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WM-Qualifikation gegen Liechtenstein Das ist die Schiedsrichterin, die als erste Frau ein DFB-Männerspiel leitet

"Ein normaler Vorgang": Schiedsrichterin Ivana Martincic aus Kroatien
"Ein normaler Vorgang": Schiedsrichterin Ivana Martincic aus Kroatien
© Fabio Ferrari / DPA
Zum ersten Mal in der Geschichte des DFB leitet eine Schiedsrichterin ein Spiel der Männer-Nationalmannschaft. Die Frau heißt Ivana Martincic, kommt aus Kroatien und hat eine steile Karriere hingelegt. Dennoch ist es eine Rarität, dass Frauen Männerspiele leiten.

Fast hat man das Gefühl, dass Uefa und DFB sich gezwungen sahen, alles dafür tun, dass der sportlich bedeutungslose Kick der Nationalelf gegen Liechtenstein (ab 20.45 Uhr im stern-Liveticker) irgendwie ein bisschen aufregender wird, als er klingt. Die WM-Qualifikation ist geschafft, der Gegner ist viert- oder gar fünftklassig und der Spielort Wolfsburg firmiert als Standort nicht gerade als brodelnder Hexenkessel – all das verspricht nicht unbedingt einen spannenden Fußball-Abend.

Deshalb ist der DFB möglicherweise auf die Idee gekommen, die Partie zum offiziellen Abschied für Ex-Bundestrainer Joachim Löw aufzupimpen (lesen Sie hier den Kommentar meines Kollegen Eugen Epp). Ein weiteres Thema, das nur indirekt mit dem Spiel zu tun hat, ist die Aufregung um den corona-infizierten Nationalspieler Niklas Süle und seine vier Mitspieler, die sich in Quarantäne begeben mussten, mutmaßlich, weil sie nicht geimpft sind. Von Joshua Kimmich ist es bekannt, zum Impfstatus der ebenfalls abgereisten Serge Gnabry, Jamal Musiala und Karim Adeyemi hüllt sich der DFB in Schweigen. Seither sprießen die Spekulationen.

Ivana Martincic ist eine erfahrene Schiedsrichterin

Der Beitrag der Fifa, dem Spiel gegen Liechtenstein zu einer besonderen Note zu verhelfen, besteht in der Berufung einer Schiedsrichterin. Zum ersten Mal pfeift eine Frau ein Spiel der DFB-Männer, oder anders ausgedrückt: das erste Mal in 113 Jahren Länderspielgeschichte. Die Kroatin Ivana Martincic, 36 Jahre alt, ist eine erfahrene Unparteiische. Seit 2014 leitet sie Fifa-Spiele der Frauen, nun folgt ihr erster Einsatz bei einer internationalen Männer-Begegnung. Zum Schiedsrichter-Team von Martincic gehört mit Assistentin Sanja Rodjak-Karšic eine weitere Frau. An der Seitenlinie steht zudem Goran Pataki. Auch der vierte Offizielle, Igor Pajac, und Video-Referee Duje Strukan kommen aus Kroatien.

Dass sie sich auf den Einsatz freut, daran ließ sie keinen Zweifel. "Das ist eine große Ehre für mich, ich freue mich sehr auf das Spiel“, sagte Martincic. "Das würde ja jedem so gehen." Sie sei sich bewusst, dass es noch Zeit braucht, bis Schiedsrichterinnen im Männerfußball normal sind: "Die Vereine und Spieler brauchen Zeit, um mich zu akzeptieren“.

Martincic spielte früher selbst Fußball. Später riet ihr der Vater, der selbst Schiedsrichter war, auch zur Pfeife zu greifen. Es folgte ein steiler Aufstieg gegen viele (Männer-)Wiederstände. Sie leitete als erste ein Spiel in der kroatischen Fußball-Liga HNL und ein U21-Länderspiel der Männer von Lettland gegen San Marino. Die deutsche Frauennationalmannschaft kennt sie ebenfalls von zwei Einsätzen. 2019 schaffte sie den Sprung in die Fifa-Elitegruppe. Ihr nächstes Ziel ist die Frauen-EM 2022 in England und den kroatischen Klassiker Dinamo Zagreb gegen Hajduk Split.

Schiedsrichterinnen im Männer-Fußball sind eine Rarität

Trotz solcher Pionierinnen bleiben Einsätze wie der von Martincic eine Rarität – auch im Jahr 2021, weil in der Männerbastion Fußball die Gleichberechtigung ganz besonders zäh voranschreitet. Immerhin gab es in diesem Jahr vermehrt Einsätze von Frauen bei Männerspielen. In diesem Jahr haben die Französin Stéphanie Frappart und die Ukrainerin Kateryna Monsul Partien in der WM-Qualifikation geleitet. Neben Kroatien haben Frankreich, Tschechien, Wales und die Ukraine Schiedsrichterinnen in ersten Männer-Ligen. In der Bundesliga pfeift seit dem Abgang von Bibiana Steinhaus keine Frau mehr.

Bundestrainer Hansi Flick fand die richtigen Worte zum Einsatz von Martincic:  "Ich freue mich drauf. Dass es passiert, ist ein normaler Vorgang und die Zeit ist da, eine Frau bei den Männern das Spiel leiten zu lassen", sagte er.

Quellen: DPA, "Frankfurter Allgemeine Zeitung"

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