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Confederations Cup: Das große Kribbeln vor der Reifeprüfung

Das DFB-Team fiebert dem Eröffnungsspiel gegen Australien entgegen - der Bubi-Sturm soll es richten. In der Abwehr muss Jürgen Klinsmann schon den ersten Ausfall verkraften.

Der Bundestrainer setzt auch im ersten Pflichtspiel seiner Karriere konsequent auf die Jugend, muss aber beim Confederations Cup auf den Bremer Christian Schulz verzichten. Die 20-jährigen Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski sollen gegen Australien für die Tore und einen erfolgreichen Start in den Confederations Cup sorgen. Dies sickerte 24 Stunden vor dem Anpfiff aus dem Teamquartier der deutschen Fußball-Nationalmannschaft durch. Mit der Beförderung in die Stammelf am Mittwoch in Frankfurt erhalten die beiden Kumpel die Belohnung für ihre starken Leistungen in der Turnier-Vorbereitung.

Dagegen reiste Schulz wegen einer Schienbeinkopfprellung mit Knochenentzündung nach Hause. Die Entscheidung fiel nach einer Kernspin-Untersuchung am Dienstag. Die Verletzung, die sich der 22- jährige Abwehrspieler bereits in der Vorbereitungsphase zugezogen hatte, wurde nach Angaben des DFB immer schlimmer und macht eine Zwangspause von mindestens zehn Tagen notwendig. Bundestrainer Jürgen Klinsmann verzichtet auf eine Nachnominierung und wird das Turnier mit nur 22 Spielern bestreiten. "Ich wollte niemanden aus dem Urlaub holen und direkt ins Turnier schicken", sagte der Bundestrainer. Auch eine Berufung aus dem gegenwärtigen Kader bei der U-20-WM kam für ihn nicht in Frage: "Dort haben die Spieler mehr internationale Praxis."

Motivation durch Beckenbauer und Mayer-Vorfelder

Einen Tag vor dem Confed-Start schaute OK-Chef Franz Beckenbauer im Teamquartier vorbei, um Mannschaft und Delegation offiziell bei der Mini-WM willkommen zu heißen. Eine beinahe staatstragende Miene machte DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder bei der live ausgestrahlten Abschluss-Pressekonferenz, als er Reformer Klinsmann schon einmal vorab das Vertrauen aussprach. Nur für den Fall, dass das Unternehmen Cup-Sieg in einer sportlichen Pleite mündet.

"Jürgen Klinsmann und der Trainerstab wissen, dass ich als Verantwortlicher für die Nationalmannschaft in vollem Umfang hinter den ergriffenen Maßnahmen stehe. Ich bin davon überzeugt, dass sie den richtigen Weg gehen", verkündete Mayer-Vorfelder.

Die Messlatte liegt hoch an

"Wir sind uns sicher, dass wir ein gutes Turnier spielen und einen guten Start hinlegen werden", versprach derweil Assestenztrainer Joachim Löw. Die Mannschaft gehe "körperlich sehr gut vorbereitet in das Turnier". Ob die unerfahrene Formation und besonders die Defensive aber auch mental dem Druck standhalten wird, ist auch für den Trainer eine der großen Fragen. Die Messlatte legte Löw am Tag vor dem Turnierstart hoch an: "Wir gehen mit der Zielsetzung ins Turnier, dass wir es gewinnen wollen."

Dazu ist ein Auftaktsieg Pflicht gegen den Weltranglisten-56. Australien Pflicht, auch wenn er es beim Confed-Cup 1997 bis ins Finale und 2001 auf Platz drei geschafft hat. "Viele Australier spielen in der englischen Premier League. Das sagt schon einiges aus. Wir müssen den Kampf annehmen und fighten, um irgendwann ein Tor zu erzielen", sagte Oliver Kahn, der seinen 36. Geburtstag zwischen den Pfosten verbringen darf und positives Denken als Motto ausgab: "Man sollte immer das Ziel haben, ein Turnier zu gewinnen. Das wäre ein wichtiges Signal in Richtung WM 2006."

Bubi-Sturm und Sorgenkind Abwehr

Bei der Pressekonferenz am Dienstag trat Klinsmann nicht vor das Mikrofon, Löw blockte öffentlich alle Fragen zur Aufstellung ab. Man müsse noch "einzelne Personalentscheidungen" intern besprechen. Dabei geht es um die Besetzung der zuletzt anfälligen Abwehr-Viererkette und um die Frage, wer an der Seite des Kölners Podolski stürmen darf. Der Schalker Gerald Asamoah ist körperlich nicht in bester Verfassung, doch auch von den in den Testspielen gezeigten Leistungen seines Teamkollegen Kevin Kuranyi war das Trainer-Team nicht angetan.

Noch größeres Kopfzerbrechen bereitet Klinsmann die Defensive. Arne Friedrich wird möglicherweise in der Innenverteidigung den Vorzug gegenüber Robert Huth erhalten. Auf der rechten Außenbahn grübelt der Bundestrainer, ob er im Neu-Bremer Patrick Owomoyela die bestehende Hierarchie aufrechterhalten oder Bernd Schneider zurückziehen soll. Der Leverkusener Mittelfeldspieler will aber nicht die ungeliebte Position als Notnagel besetzen, sondern auf seinem angestammten Platz im Mittelfeld spielen. Auf den macht sich indes der erstarkte Sebastian Deisler ebenfalls große Hoffnungen.

Oliver Hartmann und Jens Mende/DPA / DPA

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