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Testspiel-Niederlage gegen die Schweiz: Löw und die drei Fragezeichen

Die deutliche Niederlage gegen die Schweiz hat gezeigt, dass beim DFB-Team zwei Wochen vor dem EM-Start noch lange nicht alles rund läuft. Joachim Löw steht vor drei zentralen Problemen.

Von Felix Haas

Per Mertesacker und Mats Hummels stehen unten auf dem Rasen des St. Jacob Parks und diskutieren. Die beiden langen Verteidiger gestikulieren, deuten nach rechts, dann wieder nach links. Sie sind sichtlich unzufrieden. Diese Szene kurz vor Beginn der zweiten Halbzeit hat Symbolcharakter. Denn trotz aller Versuche, sich abzustimmen, aufeinander einzugehen, wollte es der DFB-Elf an diesem sommerlichen Vorabend in Basel einfach nicht gelingen, Ordnung ins Spiel zu bringen. Das Resultat ist ein enttäuschendes 3:5 gegen die Schweiz.

Zwei Wochen vor dem Start der Europameisterschaft ergeben sich nun mehr Fragen und Probleme als Bundestrainer Joachim Löw lieb sind. Drei zentrale Fragen kristallisieren sich für Löw heraus.

Katastrophale Abwehrleistung

Die erste ist die Frage nach der Abwehrbesetzung. Denn gegen engagierte Schweizer ließ in der Sommerhitze vor allem die Abstimmung in der Defensive zu wünschen übrig. Bei den ersten Gegentreffer durch Derdiyok schaltete die Abwehr nach leichtfertigen Ballverlusten viel zu langsam in den Rückwärtsgang. Höwedes stand zu weit vom flankenden Barnetta weg. In der Mitte grätschte oder segelte Per Mertesacker am Ball vorbei. Am Ende waren es gar fünf Gegentore – das gab es zuletzt 2004 unter Rudi Völler.

Vor allem Mertesacker war anzusehen, dass er nach seiner langen Verletzungspause noch weit von seiner Bestform entfernt ist. "Es war ein wertvoller Test. Man hat gesehen, dass noch nicht alles läuft. Aber wir haben noch etwas Zeit. Jetzt müssen wir sehen, dass wir es in 14 Tagen besser machen", sagte der Hühne von Arsenal London nach dem Spiel. Doch ob sich die Fehler so schnell abstellen lassen?

Was wird aus den lange verletzten Spielern?

Die zweite zentrale Frage ist, ob die angeschlagenen Spieler rechtzeitig fit werden, um der Mannschaft bei der EM weiterhelfen zu können. Sorgen machen neben Mertesacker auch Mario Götze und Miroslav Klose. Beide liefen ihren eigenen Erwartungen meilenweit hinterher. Kapitän Klose schob es aufs harte Training: "Wir sollten jetzt nicht nach Ausreden suchen. Es war aber klar, dass die Beine noch schwer waren. Wir haben es nicht geschafft, die Schweizer unter Druck zu setzen, und dann ist das auch für die Abwehr schwer."

Joachim Löw deutete dagegen nach dem Spiel an, dass er hartes Training alleine nicht als Ausreden gelten lässt. "Über das Ergebnis kann man sich nicht freuen. Nach den sehr intensiven Einheiten wusste ich schon, dass die Frische fehlt. In diesem Spiel ist so viel passiert, das muss ich jetzt erst mal aufarbeiten", sagte er.

Die System-Frage

Die dritte Frage ist die System-Frage. Denn auch Löw hatte seinen Anteil an der Niederlage. Er ließ seine Elf gegen die Schweiz mit einem 4-1-4-1-System beginnen. Wie gegen Frankreich scheiterte das Experiment. Die Räume zwischen den Reihen waren zu groß, die Abstimmung beim Umschalten schlicht nicht vorhanden. Auch die Laufwege in der Vorwärtsbewegung stimmten selten. Löw sollte – bei aller Liebe zur Flexibilität – eingesehen haben, dass an einem 4-2-3-1 bei der EM kein Weg vorbei führt.

Bayern fehlen an allen Ecken und Enden

Am Ende des Abends bleiben neben den drei Fragezeichen aber auch zwei Erkenntnisse. Die Offensichtlichste: Ohne die zuletzt viel gescholtetenen Spieler des FC Bayern ist die Nationalmannschaft nur die Hälfte wert. Lahm, Schweinsteiger und Co. fehlten der Löw-Elf an allen Ecken und Enden. Die zweite Erkenntnis: Die Zeit des Testens geht dem Ende entgegen. Schon am Donnerstag gegen Israel dürfte Löw seine stärkste Elf aufbieten - inklusive der Bayern. Und ab dann darf es keine Fragen sondern nur noch Antworten geben.

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