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Champions League: Werder fehlt Killerinstinkt - Barca siegt 2:0

Schade Werder, da war viel mehr drin: Im Topspiel des ersten Champions-League-Spieltages waren die Bremer gegen den FC Barcelona mindestens ebenbürtig und unterlagen dennoch mit 0:2.

Von Klaus Bellstedt, Bremen

Rechtzeitig vor dem Anpfiff durch den norwegischen Schiedsrichter Terje setzte im restlos ausverkauften Weser-Stadion Sprühregen ein. In Bremen nennt man das "Werder-Wetter". Und in der Tat, der Champions-League-Abend begann für die Grün-Weißen verheißungsvoll. Nach nicht einmal 120 Sekunden schickte Angreifer Ivan Klasnic seinen Sturmpartner Nelson Valdez auf die Reise. Aus halblinker Position zog der Paraguayer ab, Barcelonas-Keeper Victor Valdes tauchte jedoch rechtzeitig ab und konnte das Leder gerade noch unter sich begraben. Das Team von Coach Frank Rijkaard, an diesem Abend in den ungewohnten hellgelben Kanarienvögel-Trikots auflaufend, begann zögerlich. Ihre technischen Fähigkeiten deuteten die Katalanen zunächst lediglich durch ihr sicheres Kombinationsspiel an.

Die Hausherren zeigten sich davon wenig beeindruckt. Ivan Klasnic, auffälligster Bremer in der Anfangsphase, wirbelte die gegnerische Abwehr ein ums andere Mal durcheinander. Seine Schüsse (11./12) verfingen sich aber in der dicht gestaffelten Barca-Defensive. Dann die kalte Dusche: Als die Norddeutschen gerade im Begriff waren, sich in des Gegners Hälfte festzusetzen, schlug der spanische Meister eiskalt zu. Ronaldinho passte, quasi mit dem ersten durchdachten Angriff, im 16-Meter-Raum stehend zurück auf Deco. Der Portugiese fackelte nicht lange und ließ Werder-Keeper Andi Reinke mit einem abgefälschten Schuss von der Strafraumgrenze keine Abwehrmöglichkeit. Ganz bitter für Werder!

Micoud trifft nur den Innenpfosten

Der überraschende Rückstand hinterließ beim Ex-Meister aber nur kurz Wirkung. Nach einer kleineren Verunsicherungsphase fanden die Bremer schnell zurück zu ihrem Spiel. Und kamen folgerichtig zu einer weitern guten Gelegenheiten. Wieder war es Ivan Klasnic, der innerhalb von drei Minuten (26./29.) zwei Mal vor dem Tor von Goalie Valdes auftauchte, beide Male jedoch in aussichtsreicher Position den Ball um Zentimeter verpasste. Aber auch Barcelona blieb gefährlich. Einen Eto'o-Schuss konnte Torwart Reinke in höchster Not gerade noch entschärfen (27.).

Mit einem Kraftakt riss das Team von Trainer Thomas Schaaf in der letzten Viertelstunde der ersten Hälfte das Spiel dann noch einmal an sich. Nelson Valdez hatte in der 35. Minute die Riesenchance zum Ausgleichstreffer, schoss aber nach schöner Hereingabe von Ivan Klasnic über das Tor. Die dickste Werder-Gelegenheit bis zu diesem Zeitpunkt. Das spanische Starensemble hatte dem engagierten Auftreten und dem aggressiven Forechecking der Grün-Weißen so kurz vor der Pause nichts mehr entgegen zu setzen und hatte sogar Glück, dass es bis zum Halbzeitpfiff bei der schmeichelhaften Führung blieb. Johan Micoud war es nämlich, der in der Nachspielzeit mit einem platzierten Schuss aus halblinker Position nur den Innenpfosten traf. Ein donnernder Applaus für eine famose Leistung begleitete die Hausherren kurz danach in die Kabine.

Ronaldinho behält die Nerven

Die erste Szene der zweiten 45 Minuten gehörte dem FC Barcelona. Nach einem Missverständnis in der Bremer-Hintermannschaft schnappte sich Deco das Spielgerät und zog aus 18 Metern ab, traf aber lediglich den rechten Außenpfosten (49.). Torwart Reinke wäre wohl machtlos gewesen. Beide Teams ließen es danach zunächst etwas ruhiger angehen. Das Geschehen spielte sich in dieser Phase überwiegend im Mittelfeld ab. Ab der 60. Minute erhöhte dann Werder wieder das Tempo und übernahm erneut die Initiative.

Einen Pasanen-Freistoß aus gut 30 Metern konnte Barcas-Keeper Valdes gerade noch zur Ecke klären (73.), kurz danach verfehlte Klasnic mit einem Kopfball-Heber das Gehäuse nur knapp. Mitten hinein in die Bremer-Schlussoffensive bewahrheitete sich dann die "Phrasenschwein-würdige" Floskel, dass Fußball manchmal grausam sein kann. Bei einem der seltenen Gegenstöße der Gäste, war es Mittelfeldmann Xavi, der in den Strafraum der Gäste eindrang und regelwidrig von Christian Schulz zu Fall gebracht wurde. Den fälligen Elfmeter verwandelte Weltfußballer Ronaldinho mit traumwandlerischer Sicherheit zum 2:0 für Barcelona (76.).

Schaaf enttäuscht über die mangelnde Chancenverwertung

Auch nach dem vorentscheidenden 0:2 bewies Werder weiter eine tolle Moral und fightete bis zum Schluss um jeden Zentimeter. Mit zunehmender Spieldauer mussten die Grün-Weißen allerdings ihrem hohen Tempo Tribut zollen. Echte Torchancen blieben deshalb bis zum Abpfiff Mangelware. Am Ende stand ein mehr als schmeichelhafter Erfolg für das Starensemble von der iberischen Halbinsel. Werders Mut und Engagement wurden in diesem ersten Champions-League-Spiel der neuen Saison nicht belohnt. Die Norddeutschen erwiesen sich über die gesamte Spielzeit als ein mindestens ebenbürtiger Gegner und lieferten eine starke Vorstellung ab. Einzig die ungenügende Chancenverwertung, an diesem Abend entscheidend, musste sich das Team von Trainer Thomas Schaaf als Vorwurf gefallen lassen.

Dem war im Anschluss an die Partie die Enttäuschung über das Ergebnis deutlich anzumerken: "Gegen Barcelona bekommt man nicht jeden Tag so viele Chancen. Und wenn man die dann nicht nutzt, braucht man sich nicht zu wundern, wenn man den Platz als Verlierer verlässt. Diese Kritik müssen wir uns gefallen lassen." Barcelonas Coach Frank Rijkaard sprach hinterher von einem "glücklichen Sieg" für seine Mannschaft. "Werder hat uns nicht ins Spiel kommen lassen. Ich habe auf der Bank lange gelitten. Letztlich ist es aber ganz einfach: Man braucht Tore, um zu gewinnen. Und die haben wir an diesem Abend geschossen."

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