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Bundesliga-Start Der FC Bayern hat sich ohne Lewandowski neu erfunden – leider

Jamal Musiala und Sadio Mané (r.) machen Robert Lewandowski (fast) vergessen
Jamal Musiala und Sadio Mané (r.) machen Robert Lewandowski (fast) vergessen
© Imago Images
Der FC Bayern ist mit zwei Siegen furios in die neue Saison gestartet, und das ohne Superstar Robert Lewandowski. Der Konkurrenz bleibt nur die bittere Erkenntnis: Der Rekordmeister wird mit neuer Offensivformation vielleicht noch besser.

Was soll man zum Bundesliga-Start noch sagen? Vielleicht: "Scheiße, ich habe jetzt schon wieder keinen Bock mehr", wie es ein junger Fußball-Fan am Wochenende nach dem beeindruckenden Sieg des FC Bayern gegen Eintracht Frankfurt seriös dokumentiert formulierte. Mit 6:1 überrannten die Bayern im Auftaktspiel am Freitagabend den Gegner, immerhin amtierender Europa-League-Sieger und FC-Barcelona-Bezwinger. Zusammen mit dem 5:3-Sieg im Supercup gegen RB Leipzig zuvor hat der Rekordmeister unmissverständlich die Botschaft an den Rest der Liga gesandt: "Wir können auch ohne Robert Lewandowski ziemlich viele Tore schießen und streben überlegen wie eh und je den 11. Meistertitel in Folge an."

Alles wie immer also. Frankfurts Trainer Oliver Glasner fasste es nach dem Spiel mit belegter Stimme so zusammen: "Wenn Du zehn Jahre Meister wirst und 160 Millionen investiert, dann denke ich mal, dass Du auch Favorit auf den elften Titel bist".

Das Unvermeidliche scheint wieder eingetreten zu sein

Das Unvermeidliche scheint also wieder eingetreten zu sein. Die Bayern sind dem Rest der Liga so haushoch überlegen, dass im Meisterschaftskampf nur die Frage übrig bleibt, ob sie nach dem 25., dem 28. oder gar erst nach dem 32. Spieltag als Meister feststehen. 

Es ist und bleibt aus Sicht der Konkurrenz ein Elend, das sich über die Jahre strukturell verfestigt hat. Der finanzielle Abstand ist mittlerweile so groß, dass Borussia Dortmund und RB Leipzig Jahre bräuchten, um aufzuschließen. BVB-Geschäftsführer Hans Joachim Watzke bezifferte die Summe, die die Dortmunder aufzuholen haben, in einem Interview mit dem "kicker" auf "150 Millionen Euro pro Jahr", um sich finanziell auf Augenhöhe zu halten. Für mittlere Klubs sogar auf "500 bis 600 Millionen Euro". "Wie soll das gehen?", fragte Watzke rhetorisch.

Gegenmaßnahmen? Die Forderung nach einer gerechteren Verteilung der TV-Gelder, wie sie jüngst (mal wieder) Ex-Werder-Manager Willi Lemke forderte, verhallt regelmäßig. Das liegt vielleicht auch daran, dass die anderen Klubs wissen: Es liegt ja nicht nur am Geld, dass die Bayern konkurrenzlos da stehen.

Die Gabe, sich neu zu erfinden

Es ist auch ihrer fast beängstigenden Fähigkeit geschuldet, sich immer wieder auf höchstem Niveau neu zu erfinden. Vor Jahren unkten zahlreiche Medien (auch der stern) und Experten, die Bayern hätten den Generationswechsel nach dem Abgang von Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger verschlafen, dabei lief der reibungslos und wurde klug gemanagt. Danach hieß es, die neue Bayern-Führung unter Oliver Kahn und Hasan Salihamidžić könnte überfordert sein mit dem gigantischen Erbe der Bayern-Granden Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge. So weit man bislang feststellen kann: Auch das war ein Irrtum.

Und nun der Weggang von Über-Torjäger Robert Lewandowski zum FC Barcelona. Wer gedacht hatte, dass die Bayern möglicherweise ins Schleudern geraten, sieht sich getäuscht. Trainer Julian Nagelsmann formte um Neuzugang Sadio Mané und Supertalent Jamal Musiala eine neue Offensivformation, die variabler ist und in zwei Spielen gegen starke Gegner elf Tore fabrizierte. Dazu stellte er kurzerhand die Grundordnung vom 3-5-2 auf ein 4-2-2-2 um. Es funktioniert zum Leidwesen der Liga prächtig.


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