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DFB: Löw verweigert Ballack Einsatzgarantie

Noch drei Tage bis zum Spitzen-Spiel in der WM-Qualifiaktion gegen Russland, und selten hat man Bundestrainer Joachim Löw so kämpferisch und bestimmt erlebt. Kein Spieler kann sich mehr sicher sein, ob er aufläuft oder nicht. Selbst das Rennen um die Nummer 1 scheint völlig offen.

Bei seiner Startformation mauert Joachim Löw wie noch nie - nur auf dem Trainingsplatz erlaubt der Bundestrainer einige wenige Einblicke in seine Planspiele für die Top-Partie gegen Russland. Selbst seinem zurückgekehrten Kapitän Michael Ballack und dem Nummer-1-Favoriten Robert Enke verweigerte der kämpferisch wirkende Löw eine Einsatz-Garantie für das Gipfeltreffen in der WM- Qualifikations-Gruppe 4 am Samstag in Dortmund (20.45 Uhr/ARD), stattdessen verschärfte der 48-Jährige nochmals den Konkurrenzkampf: "Ich will von jedem Spieler sehen, dass er körperlich und mental für dieses Spiel bereit ist, sonst wird er nicht spielen", warnte Löw.

Nachdem der Bundestrainer die Debatten um Konflikte zwischen dem machtbewussten Ballack und Teammanager Oliver Bierhoff sowie Spielernamen auf den Trikots rigoros erstickt hatte, eröffnete er am am Mittwoch in Düsseldorf mit gleich zwei Trainingseinheiten "die absolute Konzentration" auf das 13. Duell mit der "Sbornaja". Die Russen haben mit ihrem imponierenden EM-Auftritt bis ins Halbfinale in diesem Sommer hohen Respekt im Kreise der DFB-Trainer erworben. "Ich habe selten eine Nation gesehen, die so schnell umschalten kann. Die Russen haben eine unglaubliche Stärke im Spiel nach vorn", sagte Löw und stellte den Kontrahenten sogar "auf eine Stufe" mit Europameister Spanien.

Helmes auf dem Sprung in die Startelf

Zwar glaubt der Bundestrainer nicht, dass schon im mit 65 607 Zuschauern ausverkauftem Dortmunder WM-Stadion das einzige Direkt-Ticket zur Weltmeisterschaft 2010 vergeben wird: "Wer gegen die vermeintlich Kleinen keine Punkte lässt, hat einen Vorteil." Doch nach dem jüngsten 3:3 in Finnland sind die beiden Heimspiele gegen Russland und vier Tage später in Mönchengladbach gegen Wales auch für Löw richtungweisend. Für Manager Bierhoff wird das Spiel gegen die Mannschaft von Trainer Guus Hiddink, die in der Weltrangliste als Neunter sechs Plätze hinter Deutschland (3.) rangiert, schlichtweg "ein Hammer". Löw will die Spannung in den Trainingseinheiten so anheizen, dass seine Spieler kurz vor der Partie in Dortmund "nicht mehr wissen, für welchen Verein sie spielen oder welches Auto sie fahren".

Obwohl Löw über seine Startelf endgültig erst am Abend vor dem Anpfiff "nach der aktuellen Verfassung der Spieler" entscheiden will, hat er in seinem geheimen Russland-Plan schon Fix-Punkte verankert. Im Training vor 21 500 Fans in der Düsseldorfer LTU-Arena zeigte er überraschende Lösungsmöglichkeiten: So könnte Bayern-Ersatzstürmer Lukas Podolski gegen die Russen wieder wie bei der EM aus dem linken Mittelfeld heraus agieren. Der Leverkusener Mittelfeldmann Simon Rolfes durfte als zentraler Mittelfeld-Partner von Kapitän Ballack üben. Und im Angriff tauchte Rolfes' Bayer-Kollege Helmes, derzeit Bundesliga-Torjäger Nummer 1, als Partner von Miroslav Klose auf. "Patrick Helmes spielt eine wichtige Rolle in meinen Planungen. Er sprüht derzeit vor Spielfreude", bemerkte Löw geheimnisvoll.

"Dann werden wir gnadenlos bestraft"

Auf der Torwart-Position bestätigte der Bundestrainer dem Hannoveraner Robert Enke erneut "kleine Vorteile" gegenüber René Adler, "der nach seiner Verletzung schnell wieder gute Form erreicht hat". Aber auch in der Nummer-1-Frage mauerte Löw: "Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen." Enke hat es jedoch in den Trainingseinheiten bis Freitag selbst in der Hand, seine Position in der ersten Elf zu verteidigen. Auch die Rückkehrer Arne Friedrich und Per Mertesacker dürften neben Ballack, Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Podolski und Klose zu den insgesamt acht Akteuren gehören, die im Löw-Plan im Vorteil sind. Dagegen muss Torsten Frings zittern. Veränderungen durch Trainingsleistungen schließt Löw jedoch ein: "Es werden nur Spieler auflaufen, von den ich den Eindruck habe, dass sie 100 Prozent ihrer Leistung abrufen können."

Als deutliches Zeichen für die eigene Spielausrichtung gegen die starken Russen stehen im Training immer wieder schnelle, direkte Angriffszüge, flache Eingaben und Torabschlüsse auf dem Programm. "Wir spielen immer auf drei Punkte, auch jetzt", unterstrich Löw. Allerdings könne sich sein Team "zwei, drei Spieler, die geistig und körperlich nicht auf der Höhe sind", gegen Russland nicht leisten: "Dann bekommen wir Probleme und werden gnadenlos bestraft."

DPA/kbe / DPA

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