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Deutschland gegen Italien: Rudis letztes Aufgebot und ein Wiedersehen mit Trap

Ohne neun Stammkräfte versucht morgen eine B-Mannschaft des DFB im Freundschaftsspiel gegen Italien ihr Glück. Während Völler auf den Mythos des Klassikers hofft, schickt Trapattoni seine besten Männer ins Rennen

Michael Ballack, Torsten Frings, Dietmar Hamann, Jörg Böhme, Christian Ziege, Jens Nowotny, Christoph Metzelder und Arne Friedrich: Nein, das ist nicht das Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft im morgigen Testspiel gegen Italien (20.45/ZDF). Es sind die Spieler, die Rudi Völler wegen Verletzungen absagten. Das wahrlich letzte Aufgebot muss der Teamchef beim Klassiker ins ausverkaufte Gottfried-Daimler-Stadion in Stuttgart antreten lassen. Trotz der prekären Personalsituation versuchen alle Beteiligte die Bedeutung des Spiels hervorzuheben und Sorgen um die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Mannschaft auszuräumen.

Demonstratives Selbstbewußtsein

"Wir haben genügend gute Spieler, die sich nun beweisen wollen", macht sich Carsten Ramelow Mut. Und Jens Jeremies stellt sein Selbstbewusstsein vor dem Duell der dreimaligen Weltmeister noch deutlicher zur Schau: "Die, die fehlen, die fehlen eben. Wir sind auch so gut genug für Italien."

Klassiker beschworen

Auch Völler sprach zwei Tage vor dem Anpfiff viel lieber über die Chancen für seine Notelf und nicht über die Risiken eines Fehlstarts in die EM-Saison. "Das ist kein Test, das ist ein Klassiker - ein Highlight in der Karriere eines jeden Nationalspielers", schwor er die Spieler in seiner Ansprache vor der ersten gemeinsamen Trainingseinheit auf Ruit ein.

Völler hofft auf Motivation allein durch den Namen des Gegners. "Italien ist eine absolute Weltklassemannschaft. Gegen Mannschaften dieses Kalibers haben wir in der Vergangenheit guten und attraktiven Fußball gespielt", lautete seine individuelle Mutmacher-Theorie. Für den Teamchef stehen ohnehin Erkenntnisse für die vorentscheidenden EM-Qualifikationsspiele in Island und gegen Schottland im Vordergrund.

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Heimspiel für Hinkel

Die dünne Personaldecke beschert Lokalmatador Andreas Hinkel im dritten Länderspiel erstmals einen Einsatz in der Anfangself. "Die Chance hat er sich verdient", sagte Völler an die Adresse des 21-jährigen Außenverteidigers, der voller Vorfreude verkündete: "In meinem Stadion für mein Land gegen eine solch namhafte Mannschaft zu spielen - das ist schon etwas Tolles."

DFB-Auswahl im Umbruch

Das alles ändert nichts daran, dass Deutschland gegen eine Top-Nation mit einer B-Truppe antreten muss. Auch für die sportlich wichtigen Qualifikationsspiele in Island und Schottland versucht Mittelfeldstar Ballack die Realität im Auge zu behalten: "Wir befinden uns in einer schwierigen Phase. Die vielen jungen Spieler müssen erst in die Mannschaft hineinwachsen. Das ist ein Prozess, der dauert", sagte er der "Welt". Und Jeremies pflichtete bei: "Die Mannschaft befindet sich im extremen Umbruch".

Wiedersehen mit Trap

Der Testgegner aus Italien ist ein alter Bekannter: Legendäre Spiele wie bei der WM 1970 im Halbfinale und das Finalendspiel bei der WM 1982 machen das deutsch-italienische Fußballtreffen zu einem ewig jungen Klassiker. Und es gibt ein Wiedersehen mit einem deutschen Liebling: Giovanne "ich habe fertig" Trapattoni. Der Nationaltrainer stand nach der letztjährigen WM-Blamage gegen Südkores vor dem Rausschmiss, rettete sich aber mangels Alternative über den letzten Sommer. " Es ist schön, nach Deutschland zurückzukehren", sagte "Trap" vor der Presse und betonte gleichzeitig, wie wichtig ihm das Treffen mit der deutschen Auswahl sei. "Gegen Deutschland gibt es keine Freundschaftsspiele", betonte er. Dass er das auch so meint, zeigt der blick auf die wahrscheinliche Aufstellung. Mit Alessandro del Piero, Christian Vieri und Francesco Totti kommen alle verfügbaren Stars zum Einsatz.

Christoph Marx

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