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Confederations Cup: Klinsmanns Gesellenstück

Beim Confederations Cup darf Trainer-Neuling Jürgen Klinsmann noch feilen und schleifen. Doch in 346 Tagen bei der WM 2006 beginnt die Prüfung für den Meister-Brief.

Sein Gesellenstück hat der Trainer-Neuling Jürgen Klinsmann schon vor der Partie gegen Mexiko abgeliefert. In einem Jahr, bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land, muss er allerdings eine fehlerfreie Prüfung ablegen, sonst droht der Laufpass. "Ich hoffe, so schnell wie möglich Dinge zu lernen", sagt Klinsmann unter dem Eindruck des ersten langen Wettkampf-Stresses, den er als Bundestrainer in den vergangenen Wochen erlebt hat.

"Wenn es Spaß macht, geht vieles leichter", betont der Bundestrainer, der sich trotz der intensiven Arbeit zwischen dem Start in München und dem Abschluss am Mittwoch in Leipzig noch nicht ausgepowert fühlt. "Es könnte durchaus noch zwei Wochen weiter gehen." Die Firma Klinsmann hat die erste echte Bewährungsprobe bestanden. "Das Team passt", resümiert der Chef.

Mit Experten zum WM-Titel

Klinsmann umgibt sich mit Experten, um die selbst auferlegte, mutige und schwere Mission "WM-Titel 2006" erfüllen zu können. Zwar wirkte der Blonde in den Stadien von Frankfurt, Köln und Nürnberg an der Außenlinie oft noch wie ein Spieler, so ausgelassen jubelt er nach Toren und leidet er bei Fehlern.

Doch wenn die TV-Kameras aus sind, sieht das anders aus. Der Bundestrainer ist der unumstrittene Anführer, die einzelnen Abteilungen müssen funktionieren. "Jeder hat seinen klaren Bereich abgesteckt", sagt Team-Manager Oliver Bierhoff. Trotzdem habe jeder auch die Möglichkeit, "sich kritisch zu äußern, ohne dass jemand böse ist", berichtet Bierhoff über das Innenleben im größten DFB-Tross aller Zeiten.

Hundert Prozent Loyalität

Viele Details über die Arbeit des inneren Zirkels, zu dem vor allem Assistent Joachim Löw und Manager Bierhoff, mit einigen Einschränkungen Torwart-Coach Andreas Köpke und Chefspion Urs Siegenthaler gehören, kommen nicht an die Öffentlichkeit. Klinsmann erwartet hundertprozentige Loyalität, dafür gibt er "wahnsinnig großes Vertrauen" zurück, bemerkt sein einstiger Angriffs-Kollege Bierhoff. Die Abschiebung von Torwart-Legende Sepp Maier, der all zu offen Oliver Kahn protegierte, hatte schon lange vor der ersten Pflichtaufgabe auch dem letzten Mitarbeiter im Stab vor Augen geführt, dass Klinsmann konsequent seine Linie durchsetzt.

"Ich sehe mich selbst in einer sehr spannenden und schnellen Lernphase", bescheibt der ehemalige DFB-Kapitän seine persönliche Reifephase. "Wenn man bei jedem einzelnen Spieler dann eine Entwicklung feststellt, hat man das Gefühl, einen guten Job zu machen." Klinsmann beschäftigt sich sehr mit der Arbeit von Kollegen wie Carlos Alberto Parreira. "Das hilft mir, meinen Lernprozess zu forcieren." Lob wie vom Brasilien-Coach oder seinem argentinischen Kollegen José Pekerman ist Klinsmann durchaus wichtig.

"Der Rudi ist der Rudi

Dagegen nimmt er es gelassen, dass die wieder erweckten Sympathien des Publikums nicht auf ihn nieder prasseln, während sein Vorgänger "Ruuuudi" Völler sogar noch in erfolglosen Zeiten von den Fans gefeiert wurde. "Nein, nein", das sei überhaupt kein Problem, "der Rudi ist der Rudi, das wird immer so bleiben", sagt Klinsmann. Er freue sich zwar, dass das Publikum "auf unserer Seite" sei, aber "das ist der Verdienst der Mannschaft und hat mit meiner Person nichts zu tun".

Jens Mende und Klaus Bergmann/DPA / DPA

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