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Champions League Bayern München gegen Real Madrid Die schwarze Bestie schwächelt


Der Traum vom Finale im eigenen Stadion befeuert die Bayern: Doch die vergangenen Leistungen lassen nichts Gutes ahnen für das Duell gegen Real Madrid.
Von Tim Schulze

Bayern-Verteidiger Holger Badstuber hat die vergangenen sieben Tage für sein Team prägnant zusammengefasst: "Wenn man verliert und unentschieden spielt und kein Tor macht, dann ist es 'ne Scheißwoche." Seine Worte waren angemessen. Gegen den neuen und alten Meister aus Dortmund kassierte der FC Bayern eine denkwürdige Niederlage und gab die letzte Chance auf die Meisterschaft aus der Hand. Das Spiel gegen Mainz danach hätten sie sicherlich gern abgesagt, aber leider sehen es die Regeln nicht vor, einfach ein Bundesliga-Spiel sausen zu lassen, nur weil der erste von drei möglichen Titeln futsch ist und drei Tage später das Halbfinale gegen Real Madrid in der Champions League ansteht. Badstuber beendete sein Statement mit den Worten: "Aber was willst du machen, du musst weitermachen."

Sie erinnern an die berühmten Äußerungen von Oliver Kahn nach dem wahnsinnigen Bundesliga-Finale 2001, als die Münchner in der letzten Spielminute am 34. Spieltag Schalke die schon sicher geglaubte Meisterschaft entrissen: "Immer weitermachen! Immer weiter!" wurde zum geflügelten Wort für den unbändigen Siegeswillen der damaligen Bayern-Mannschaft. Eine Woche später gewannen sie im Endspiel gegen den FC Valencia die Champions League – das war eine perfekte Woche, damals vor elf Jahren.

Die Spiele gegen Real entscheiden über die Saison

Die Bayern hatten Real im Halbfinale mit zwei Siegen aus dem Wettbewerb geworfen. Nach der Heimniederlage im Bernabeustadion hatte die spanische Sportzeitung "Marca" den Bayern die Bezeichnung "Bestia negra/Schwarze Bestie" verpasst. Ob die Bayern in der Lage sein werden, sich diesen Titel wieder zu verdienen, ist offen. Eine große Portion Skepsis ist angesagt.

Denn die Ausgangslage ist eine andere. Die Bayern haben diesmal den nationalen Titelkampf bereits verloren. Jetzt entscheiden allein die zwei Partien gegen Real Madrid darüber, ob die Saison ein erfolgreiches Ende für den deutschen Vorzeige-Club nimmt. Das hat Uli Hoeneß deutlich gemacht: "Sollten wir ins Champions-League-Finale kommen, dann werde ich (…) sagen, wir haben eine Supersaison gespielt." Dann nämlich haben sie sich den Traum erfüllt, den sie schon ein Jahr lang in München träumen und der das eigentliche Saisonziel darstellt: das Finale im eigenen Stadion. Dass sie nicht vom Titel reden, weil der am "schwierigsten zu gewinnen ist" (Hoeneß), ist verständlich.

Sollte der Traum vom Finale jedoch platzen, bliebe den Bayern in ihrer Wahrnehmung nicht viel übrig von einem verkorksten Jahr. Der mögliche Gewinn des DFB-Pokals gegen Dortmund wäre, bei aller Genugtuung, nur ein ganz schwacher Trost. Genaugenommen wäre es gar keiner.

Die Defensive bereitet Sorgen

Also demonstrieren die Bayern Selbstbewusstsein, bevor solche Gedankenspiele relevant werden: "Barcelona ist der Superfavorit in der Champions League, dann kommt Real. Wir sind knapp dahinter. Der FC Bayern gehört zu den drei besten Mannschaften Europas", sagt Trainer Jupp Heynckes.

Die vorgebliche Gewissheit, zur absoluten europäischen Spitze zu gehören, haben sie in dieser Saison aus dem "goldenen Herbst" (Hoeneß) gezogen, als sie die Liga und die Vorrundengruppe in der Champions Legaue nach Belieben dominierten. Sie haben in der K.o.-Runde gegen Basel den höchsten internationalen Sieg ihrer Geschichte gefeiert und Olmpique Marseille locker ausgeschaltet. Sie berappelten sich in der Liga nach schwachen Rückrundenstart mit berauschenden Siegen über Hoffenheim und Hertha und legten eine starke Serie hin.

Doch all das zählt nichts mehr im Duell gegen Real. Basel und Marseille taugen nicht als Maßstab. Im entscheidenden Meisterschaftspiel gegen Dortmund fehlte es entweder an Klasse oder Siegeswillen. Oder an beidem. Zumindest hinterließ das Spiel diesen Eindruck. Hinzu kommt, dass sich die Schwächen in der Defensive wie ein roter Faden durch die Spielzeit ziehen. All das lässt nichts Gutes für das Spiel gegen Madrid ahnen. Tatsache ist, dass "schwarze Bestie" zwischendurch immer mal schwächelte.

Es wird entscheidend sein, dass die anfällige Abwehr gegen die beballte Offensivkraft um Superstar Cristiano Ronaldo und Mesut Özil, die gerade mit Real sämtliche Torrekorde brechen, stabil steht: "Priorität hat, den eigenen Kasten sauber zu halten," sagt Heynckes. Ein weitere Frage lautet, wie es um die Form seines wichtigsten Spielers bestellt ist. Bastian Schweinsteiger hat nach seiner langen Verletzungspause kaum Spielpraxis sammeln können.

Die Bayern sollten auf den Kaiser hören

In Madrid haben sie nach der Auslosung durchaus aufgestöhnt (Mourinho: "Bayern ist ein sehr gefährlicher Gegner"). Sie haben großen Respekt vor Arjen Robben, Franck Ribéry und Mario Gomez, der in der Champions League mehr Tore (11) erzielt hat als Ronaldo (8). Die Offensive der Bayern ist Weltklasse. Sie wissen, dass die Bayern anders auftreten werden als gegen Augsburg, Mainz und Dortmund.

Die Bayern sollten sich dafür an der Einschätzung des Kaisers über Real orientieren: "Sie sind eigentlich fast eine ganz normale Spitzenmannschaft. Wenn man sie unter Druck setzt, schnell nach vorne spielt, dann kann's gut gehen", sagt Franz Beckenbauer.


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