VG-Wort Pixel

Zukunft des Fußballs Confed Cup: So könnte die WM 2042 in Nordkorea aussehen

Video-Hinweise und reichlich Platz auf den Rängen - Confed Cup als Blauspause für eine WM nach Fifa-Geschmack
Klare Hinweise über die Video-Wand und für jeden ausreichend Platz auf den Rängen: Ach wäre die WM doch wie der Confed Cup, seufzt der Fifa-Funktionär.
© Martin Meissner/AP
Vielleicht ist es nur eine böse Vorahnung. Doch wenn man die Spiele des Confed Cup verfolgt, schleicht sich das Gefühl ein: Genauso stellt sich der Fifa-Funktionär die ideale WM vor. Ein grober Ausblick.

Es soll ja früher Fußballturniere gegeben haben, da schwappten die Emotionen regelrecht über. Auf den überfüllten Rängen schrien sich die Menschen die Seele aus dem Leib, heizten mit Spruchbändern und Fahnen die Stimmung auf. Auf dem Spielfeld wurde gegrätscht und gekämpft. Manch einer soll seinen Gegenspieler sogar gebissen haben! Unfassbar! Kein Wunder, dass es außerhalb der Stadien während der Turniere kaum ein anderes Thema gab und die Menschen vor den Bildschirmen angstvoll die Geschehnisse verfolgten.

Das alles scheint heute so weit weg. Damals, beim Confed Cup 2017 in Russland, ist es dem Weltfußballverband Fifa gelungen, dem archaischen Spiel endlich Würde zu verleihen. Es begann, was heute üblich ist: Mit dem Anpfiff gilt, was viel früher schon beim Tennis galt: "Silence please!" Das Publikum verhält sich ruhig, um die Ballkünstler auf dem Duty-free-Spielfeld in ihrer Konzentration nicht zu stören. Kommt es zu gefährlichen Situationen oder gar Torszenen, aktivieren die Warm Upper die Zuschauer, die mit lauten Rufen und Applaus für Stimmung sorgen. In den Time-Out-Phasen während der 2 mal 30 Minuten Netto-Spielzeit wird der Begeisterungsgrad über die Video-Wände immer wieder eingeübt, während gleichzeitig im Fernsehen kurze Werbespots mit den Stars ausgestrahlt werden. Auch hier gilt: Einnahmen aus Werbung, die während eines laufenden Spiels gesendet wird, sind abgabenfrei. So wird vermieden, dass die Fußball-Gladiatoren in ein schlechtes Licht gerückt werden. Stichwort: Causa Ronaldo.

Vorbild Confed Cup: Nur jeder zweite Sitzplatz besetzt

Dass das Publikum inzwischen auf diese Weise in das Spiel integriert wird, ist auch den einzelnen Verbänden zu verdanken, die auf die einstigen "Fans" eingewirkt haben. 2017 ist auch in diesem Zusammenhang in Erinnerung, da es dem mexikanischen Fußballverband gelang, mit eindringlichen Appellen homophobe Gesänge - vor allem die Beschimpfung von Torhütern mit dem landesüblichen Begriff "Puto" - zu verhindern. "Wir vertrauen euch, wir wissen, dass wir zusammen die Geschichte ändern können", hatte sich die Mannschaft während des Confed Cup an das eigene Publikum gewandt. Und sie haben die Geschichte geändert.

Wildes Anfeuern ist heute aus den meisten Stadien praktisch verschwunden. Das auch, weil jeder Zuschauer ausreichend Platz hat, seit - wie beim Confed Cup in Russland eingeführt - nur jeder zweite Sitz besetzt wird. Das verhindert Enge und Zusammenrottung, gibt jedem Zuschauer genügend Entspannung, um die Produkte der Fifa-Partner zu genießen, und sichert eine Auslastung der Stadien von 100 Prozent bei Veranstaltungen des Weltfußballverbands. Um den Heimvorteil sicherzustellen, ist in ausgewiesenen Blocks eine engere Belegung und eine intensivere Animation vorgesehen. Für zusätzliche Abwechslung und die typischen Diskussionen rund ums Spiel sorgt immer wieder der Video-Schiedsrichter, der zeitweise falsche Spieler vom Platz stellen oder korrekte Tore aberkennen lässt.

Visionen von Nordkorea 2042

So ungefähr sieht sie wohl aus, die WM nach Geschmack des Fifa-Offiziellen. Ein Turnier, das wirklich überall auf der Welt stattfinden kann. Und so lebt der Traum von 2042, wenn der Oberste Führer die Giganto-WM in Nordkorea mit 96 Mannschaften ausrufen kann. Unentschieden wird es dann nicht mehr geben, jedes Remis wird per Elfmeterschießen beseitigt. Alles übertrieben? Die Fifa und wir alle wissen: "It's all in the game!"


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker