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EM 2008: Spanien folgt Deutschland ins Finale

Erstmals seit 24 Jahren stehen sie wieder in einem Endspiel: Spanien gewann mit traumhaftem Kombinationsfußball völlig verdient gegen Russland und trifft im EM-Finale auf Deutschland. Trotz des Ausfalls ihres Torjägers ließen die Iberer den Russen keine Chance. Bei denen war von Tempofußball nichts zu sehen.

Espana ole! Spanien hat erstmals seit 24 Jahren das Endspiel einer Fußball-Europameisterschaft erreicht und fordert am Sonntag in Wien die deutsche Elf zum Kampf um die kontinentale Krone. Die Iberer gewannen das Halbfinal-Duell gegen Russland mit 3:0 (0:0) und zogen mit spielerischer Eleganz und Leichtigkeit zum insgesamt dritten Mal in ein EM-Finale ein. Xavi mit dem 500. Tor bei einer EM-Endrunde (52.), der eingewechselte David Güiza (73.) und David Silva (82.) schossen das Team von Luis Aragones vor 51.428 Zuschauern im ausverkauften Wiener Ernst-Happel-Stadion zu einem auch in dieser Höhe verdienten Erfolg. Während der nach der EM aus dem Amt scheidenden Coach vier Wochen vor seinem 70. Geburtstag auf die Krönung seiner Laufbahn als Nationaltrainer hoffen darf, blieb seinem Kollegen Guus Hiddink auch mit der russischen Mannschaft der Einzug in ein großes Endspiel verwehrt.

Trotz des wolkenbruchartigen Regens bei Blitz und Donner entwickelte sich eine ansehnliche Partie, in der die nach der Pause groß auftrumpfenden Spanier ihre Erfolgsserie auf 21 Spiele ohne Niederlage ausbauten. Dabei musste die Mannschaft im Beisein von Kronprinz Felipe und seiner Ehefrau Letizia mit der Verletzung von David Villa nach gut einer halben Stunde einen herben Rückschlag verkraften. Der vierfache Turnier-Torschütze verletzte sich ohne Einwirkung eines Gegenspielers und wurde durch Cesc Fabregas ersetzt.

Großer Kräfteverschleiß

Coach Hiddink hatte zwar die richtigen Lehren aus der 1:4-Pleite gegen Spanien zum Turnierstart gezogen und seine Mannschaft gut auf den Gegner eingestellt, doch die erhoffte Revanche blieb aus. In der zweiten Halbzeit wurde der Kräfteverschleiß bei den Russen deutlich, die die gelb-gesperrten Denis Kolodin und Dmitri Torbinski hatten ersetzen müssen. Da Spielmacher Andrej Arschawin nicht wie erhofft Regie führte, konnte die "Sbornaja" in keiner Phase an die Gala beim 3:1 gegen die Niederlande anknüpfen. Arschawin stand klar im Schatten von Sturmpartner Roman Pawljutschenko, der stets anspielbar war und für die meiste Gefahr vor dem Gehäuse von Iker Casillas sorgte. Eine solide Leistung bot bis zu seiner Auswechslung nach knapp einer Stunde Ivan Saenko von Bundesliga-Absteiger 1. FC Nürnberg.

Im ersten EM-Spiel in den ungeliebten gelben Auswärtstrikots knüpften die Spanier da an, wo sie vor 16 Tagen beim 4:1 in Innsbruck aufgehört hatten und hatte gegen Hiddinks Elf die besseren Offensivaktionen. Gegen eine noch unsortierte russische Abwehr bot sich Fernando Torres (6.) die erste Chance, doch Igor Akinfejew parierte den Drehschuss per Fußabwehr. Fünf Minuten später nahm Villa aus gut 20 Metern Maß, aber Russlands Keeper war erneut auf dem Posten. Abgesehen von einem wuchtigen Freistoß von Pawljutschenko, der knapp über die Latte strich (16.), hatte die "Sbornaja" zunächst wenig entgegenzusetzen.

Führungstreffer setzt Kräfte frei

Doch bei stärker werdendem Regen verlor das «Tiqui-Taca»-Spiel der Iberer an Wirkung, während die meist mit langen Bällen in die Spitze operierenden Russen besser in die Partie kamen. Der bei der EM schon drei Mal erfolgreiche Pawljutschenko verfehlte in der 31. Minute mit einem Schuss von der Strafraumgrenze das Gehäuse von Casillas um Zentimeter. Dann setzte sich erneut Pawljutschenko im Strafraum gegen zwei Widersacher durch, wurde aber im letzten Moment am Torschuss gehindert (35.).

Doch die Spanier steckten den Schock durch Villas Ausfall gut weg und kamen wieder in die Partie zurück. Sieben Minuten nach Wiederbeginn setzte sich Andres Iniesta auf der rechten Strafraumseite energisch gegen Alexander Anjukow und Saenko durch und spielte in die Mitte auf Xavi, der den Ball mit der Fußspitze über die Linie drückte. Der Treffer ließ die Iberer noch befreiter aufspielen. Unterstützt von einer Blaskapelle auf der Tribüne drängten sie ihren angeschlagenen Gegner zurück und sorgten mit dem zweiten Tor durch Güiza nach Vorarbeit von Fabregas bereits für die Entscheidung. Der starke Silva setzte dann den Schlusspunkt.

Ulli Brünger und Elmar Dreher/DPA / DPA

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