Champions-League 1:4 - Arrividerci Bayern


Nach einer über weite Strecken desolaten Leistung hat sich Bayern München aus der Königsklasse verabschiedet: Magaths Truppe ging mit 1:4 gegen den AC Milan unter. Damit ist auch der letzte deutsche Vertreter aus der Champions League ausgeschieden.

Der FC Bayern München hat sich mit einer international unwürdigen Leistung sang- und klanglos aus der Champions League verabschiedet. Beim 1:4 gegen den AC Mailand erinnerte der deutsche Meister mit peinlichen Anfängerfehlern nicht nur durch das Resultat an die Länderspielpleite der deutschen Nationalmannschaft in Italien vor acht Tagen.

Statt des erhofften erneuten "Wunders von Mailand" kassierten die Münchner am Mittwochabend die höchste Niederlage in Europas Fußball-Königsklasse seit fast elf Jahren. Der Bundesliga-Tabellenführer schied somit ausgerechnet an der Stätte seines Triumphes von 2001 im Achtelfinale als letzte von drei deutschen Mannschaften aus und musste seinen Titeltraum begraben.

Filippo Inzaghi (9./47. Minute), Andrej Schwetschenko (25.) und Kaka (59.) besiegelten mit ihren Toren die Niederlage der Münchner. Vor 78 577 Zuschauern im ausverkauften Giuseppe-Meazza-Stadion war für die vor allem in der Anfangsphase maßlos enttäuschenden Bayern nur Valerien Ismael (35.) erfolgreich. Zum Abschluss der deutsch- italienischen Wochen ging somit nach dem 1:4 im Länderspiel und dem Aus von Werder Bremen am Vorabend bei Juventus Turin auch der dritte Vergleich an die "Azzurri". Die Bayern warten ihrerseits seit 17 Jahren auf einen Sieg in Italien.

Gute Gelegenheit?

Felix Magath wollte bei seinen deutschen Nationalspielern mit der Chance zur Wiedergutmachung für das Debakel von Florenz eine extra Portion Motivation herauskitzeln und bot Bastian Schweinsteiger statt des zuletzt überzeugenden Zé Roberto im Mittelfeld neben Michael Ballack und Sebastian Deisler auf. "Das ist eine gute Gelegenheit, die Dinge zurecht zu rücken", sagte Magath. Doch es kam ganz anders.

Inzaghi, der bei Mailand den Vorzug vor Florenz-Torschütze Alberto Gilardino erhalten hatte, machte seinem Ruf als Bayern-Schreck alle Ehre und köpfte nach einem fatalen Fehlpass von Martin Demichelis unbedrängt zur frühen Führung ein. Dass er dabei knapp im Abseits stand, half den Münchnern nicht. Schon 2002 hatte der Stürmer mit drei Tore in zwei Spielen gegen die Münchner maßgeblich zu deren damaligen Vorrunden-Aus beigetragen.

Ballck völlig uninspiriert

Die Bayern reagierten geschockt. Ein Kuller-Schuss von Schweinsteiger (16.) war alles, was sie in der Anfangsphase zu Stande brachten. Ismael brachte kurz darauf Inzaghi ungeschickt zu Fall. Schwetschenko schoss den fälligen Strafstoß allerdings links am Tor vorbei. Keine 90 Sekunden später machte es der Ukrainer besser. Per Kopfball war er nach einer weiteren Defensiv-Nachlässigkeit mit dem 2:0 zur Stelle.

Nun sah es schon nach einem Debakel für die Bayern aus. Die Abwehr produzierte Fehler am Fließband, Michael Ballack wirkte äußerst uninspiriert, und im Angriff knüpfte Roy Makaay an seine desolaten Auftritte der vergangen Wochen an. Ausgerechnet Mailand brachte die Münchner aber nochmal ins Spiel zurück. Torwart Dida ließ einen Schweinsteiger-Freistoß abprallen, Ismael staubte ab und sorgte für Hoffnung.

Kahn verhinderte das Schlimmste

Magath brachte Paolo Guerrero für Makaay in der zweiten Halbzeit. Doch die Akzente setzten die Hausherren. Einen unglücklichen Abpraller von Bixente Lizarazu in dessen 99. und wohl letzten Europapokal-Spiel stolperte Inzaghi ins Tor. Kaka machte mit einem Konter-Treffer das Bayern-Ungemach perfekt. Der bemitleidenswerte Torhüter Oliver Kahn verhinderte mit einer tollen Parade gegen Philipp Seedorf (79.) sogar die drohende höchste Europapokal- Niederlage der Münchner.

Auch Real und Liverpool raus

Das Millionenspiel Champions League ist auch für die zwei früheren Meistercup-Gewinner Real Madrid und FC Liverpool diesmal schon im Achtelfinale beendet. Nach dem 0:1 im Santiago Bernabeu gegen den FC Arsenal war das torlose Remis am Mittwochabend in London zu wenig für das überalterte Fußball-Starensemble aus Madrid. Titelverteidiger Liverpool verlor das Achtelfinal-Rückspiel mit 0:2 gegen Benfica Lissabon und schied nach dem 0:1 im Hinspiel ebenso sieglos aus wie die Bayern durch das blamable 1:4 beim AC Mailand.

Zum Geheimfavoriten auf den Titel mausert sich indes immer mehr Olympique Lyon. Nach zwei Toren des überragenden Portugiesen Tiago (26./45.+4) stand der französischer Serienmeister wie im Vorjahr praktisch schon zur Hablzeit im Viertelfinale. Sylvain Wiltord (71.) und Fred (90.) verdoppelten die Trefferausbeute sogar noch. Eindhoven, in der vorigen Saison noch bis ins Halbfinale vorgestoßen, war allerdings schon vorher stehend k.o.

Christian Kunz/DPA DPA

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