DFB-Elf Lust auf mehr - doch Löw warnt

Die Fans schweben nach dem verheißungsvollen EM-Start der DFB-Elf schon wieder im Fußball-Himmel und selbst der "Kaiser" ist "begeistert". Doch trotz des souveränen Sieges gegen Polen mahnt Joachim Löw zur Bodenhaftung. Und auch die Spieler wollen nicht träumen, sondern sind mit den Gedanken bereits beim nächsten Gegner.

Der 2:0-Auftaktsieg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Polen hat landesweit Lust auf mehr gemacht - auf sehr viel mehr. Doch Joachim Löw ist bemüht, die Euphorie zu dämpfen. "Ich denke, wir sollten einfach 'down to earth' bleiben", mahnte der Bundestrainer trotz des verheißungsvollen EM-Starts. Nach der nächtlichen Rückkehr aus Klagenfurt scharte er das Team um den umjubelten Doppel-Torschützen Lukas Podolski noch einmal im Hotel "Giardino" um sich und schwor es auf einen langen Aufstieg auf Europas Fußball-Gipfel ein: "Eine EM ist ein Marathon. Es gibt noch einiges zu arbeiten und zu verbessern."

Die Stimmung im gesamten DFB-Tross war "gelöst" und "sehr freudig" nach dem ersten Endrundensieg seit dem letzten Titelgewinn 1996. "Dieses Team hat mehr Hunger auf einen Titel als das von '96", sagte Teammanager Oliver Bierhoff auf der täglichen Pressekonferenz am Montag. Die weiteren Vorrundenspiele gegen Kroatien und Österreich gelten bereits als Aufwärmphase für die Prüfungen in den K.o.-Runden.

"Jetzt müssen wir uns weiter steigern und noch besser werden. Das müssen wir auch, wenn wir später auf richtig gute, also noch bessere Mannschaften treffen", mahnte Torsten Frings. Der Mittelfeldspieler trug während des Spiels einen kurzen Disput mit Löw aus, als das deutsche Team etwas ins Wanken geriet. "Zwei Hitzköpfe rasseln schon mal zusammen", meinte Frings. Ein Zurücklehnen komme nicht in Frage, betonte Bierhoff: "Wir dürfen keinen Millimeter nachlassen. Wir haben noch gar nichts erreicht."

Beckenbauer: So müssen wir keinen fürchten

Immerhin gelang es der Mannschaft um Kapitän Michael Ballack in den 90 intensiv geführten Minuten im Wörthersee-Stadion gegen körperlich robuste Polen, die Menschen in der Heimat auf Anhieb auf den von Jürgen Klinsmann erhofften "geilen Sommer" einzustimmen. Bis zu 26 Millionen Zuschauer verfolgten die Live-Übertragung im ZDF. Selbst Deutschlands höchste Fußball-Instanz war "begeistert". In seiner "Bild"-Kolumne übermittelte "Kaiser" Franz Beckenbauer im Namen des Volkes: "In dieser Verfassung müssen wir keinen fürchten."

Die Meldungen von der Super-Einschaltquote und sogar ersten Autokorsos daheim löste in Ascona Freude und Erstaunen aus: "So weit sind wir noch nicht", warnte Bierhoff: "Wir sind erst einmal froh, dass wir den Fluch der zwölf sieglosen Jahre bei einer EM beseitigt haben." Ein erfreulicher Realismus erfasste auch die Spieler, die nach einem lockeren Training bis zum Abendessen Ausgang erhielten. "Wir müssen Schritt für Schritt gehen, wir dürfen nicht zu viel träumen", sagte Ballack. Auf Tauchstation ging erst einmal Mario Gomez, der über den DFB ausrichten ließ, dass er sich nicht zu Spekulationen über einen möglichen spektakulären Wechsel zum FC Bayern München äußern wolle.

Ballack sieht "noch Luft nach oben"

Im deutschen Kollektiv war am Sonntagabend allerdings der WM-Sommerheld Podolski der umjubelte Angreifer gewesen. Das Wagnis von Löw, den gelernten Stürmer über die linke Seite angreifen zu lassen, ging auf und wurde von Podolski mit seinen Länderspiel-Toren 26 und 27 gekrönt. "Poldi hat einen sehr guten Job gemacht. Großes Kompliment", lobte Ballack, der erstaunt war, wie engagiert Podolski auch in der Rückwärtsbewegung zu Werke ging.

"Die Option mit mir links hat gut geklappt", meinte Podolski, der beim Torjubel mit Rücksicht auf seine polnischen Wurzeln zurückhaltend auftrat. Von einer Dauerlösung mit dem "linken" Podolski mochte Löw nicht sprechen, der Bundestrainer freute sich vielmehr über den im Nationaltrikot wieder einmal auftrumpfenden Bayern-Profi. "Bei uns", so Löw, "war Lukas in den letzten zwei Jahren sowie bei der WM eigentlich immer ein Leistungsträger."

Schon am Donnerstag, wenn es gegen die stärker eingeschätzten Kroaten geht, könnte ein Team mit einem offensiven Podolski über links und der Doppelspitze Klose/Gomez ein zu großes Wagnis sein. Marcell Jansen stand hinten links häufig allein da. Auch Christoph Metzelder muss im Deckungszentrum noch nachweisen, dass er auch Top-Stürmer aufhalten kann. Immerhin stoppte das "zu Null" vorerst die Diskussionen über die in der Vorbereitung wackelnde Defensive um Torhüter Jens Lehmann. "Wir haben unsere Sache sehr gut gemacht, trotz aller Kritik im Vorfeld", meinte Metzelder und auch Abwehrkollege Per Mertesacker sah es so: "Wir haben den Polen wenig Möglichkeiten zur Entfaltung gegeben." Schon am Montag war endgültig ein Haken unter das Polen-Spiel gemacht. "Jeder Einzelne hat noch Luft nach oben", bemerkte Ballack. Ab sofort sei Kroatien das einzige Thema: "Da geht es vielleicht schon um den Gruppensieg."

DPA DPA

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