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Teure Fußballstars Der Transfermarkt ist kaputt - warum eigentlich?

Englands Nationalspieler Raheem Sterling wechselte für 65 Millionen Euro von Liverpool zu Manchester City - er ist der teuerste Spieler der Premier League.
Englands Nationalspieler Raheem Sterling wechselte für 65 Millionen Euro von Liverpool zu Manchester City - er ist der teuerste Spieler der Premier League.
© Oli Scarff/AFP
Die Premier League vermeldet mal wieder den teuersten Einkauf der Geschichte. Auch in Deutschland explodieren Spielerpreise. Fans reiben sich verdutzt die Augen. Doch sie müssen sich daran gewöhnen, dass sich der Transfermarkt nachhaltig verändert.

Wer sich die Namen und Zahlen der vergangenen Wochen anschaut, der weiß eigentlich schon Bescheid. Raheem Sterling wechselt von Liverpool zu Manchester City für 60 Millionen Euro. Roberto Firmino wechselt von Hoffenheim nach Liverpool für 41 Millionen. Douglas Costa - von Donezk nach München für 30 Millionen Euro. Arda Turan - von Atletico zu Barcelona (trotz Transferverbots) für 34 Millionen Euro. Und dann gibt es am heutigen Mittwoch noch diese kleine Meldung: Talent Jonathan Tah wechselt vom HSV nach Leverkusen - für 10 Millionen Euro.

Der Transfermarkt scheint irgendwann in den vergangenen Jahren einfach kaputt gegangen zu sein. Als Fan hat man jedenfalls diesen Eindruck, wenn man auf die absurd teure Wechselorgie der vergangenen Jahre blickt. 30-40 Millionen-Euro-Einkäufe waren vor fünf Jahren noch die Ausnahme, heute sind sie Standard. Auch für Talente werden unglaubliche Summen gezahlt. 10 Millionen für Jonathan Tah? Er ist sicherlich ein vielversprechender Abwehrspieler. Aber 10 Millionen Euro? Dreimal so viel wie für Lars Stindl, einen gestandenen Bundesliga-Spieler, den Gladbach als Verstärkung fürs Champions-League-Mittelfeld kaufte? Was ist da nur los in den Vereinen?

Ausgangspunkt Premier League

Der Markt wandelt sich gerade nachhaltig. Ausgangspunkt scheinen dabei die Entwicklungen der Premier League zu sein. Die Scheich- und Investoren-Gelder machten vor knapp zehn Jahren den Anfang. Clubs wie Manchester City oder Chelsea investierten Unsummen in ihre Kader, dabei kauften sie nicht nur Superstars für viel Geld, sondern auch viele mittelmäßige Spieler zu überteuerten Preisen. So kam Geld in den Markt. Die Clubs aus den mittleren Tabellenregionen gaben ihre besten Spieler für viel Geld ab - und konnten so selbst gut investieren. Gleichzeitig stieg das Interesse an der Premier League weiter und weiter. Die Liga vermarktete sich clever - und die TV-Gelder schossen immer weiter in die Höhe. Selbst die schlechtesten Clubs nehmen in England mittlerweile mehr aus dem TV-Topf ein als der FC Bayern in Deutschland.

Genau aus diesem Grund verändert sich auch der Transfermarkt in allen anderen europäischen Spitzenligen. Im Kampf um internationale Top-Spieler konkurriert der FC Bayern eben nicht nur mit Real Madrid, Barcelona oder Manchester United. Sondern auch mit Southampton oder Stoke City. Die könnten theoretisch auch 20- 30 Millionen Euro für einen Douglas Costa zahlen. Und wenn dann der FC Bayern anfragt, dann sagt der abgebende Club schon einmal schnell: Ihr seid doch der Weltverein FC Bayern, unter 30 Millionen Euro geben wir ihn nicht ab - auch wenn der Marktwert des Spielers vielleicht nur bei 23 Millionen Euro liegt. Ein großer Club muss für Wunschspieler im besten Alter Summen jenseits der 25 Millionen zahlen. So einfach ist die Formel nun.

Konsequenzen für die Bundesliga

Auch in Deutschland hat das Konsequenzen. Zum einen drängen auch hier die Clubs mit starken Investoren im Rücken nach vorne. Wolfsburg, Leverkusen, Hoffenheim, Ingolstadt, Leipzig - die Dimensionen sind bei Weitem noch nicht so verrückt wie in der Premier League. Die Clubs wirtschaften (noch) vergleichsweise nachhaltig. Doch wenn Spieler wie Firmino für viel Geld in die Premier League wechseln, dann kann der Club das Geld natürlich reinvestieren. Doch manch ein Club agiert schon heute wie ein reicher Club der Premier League. So kaufte der VfL Wolfsburg für zusammengerechnet knapp 70 Millionen Euro Luis Gustavo, Kevin de Bruyne und Andre Schürrle zusammen.

In Deutschland haben die gigantischen Transfermarkt-Summen aber noch ganz andere Folgen. Die Vereine ohne potenten Geldgeber müssen sich umstellen. Sie müssen neue Wege suchen, um zu überleben. Spieler, die anderswo zum Star wurden, können sie sich kaum mehr leisten.

Fans müssen viel Geduld aufbringen

Die naheliegendste Strategie wird es sein, ein Team aus Talenten und gestandenen Mittelklasse-Spielern zu formen, die besten Talente für viel Geld zu verkaufen und so wieder Geld zu haben, dass einerseits für bessere Verträge für Leistungsträger, andererseits für neue Talente ausgegeben werden kann. Langfristig werden diese Teams wohl dennoch abgehängt. Denn, dass es kaum gelingt, über Jahrzehnte vom Scouting zu leben, zeigen die schwankenden Leistungen von ehemaligen Meistern wie Bremen oder Stuttgart. Beide Vereine haben mal ein Hoch, doch es kann eben auch schnell wieder bergab gehen.

Fans müssen da viel Geduld aufbringen. Selbst als Anhänger des FC Bayern ist es nicht leicht zu verkraften, wenn ein Spieler aus Donezk plötzlich mehr kostet als Franck Ribery oder Arjen Robben. Der FC Bayern kann das vielleicht noch verkraften - doch dass es auch für die Münchner immer schwieriger wird, die ganz großen Spieler zu verpflichten, ist offensichtlich: Angel di Maria, Antoine Griezmann oder eben Raheem Sterling kosten eben bereits doppelt so viel wie ein Douglas Costa. Der nächste Sprung der Transfermarkt-Inflation steht also schon bevor.


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