Confederations Cup Klinsmann setzt auf Bayern-Stars


Jürgen Klinsmann hakt die misslungene Premiere der Nationalelf im Stadion des WM-Eröffnungsspiels kurzerhand als "schönes Einstiegsgeschenk an den FC Bayern" ab. Nach dieser letzten Großzügigkeit will der Bundestrainer die Zügel anziehen.

"Schon in Nordirland wollen wir ein erstes Zeichen setzen", kündigte der um Schadensbegrenzung bemühte Bundestrainer nach der ernüchternden 2:4-Niederlage gegen den deutschen Meister an.

Erst auf der nächtlichen Rückfahrt aus der allseits gerühmten Allianz Arena ins Mannschaftshotel hellte sich Klinsmanns Miene wieder auf. Mit den fünf Bayern-Stars um Leitfigur Michael Ballack hatte der 40-Jährige da wieder eine Mannschaft an Bord, mit der er in Belfast und beim Confed-Cup höhere Ziele anstreben kann. In diesem Punkt herrschte sogar seltene Einigkeit zwischen ihm und Bayern-Trainer Felix Magath, der süffisant feststellte: "Das ist ja kein ernsthaftes Spiel gewesen, weil wir einen Großteil der Nationalmannschaft stellen."

Ohne Mitte läuft nichts

Die Unverzichtbarkeit auf das Mittelfeld-Herzstück mit Ballack, dem spielfreudigen Sebastian Deisler, dem zweifachen Torvorbereiter Bastian Schweinsteiger und einem kämpferischen Torsten Frings war augenfälliger geworden, als es Klinsmann lieb sein konnte. "Einige von den Jungen hatten richtig Respekt vor dem FC Bayern", stellte der Bremer Stürmer Miroslav Klose überrascht fest. Der beste Mann im DFB-Dress holte nach der Pause immerhin einen Elfmeter raus, den Tim Borowski verwandelte, und traf außerdem selbst zum 2:3.

Sogar die Münchner Auswahlkicker bemühten sich nach ihrem schwungvollen Spiel mit den Toren von Deisler, Willy Sagnol, Hasan Salihamidzic und dem Eigentor von Robert Huth darum, die Gemüter zu beruhigen. "Wir haben eine gute Nationalmannschaft", meinte Deisler, fügte allerdings an: "Wir Bayern können sicher einen großen Beitrag dazu beitragen, dass wir guten Fußball spielen." Ballack empfahl ebenfalls, das 4:2 nicht überzubewerten: "Der FC Bayern ist ja auch nicht irgendwer. Wir wollten unseren Zuschauern etwas zeigen."

Schmährufe und Pfiffe gegen Lehmann

Die Bayern-Fans kamen sogar mehrfach auf ihre Kosten und das nicht nur bei der Vorab-Show, dem Sieg "ihrer" Lieblinge und dem abschließenden Feuerwerk. Mit ihren unfairen Schmährufen und Pfiffen gegen Jens Lehmann erzielten sie ebenfalls Wirkung. Der Kahn-Rivale zeigte Nerven: Er patzte vor dem ersten und zweiten Tor und bot mit einem unverständlichen Bodycheck gegen Schweinsteiger eine weitere Angriffsfläche.

"Der Check war sicherlich ein bisschen unglücklich", bemerkte sogar Klinsmann, der Lehmann im persönlichen Gespräch auf die erwarteten Missfallens-Kundgebungen vorbereitet hatte. Lehmann stimmte die vehemente Ablehnung seiner Person "traurig", und er äußerte Unverständnis: "Es war schade, dass die Einweihung eines neuen Stadions von Pfiffen bestimmt wird."

Team-Manager Oliver Bierhoff verurteilte die Aktion der Bayern- Fans als "Riesensauerei". Beim Vorfall mit Schweinsteiger, den der 35 Jahre alte Torhüter mit dem Ellbogen in eine Werbebande beförderte, gab der Manager dem Youngster die Schuld. "Das war aber auch dumm und unnötig von Schweini." Auch Lehmann gab an, Schweinsteiger erst "geblockt" zu haben, nachdem dieser den Zuruf "Bleib weg" ignoriert hatte.

Das Duell der Torhüter

Wenn Lehmann das Torhüter-Duell mit Kahn überraschend gewinnen sollte und in einem Jahr ausgerechnet in München das deutsche Team im WM-Turnier vertreten darf, dürfte er die missglückte Premiere wohl leichter vergessen. Klinsmann jedenfalls freut sich schon jetzt auf das WM-Eröffnungsspiel, das er ursprünglich gar nicht bestreiten wollte: "Das wird spannend nächstes Jahr. Die Stimmung, die hier aufkommen kann, ist prickelnd. Dieses Stadion gehört jetzt zu den Fußball-Tempeln auf der Welt."

Ungeachtet dessen wirkte der ein oder andere Akteur im Nationaltrikot - besonders in der jungen Abwehr - arg limitiert. Der Optimismus für den Confed-Cup ist dennoch ungebrochen. "Jetzt sind wir komplett und es wird auch besser laufen", versicherte der Schalker Neuling Mike Hanke. Nach elf Siegen hintereinander mit Bayern will das Münchner Quintett die Sieger-Mentalität auf die DFB-Auswahl übertragen: "Ich hoffe, das war die letzte Niederlage der Nationalelf in dieser Saison", sagte Schweinsteiger.

Klaus Bergmann und Oliver Hartmann/DPA DPA

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