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EM 2012: Italiens Gianluigi Buffon im Visier der Wettskandal-Ermittler

Ein unüberlegtes Statement und heftige Kritik an der Staatsanwaltschaft haben jetzt auch Gianluigi Buffon ins Visier der italienischen Ermittler im Wettskandal rücken lassen. Die Staatsanwaltschaft nimmt verdächtige Bewegungen von 1,6 Millionen Euro auf dem Konto des Nationaltorhüters unter die Lupe. Der Anwalt spricht von einem "Hinterhalt".

Es bebt und brodelt heftig in Italien. Erdbeben erschüttern das Land und der kürzlich aufgedeckte erneute Wettskandal schlägt immer größere Wellen und behindert die Vorbereitung der Squadra Azzurra auf die EM in Polen und der Ukraine erheblich. Linksverteidiger Domenico Criscito war bereits vor einigen Tagen von der Polizei aus dem Trainingslager in Coverciano abgeführt worden, über Innenverteidiger Leonardo Bonucci schwebt weiter der latente Verdacht einer Mittäterschaft.

Ausgerechnet vor dem wichtigen - weil letzten und einzigen - EM-Testspiel Italiens gegen Russland in Zürich ist nun auch Nationaltorhüter Gianluigi Buffon ins Visier der Ermittler gerückt. Die ermittelnde Staatsanwaltschaft in Cremona wurde über angeblich verdächtige Bewegungen auf einem der Konten Buffons unterrichtet. Von dort seien zwischen Januar und September 2010 insgesamt 14 Zahlungen zwischen 50.000 und 200.000 Euro an den Inhaber eines Tabakladens in Parma geflossen, insgesamt 1.585.000 Euro.

Buffon: Alte Wettleidenschaft wieder aufgeflammt?

Da Massimo Alfieri, so der Name des Tabacchi-Betreibers, nicht nur Rauchwaren, Schreibbedarf und Zeitschriften verkaufe, sondern gleichzeitig auch Annahmestelle für Lotto, Toto und Wetten ist, vermutet die Finanzpolizei offenbar eine Verstrickung Buffons in Wettgeschäfte. Zumal Buffon im Zuge des Skandals von 2006 eingeräumt hatte, zeitweilig selbst gewettet zu haben, wenn auch nur im gesetzlich erlaubten Rahmen.

"Ich war über diese Wetten nicht stolz. Dieser Skandal hat mich schwer belastet. Meine Loyalität und meine Sportlichkeit sind stark angegriffen worden. Ich habe den Staatsanwälten klar gemacht, dass ich nichts mit illegalen Wetten zu tun hatte. Ich habe bis zu 3000 Euro in diese Wetten investiert und nichts zurückgewonnen", wurde Buffon damals von n-tv.de zitiert. Mittlerweile verbietet der italienische Fußball-Verband Spielern jegliche Wettbeteiligung.

Ein Zitat Buffon hatte die Ermittler aber vor wenigen Tagen hellhörig werden lassen, als der Torhüter angesprochen auf die angebliche Ergebnisabsprache beim 2:2 zwischen Siena und Novara vor einem Jahr in der Serie B gesagt haben soll: "Wenn zwei Mannschaften Unentschieden spielen wollen, ist das ihre Sache." Damit habe Buffon allerdings keine Ergebnisabsprache rechtfertigen wollen, sondern lediglich darauf hingewiesen, dass es Situationen gäbe, in denen beide Teams mit einem Remis zufrieden wären.

Anwalt weist Buffon-Verstrickung in Wettgeschäfte zurück

Eine Verstrickung Buffons in illegale Geschäfte weist sein Anwalt Marco Valerio Corini daher auch weit von sich. "Weil der Spieler und der Geschäftsmann geschäftliche Transaktionen durchgeführt haben, muss man gleich zu dem Schluss kommen, dass es sich um Wettgeschäfte handelt? Das ist doch eine ganz arme Argumentation", kritisierte er die Verdächtigungen gegen seinen Mandanten laut irispress.it.

"Beide kennen sich bereits seit Gianluigis Zeit in Parma. Warum soll ihre Freundschaft nicht auch zur Zusammenarbeit in Geschäftsfeldern führen, zum Beispiel beim Immobilienkauf. Warum muss man automatisch gleich von Wettgeschäften ausgehen?", fragte der Anwalt, ohne – unter Hinweis auf die zu schützende Privatssphäre seines Mandanten – allerdings Beweise für die Geschäftsbeziehungen seines Mandanten mit Alfieri vorweisen zu können.

"Wir müssen klar unterstreichen, dass es die von der Guarda di Finanza verbreitete Information zeigt, dass das Kreditunternehmen vermutet, dass diese Transaktionen für verbotene Wetten genutzt wurden. Wir sprechen also über eine Hypothese der Bank, aber nicht über Ergebnisse einer Untersuchung durch die Guarda di Finanza", so Corini laut agi.it.

Racheaktion der Medien und ermittelnden Behörden?

"Buffon fühlt sich in einen Hinterhalt gelockt, weil er klar seine Meinung geäußert hatte", so der Anwalt weiter. Er vermutet eine Retourkutsche von Behörden und Medien. Keine zwei Tage vor den aufgekommenen Anschuldigungen hatte Buffon auf der täglichen Pressekonferenz der italienischen Nationalmannschaft nämlich klar Stellung bezogen und sich äußerst irritiert von der engen Zusammenarbeit zwischen der Staatsanwaltschaft und Journalisten gezeigt.

"Ihr wisst bereits drei bis vier Monate vor einer Razzia genau Bescheid, kennt nur zehn Minuten nach Verhören den genauen Inhalt der Befragungen. Am Montag wurden die TV-Kameras schon um sechs Uhr aufgebaut, um die Razzia einzufangen. Das ist die eigentliche Schande. Die Beschuldigten erfahren von alledem immer als Letzte", hatte Buffon geschimpft.

Buffon: Verhör erst nach der EM

Trotzdem braucht Buffon derzeit keine Konsequenzen zu befürchten. "Ich werde ihn nicht einbestellen", verkündete Cremonas Staatsanwalt Roberto Di Martino. Schließlich sei er selbst glühender Verehrer seines Nationalteams und ein Verhör des Stammtorhüter des Squadra Azzurra würde so kurz vor Europameisterschaft natürlich "Italiens EM-Vorbereitung stören".

Die wurde allerdings durch die verheerenden Erdbeben und die allgegenwärtigen Verdächtigungen ohnehin schon extrem durcheinander gewirbelt und das EM-Konzept von Trainer Cesare Prandelli erheblich beschädigt. Und die Gerüchteküche darf weiter kräftig brodeln.

Malte Asmus 

sportal.de / sportal

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