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DFB-Team: Klinsmann läutet neue Etappe der WM-Vorbereitung ein

Die Probe-Phase ist abgeschlossen. In den verbleibenden Testspielen bis zur endgültigen Nominierung des WM-Aufgebots will der Bundestrainer - wenn möglich - sein bestes Team aufbieten.

Fitnesstest, Foto-Shooting, Mannschaftsabend - Jürgen Klinsmann hat den Fußball-Nationalspielern bei der letzten längeren Zusammenkunft vor der WM-Nominierung ein voll gepacktes Programm verordnet. Nachdem am Dienstag in Hamburg der dritte große Fitnesstest in der Ära Klinsmann abgeschlossen wurde, stimmte am Abend im Mannschaftshotel der Extrem-Kletterer Stefan Glowacz mit einem Vortrag "Wie plant man eine schwierige Expedition?" den gesamten DFB-Tross auf die Höchstbelastung Weltmeisterschaft ein. "Wenn ich damit drei oder vier erreiche, bewirkt es schon etwas", sagte Teammanager Oliver Bierhoff zu der neuen ungewöhnlichen Maßnahme vor den Testspielen in der Türkei und gegen China.

An der zweitägigen Fitness-Überprüfung, die am Montagabend unter der Leitung der US-Experten begonnen hatte, konnte Lukas Podolski nur eingeschränkt teilnehmen. "Wir wollten einfach kein Risiko eingehen", begründete der Bundestrainer die Schonung des Kölners. Wegen muskulärer Probleme setzte der 20-Jährige bei den Sprinttests aus, nahm aber am Ausdauerlauf teil. Oliver Kahn konnte trotz seiner Knieprellung alle Leistungsüberprüfungen mitmachen. "Es gibt kein Problem", sagte Klinsmann und gab damit grünes Licht für Kahns Einsatz am Samstag gegen die Türkei (20.00 Uhr/ZDF).

Fitnesstest mit reduziertem Kader

Der 36-Jährige steht sogar vor seinem Comeback als Kapitän, da Michael Ballack wegen einer Grippe in Istanbul nicht dabei sein kann und der Münchner Torhüter mit 81 Länderspielen die Einsatzliste des aktuellen 20-Mann-Kaders klar anführt. Konkurrent Jens Lehmann, der in einer anderen Gruppe als Kahn die Fitness-Kontrollen absolvierte, soll am Mittwoch wie geplant nach London zurückreisen. Dafür soll Miroslav Klose nach abgeklungener Grippe doch noch zum DFB-Team stoßen. "Es schaut sehr gut aus", berichtete Klinsmann. Er geht davon aus, dass Klose am Donnerstag mit in die Türkei fliegt und neben Podolski, Kuranyi und Neuville als Stürmer verfügbar ist.

In Istanbul will Klinsmann eine neue Etappe seiner WM-Vorbereitung einleiten. Acht Monate vor dem Turnier-Start hat er das Ende der Probier-Phase angekündigt. Zuletzt war der Bundestrainer von Experten wie Franz Beckenbauer für zu viele Experimente gescholten worden. In den nur noch fünf Testspielen bis zur Nominierung seines WM-Aufgebots im Mai 2006 will Klinsmann in der Regel seine beste Elf aufbieten. "Wir wollen schon versuchen, mit der Startformation und dem Kern einen gewissen Rhythmus aufzunehmen. Das heißt aber nicht, dass wir nicht auch gewisse Dinge probieren", erklärte Klinsmann beim Medientag der Mannschaftsführung im Hamburger "Literaturhauscafé".

Schon beim Fitnesstest hatte Klinsmann seinen Kader von zuletzt 35 auf nur noch 26 Spieler reduziert. "Die Trainer haben damit ein klares Zeichen gesetzt. Sie haben schon einen Stamm im Kopf", berichtete Teammanager Bierhoff. Christian Wörns, Andreas Hinkel, Klose und Ballack nahmen wegen gesundheitlicher Probleme nicht teil. US-Experte Mark Verstegen bescheinigte den deutschen Spielern deutliche Fortschritte in den Bereichen Koordination und Beweglichkeit: "Das Niveau hat sich angeglichen."

Erste Blutprobe um acht Uhr morgens

Gelassen reagierte die sportliche Führung auf den Einwurf von Schalke-Trainer Ralf Rangnick, der seinen stark beanspruchten Spielern Kevin Kuranyi oder Fabian Ernst lieber Ruhe verordnet hätte. Klinsmann hatte Rangnick angerufen und versichert, dass die individuellen Belastungen bei der Test-Auswertung durchaus berücksichtigt würden. "Kleine Hänger beziehen wir dann in unsere Auswertung ein. Aber wichtig ist die Kontinuität. Wir brauchen die Vergleichswerte", betonte der Bundestrainer. Im März 2006 müssen sich seine WM-Kandidaten einem vierten Leistungstest unterziehen. "Das sind objektive Werte, bei denen man nicht täuschen kann", unterstrich Bierhoff die Bedeutung der zweijährigen Testreihe.

Auch Internist Tim Meyer wollte von einer zu großen Belastung nichts wissen. "Man muss sich keine Sorgen machen, dass die Übungen übermäßig anstrengend sind", betonte der DFB-Arzt. Schon morgens um acht Uhr wurde den Spielern die erste Blutprobe entnommen. Es folgten fünf Sprints über je 30 Meter sowie am Nachmittag ein Ausdauertest von 15 Minuten. "Davon waren maximal fünf, sechs Minuten anstrengend", erklärte Meyer. Die Nationalspieler wissen die Tests zu schätzen. "Es gibt als Leistungssportler immer noch Dinge, die man verbessern kann. Mal sehen, wo ich nach meiner Verletzung noch Defizite habe", sagte Christoph Metzelder, der nach zweieinhalb Jahren erstmals wieder im Kreis der Nationalelf dabei ist.

DPA

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