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Champions League: Pizarro, der ewige Schlawiner

Nach seiner Rückkehr an die Weser ist Claudio Pizarro schnell zum treffsichersten Stürmer von Werder Bremen avanciert. Im entscheidenden Champions-League-Spiel gegen Panathinaikos Athen (ab 20.45 Uhr im Liveticker von stern.de) soll der "ewige Schlawiner" die Zukunft der Grün-Weißen in der Königsklasse sichern.

Von Sven Bremer, Bremen

Dienstag gegen kurz nach halb neun Uhr abends werden zehn Werder-Profis mit ernster Miene zum Champions-League-Spiel gegen Panathinaikos Athen ins Weserstadion einlaufen (ab 20.45 Uhr im Liveticker von stern.de). Vielleicht Kaugummi kauend, bestimmt konzentriert dreinschauend, irgendwas zwischen versteinert und staatstragend. Nur der Elfte dürfte wieder einmal mit verschmitztem Lächeln an die Arbeit gehen, einem spitzbübischen Grinsen, das von der Nord- bis zur Südtribüne reicht: Claudio Pizarro.

Der Peruaner ist nicht nur Werders treffsicherster Stürmer, er ist auch die personifizierte Lockerheit. Sein Auftreten ist eine Frage der Mentalität, aber auch der enormen Erfahrung des inzwischen 30-Jährigen geschuldet. Champions League ist für Pizarro schon fast zum fußballerischen Alltag geworden. Fast 60 Spiele hat er in der Königsklasse absolviert.

Pizarro erklärt Werder-Krise für beendet

Siebenmal in acht Bundesligaspielen hat der Rückkehrer vom FC Chelsea bislang für die Bremer getroffen, bei Inter Mailand erzielte er den wichtigen Ausgleich. Am Wochenende gegen Hertha traf er doppelt. Die Werder-Krise erklärte Pizarro umgehend für beendet, während sein Trainer Thomas Schaaf noch warnte. Bremen hat den Peruaner zunächst nur für eine Saison ausgeliehen, Claudio und seine Frau Karla Pizarro führen derzeit eine Fernbeziehung. Ginge es nach Werders Verantwortlichen, sie würden so schnell wie möglich für eine Familienzusammenführung sorgen.

Manager Klaus Allofs lobte unlängst, dass Pizarro all die in ihn gesetzten Erwartungen erfülle. Man wolle sich spätestens im Januar des kommenden Jahres nach London begeben, um neu zu verhandeln. "So einen wie Claudio", sagte Allofs, "den darf man nicht wieder gehen lassen." Pizarro hat signalisiert, dass er gern länger in Bremen bleiben würde. Vorausgesetzt, die Hanseaten können sein Gehalt bezahlen.

Pizarro spielt in einer anderen Liga

Werder ist nicht Chelsea, aber in Bremen kann er wenigstens regelmäßig das tun, was ihm am meisten Spaß macht: Fußball spielen. In London war er Bankdrücker, hier ist er gesetzt. Die Bremer Verantwortlichen wurden seit dem Wechsel von Miroslav Klose nicht müde, ihre Almeidas, Rosenbergs, Hunts und Sanogos zu loben. Sie mögen zweifelsohne Qualitäten haben, Pizarro aber spielt in einer anderen Liga. Er ist der Nummer-eins-Stürmer, den Werder noch brauchte.

Dabei begann sein Start holprig. Von Spiel zu Spiel erst passten die Laufwege mit Sturmpartner Markus Rosenberg. Wobei festzuhalten ist, dass vor allem der wackere Schwede lief. Pizarro ist keiner, der Meter und Fleißpunkte sammelt. Er lebt von seiner filigranen Technik, seinem Torriecher, vor allem von seiner außergewöhnlichen Begabung.

In München fragten sie:"Filou oder Weltstar?"

Für die wurde er einst auch bei den Bayern gelobt. Aber dort haben sie ihn auch all die Jahre kritisiert, er würde sein riesiges Potenzial zu selten abrufen. "Ewiger Schlawiner mit Reserven", hießen die Schlagzeilen, oder "Filou oder Weltstar?". Die Trainer Ottmar Hitzfeld und Felix Magath versuchten, Pizarro davon zu überzeugen, dass Profifußball eine ernste Angelegenheit sei. Doch Pizarro entgegnete: "Für mich ist Fußball Vergnügen. Wenn ich keinen Spaß mehr habe, höre ich auf."

Thomas Schaaf und Klaus Allofs wissen, dass man Claudio Pizarro nicht verbiegen muss, um einen erstklassigen Profi aufs Feld zu schicken. Zumal die Einschläge der außersportlichen Eskapaden des Claudio Pizarro seltener werden. "Früher war ich eine Nachteule, jetzt bin ich ein echter Sesselpupser", sagt der dreifache Familienvater über sich selbst. Ein Ausnahmestürmer ist er immer noch.

FTD

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