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EM-Finale: Dimitri Payet - der Franzose, der froh über Portugals Sieg sein muss

Vor der EM war er fast nur den Premier-League-Fans bekannt, dann schien er zum Shooting Star zu werden. Am Ende muss Frankreichs Mittelfeldstar Dimitri Payet froh sein, dass sein Foul an Cristiano Ronaldo nicht spielentscheidend war.

Cristiano Ronaldo sinkt auf den Boden. Rechts Dimitri Payet, der in gefoult hat. Links kommt Evra an den Ball

Kurz nach der entscheidenden Szene: Cristiano Ronaldo sinkt mit schmerzverzerrtem Gesicht auf den Boden, nachdem ihn Dimitri Payet (re.) hart gecheckt hat. Evra sichert sich den Ball und spielt weiter. Ronaldo kann nicht weiterspielen.

Bei den Fans von West Ham United ist er unangefochten der Liebling. Auf Dimitri Payet, den auf La Réunion geborenen Regisseur der "Hammers", haben die Fans des Premier-League-Clubs aus dem Osten Londons ein Lied gedichtet - ein Zeichen ganz besonderer Anerkennung, jeder Profi darf sich darauf getrost etwas einbilden. Auf Payet trifft dies ganz besonders zu. "Er ist besser als Zidane", singen die Fans aus dem Upton Park immer wieder. Höher können die Weihen für einen französischen Spieler kaum sein.

Kein Wunder also, dass der schnelle Mittelfeldstar auch in Frankreichs Nationalelf gleich herausstach, als die Equipe Tricolore Anfang Juni das Unternehmen Europameistertitel in Angriff nahm. Als er mit einem fulminanten Weitschuss den Auftaktsieg gegen Rumänien gesichert hatte, verdrückte Payet sogar ein paar Tränen.


Schwere Hypothek für Karriere von Dimitri Payet

Gefühlt ist das allerdings schon Jahre her. Seine rund 60 Minuten im EM-Finale am Sonntag absolvierte Payet mit versteinerter Mine. Dann nahm ihn Didier Deschamps vom Feld. Eine weise Entscheidung - nicht nur, weil der 29-Jährige wohl sein schlechtestes Spiel im Turnier spielte. Frankreichs Nationalcoach trug damit auch dazu bei, die Karriere seines Mittelfeldmanns zu retten. Payet war es, der in der 8. Minute des Endspiels mit seinem überharten Einsatz Portugals Superstar Cristiano Ronaldo spielunfähig gefoult hatte. Hätten "Les Bleus" - wie erwartet - den Titel geholt, wäre Payet für immer der Mann gewesen, der Ronaldo "aus dem EM-Finale getreten" hat. Nicht gerade eine Bewerbung für einen Spitzenfußballer auf dem Sprung zu den großen Clubs des Weltfußballs.


Und ganz offensichtlich auch eine schwere Hypothek für Payet selbst. Das schlechte Gewissen plagte ihn offenbar schon während des Finales derart, dass er kaum Wirkung entfalten konnte. Er spielte, als hätte er bereits den Shitstorm mitbekommen, der in den sozialen Medien kurz nach seinen Einsteigen gegen Ronaldo aufkam. Dort wurde dem Franzosen unverhohlen Absicht unterstellt - und viele Sympathien schwenkten um Richtung Portugal und CR7:


Auch Ronaldos Mutter, Dolores Aveiro, rügte den Franzosen: "Im Spiel geht es darum, gegen den Ball zu treten - und nicht darum, seinem Gegner Schaden zuzufügen."


Payet schweigt bisher

Payet selbst hat sich bisher noch nicht zu seinem brutalen Tackling gegen Ronaldo geäußert. Die letzten Posts auf seinen Social-Media-Accounts stammen vom Halbfinaltag. Unterstützung von seinen Fans blieb am Sonntag weitgehend aus, was in einigen Reaktionen auf das Foul hämisch registriert wurde. Und in einigen Posts wurde gemutmaßt, dass ein denkbarer Wechsel zu Cristiano Ronaldos Verein Real Madrid, West Ham ist angeblich bei einem Angebot ab 53 Millionen Euro verhandlungsbereit, nun auch vom Tisch sei.

Doch Payet kann sich glücklich schätzen. Denn über all das wird nun langsam Gras wachsen. Der jetzt noch an ihm haftende Makel wird in Vergessenheit geraten, irgendwann eine blasse Erinnerung sein. Denn Portugal hat das Finale gewonnen, der Ausfall von Cristiano Ronaldo gibt der Geschichte dieses Spiels die Würze - vor allem, weil sie ein Happy End hat. Sogar für den Bösewicht. Dimitri Payet muss insgeheim froh sein, dass Portugal Europameister geworden ist. Es wird seine Karriere retten.

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