der jüngsten Vergangenheit daher lieber auf erfolgreiche Ex-Profis ohne Trainer-Lizenz gesetzt. Das war so bei Franz Beckenbauer, der 1984 das Amt von Jupp Derwall übernahm, und auch bei Rudi Völler, der 2000 Erich Ribbeck nachfolgte. Vielleicht kommt es aber doch noch zu einer deutschen Trainer-Lösung, sollte sich Ottmar Hitzfeld doch zu einem Engagement ab Januar 2005 überreden lassen. Der ehemalige Bayern-Coach steht auf dem Wunschzettel von Franz Beckenbauer weiter ganz oben.

Hitzfeld bekräftigt sein Nein

Allerdings bekräftigte Hitzfeld im Gespräch mit der "Bild"-Zeitung noch einmal sein Nein zu einem DFB-Engagement. "Ich kenne mich doch: Sobald ich zusage, stürze ich mich in die Arbeit. Ich könnte nicht einfach abschalten und dann 2005 als Bundestrainer anfangen. Das geht nun mal nicht. Deshalb kann ich den Job jetzt nicht machen, leider", sagte Hitzfeld.

Der heutige Favorit heißt Olsen

Morten Olsen ist nach Informationen des "kicker" Favorit auf den vakanten Posten des Bundestrainers. Angeblich müsse der Nationaltrainer Dänemarks nur noch ein Angebot des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) annehmen, um alle anderen Kandidaten wie Guus Hiddink und Lothar Matthäus aus dem Rennen zu werfen.

Olsens Vertrag als dänischer Auswahl-Coach läuft zwar noch bis zur WM 2006, doch der Verband hat bereits signalisiert, ihm im Falle einer Anfrage die Freigabe zu erteilen. Der 54-Jährige kennt den deutschen Fußball aus eigener Erfahrung sehr gut, arbeitete er doch viele Jahre als Spieler und Trainer beim 1. FC Köln. Ein Engagement als Bundestrainer hatte Olsen zuletzt als reizvolle Aufgabe bezeichnet.

Allerdings gilt auch Hiddink weiter als ernsthafter Anwärter auf die Nachfolge von Rudi Völler. Der Trainer und Sportdirektor des niederländischen Spitzenvereins PSV Eindhoven dürfte jedoch schwerer zu bekommen sein, da der Saisonbeginn unmittelbar bevorsteht. Eine endgültige Absage hat die Trainerfindungskommission (TFK) vom Franzosen Arsene Wenger erhalten. Er hat Franz Beckenbauer mitgeteilt, dass er seinen Vertrag bei Arsenal London bis 2005 erfüllen wird.

Eric Dobias, DPA / DPA

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