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DFB-Pokalverlierer Bayer Leverkusen: Nur Calli spendet Trost

Mit 0:1 hat Bayer Leverkusen das DFB-Pokal-Finale gegen Werder Bremen verloren. Am Dienstag soll es, so Rudi Völler, klärende Gespräche geben, womöglich verlässt Trainer Labbadia den Verein. Bayer Leverkusen im Umbruch - gut, dass es noch alte Kumpels gibt.

Von Oliver Trust

Reiner Calmund ist ein Kerl zum Knuddeln. Nicht nur, dass der ehemalige Manager von Bayer Leverkusen vom letzten Marathon erzählen kann, mit dem der schwergewichtige "Calli" die Zeitungen im Ressort Unterhaltung füllte - er kann auch trösten, wenn die Stimmung zwischen tiefer Frustration und ungewisser Zukunft schwankt. Deshalb freuten sich die meisten Partygäste im ehemaligen Oderberger Stadtbad sehr, dass es er an diesem Abend zur Verfügung stand.

Und Seelentröster Calmund hatte in dieser Nacht der 0:1-Pokalniederlage gegen Bremen einige Bayer-Patienten mit leichten Stimmungsschwankungen zu behandeln. Auf den Gängen der schicken Event-Location im Bezirk Prenzlauer Berg gab es nur ein Thema: Die baldige Trennung von Trainer Bruno Labbadia. Die wird wohl am Dienstag erfolgen. Dann wird in Leverkusen Klartext geredet. "Sehr direkt" und über das, "was sich bei einigen Beteiligten im Verein aufgestaut hat. Am Dienstag kommt alles auf den Tisch", sagte Sportdirektor Rudi Völler.

Als Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser im Stadtbad bei hipper Musik, Lachs auf Spargelrisotto, Tandoori-Chicken mit Wokgemüse und Ravioli im Salbaimantel seine Rede beendete, wollte er dies nicht ohne aufmunternde Sätze tun. "Eines Tages, das verspreche ich euch, werden wir einen Titel holen", sagte Holzhäuser. Der Beifall hielt sich in Grenzen, zu tief saß die Enttäuschung.

In jeder Ecke wurde weit nach Mitternacht über Labbadia diskutiert. Viele waren überzeugt, der Cheftrainer habe dies aufrührerische Interview in der "Süddeutschen Zeitung", selbst in Auftrag gegeben. Wie man hört at sich Labbadia nicht sonderlich gewehrt, die Breitseite anklagender Worte noch unbedingt vor dem Finale loszuwerden. "Sicher ist, es müssen sich einige Voraussetzungen ändern. Ein Weiter-so kann es ja für beide Seiten nicht geben". Und über Manager Michael Renschke sagte er: "Fakt ist, dass wir eigentlich von Anfang an keine gemeinsame Arbeitsebene fanden". Labbadia klagte über eine "Kampagne" gegen ihn, über Spieler, die sich über ihn und sein zu hartes Training bei Kluboberen beschweren, aber eigentlich endlich aus der "Komfortzone" geführt werden müssten,um einen Schritt vorwärts zu kommen.

Kluft zwischen Team und Chef

Die Sache kam, vor allem, weil am Spieltag selbst erschienen, nicht gut an und mancher war sich in der Nacht der Niederlage sicher, Labbadia habe mit dem Hamburger SV bereits einen neuen Verein an der Hand. Konkreten Nachfragen wich Labbadia am Samstag aus. Es sei jetzt nach dem Spiel nicht die Zeit, darüber zu reden. Rudi Völler meinte: "Es geht auf alle Fälle weiter bei Bayer Leverkusen. Ich denke, dass er der richtige Trainer ist, wir hoffen, es geht weiter mit Bruno". Den nennt das Boulevardblatt "Express" längst "Bruno den Problembär". Die Bilanz liest sich tatsächlich nicht berauschend. Platz neun, das zweite Mal in Folge einen internationalen Platz verpasst und nun das Pokalfinale verloren. Nach dem Spiel mussten sich zu interviewende Leverkusener sogar von den TV-Reportern Sticheleien gefallen lassen, die nach "Bayer Vizekusen" fragten, weil Bayer so oft nur Zweiter wurde und der große Wurf kaum einmal gelingen will.

Wie verloren stand Labbadia auf dem Rasen des Olympiastadions und suchte nicht gerade Augenkontakt zu seinen Spielern. Nicht weit, aber sichtbar weit weg, stand der Cheftrainer, die Hände in den Jackettaschen oder vor der Brust verschränkt und schaute dem Treiben zu. Er ging als Letzter zur "Siegerehrung" und ließ sich die Medaille umhängen. Die Kluft zwischen Team und Chef war nicht zu übersehen.

"Es war ruhig in der Kabine", berichtete Nationalspieler Simon Rolfes. "Das war zu wenig und es macht die neue Saison auch nicht leichter", sagte er. Was bedeuten könnte, mit der Last der Gegenwart gibt es keine Zukunft. Und: Es muss etwas passieren in Leverkusen. "Wir haben nicht genug Druck entwickelt, selbst nach dem 0:1 nicht", sagte Rolfes. Man hätte durchaus früher mehr Risiko gehen können. Damit meinte er die späten Wechsel, die Labbadia vornahm als er Stürmer Angelos Charisteas und Mittelefeldmann Toni Kroos erst fünf Minuten vor Schluss brachte als die Bremer längst in Feierlaune waren.

"Die Enttäuschung ist sehr groß"

"Ein Titel hätte dieser jungen Mannschaft, die geführt werden muss, so gut getan", sagte Labbadia und wirkte matt. "Die Enttäuschung ist sehr groß". Wenn es nicht ganz verloren gegangen ist, so hat das Vertrauen beider Seiten doch zumindest stark gelitten. Als Labbadia die Pressekonferenz überstanden hatte und dabei nur eine einzige Frage zu beantworten hatte, atmete er tief aus und sagte: "Perfekt". Es lang wie ein frustriertes `das war es Freunde`. Zu oft, hatte er im Interview mit der "SZ" gesagt, "verlangt man in Leverkusen, den Spielern Dinge zuzugestehen, damit sie sich wohl fühlen. Dabei muss man wissen, welche Folgen das nach sich ziehen kann". Eine davon wird wohl schon am kommenden Dienstag zu beobachten sein.

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