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EM-Vorrundenfinale: Irland schafft kleine Sensation - und zieht ins Achtelfinale ein

Mit einem späten Tor gegen eine italienische B-Elf haben die Iren sich als letztes Team ins Achtelfinale der EM 2016 geschossen. Belgien holt nach dem Fehlstart gegen Italien den zweiten Sieg in Folge.

Robbie Brady (vorne) feiert mit James McClean gegen Italien bei der EM 2016

Irischer Jubel bei der EM 2016: Robbie Brady (vorne) feiert mit James McClean über den Siegtreffer gegen Italien

Robbie Brady hat Irland erstmals in die K.o.-Runde einer Fußball-EM geschossen und Italien vor dem Achtelfinal-Klassiker gegen Spanien die Laune verdorben. Die Boys in Green siegten am Mittwoch vor 44 268 Zuschauern in Lille dank einer mutigen Leistung 1:0 (0:0) gegen Italiens B-Elf und zogen damit in die nächste Runde ein. Brady traf in der 85. Minute zum zweiten irischen Pflichtspielsieg gegen die Azzurri nach 22 Jahren. Irland trifft am Sonntag (15.00 Uhr) auf Gastgeber Frankreich. Italien hingegen geht mit einem Negativ-Erlebnis in die Neuauflage des Finals von 2012 gegen Spanien und muss sich am Montag gegen den Titelverteidiger deutlich steigern.

Bei geschlossenem Stadiondach und schwülen Bedingungen im Stade Pierre Mauroy von Lille war Italiens Fußballern die fehlende sportliche Brisanz anzumerken: Der EM-Finalist von 2012 stand nach Siegen gegen Belgien und Schweden schon vor der Partie sicher als Gruppenerster fest. Der eingewechselte Lorenzo Insigne vergab in der 77. Minute mit seinem Pfostentreffer die beste italienische Chance des Spiels, wenig später traf der 24-Jährige von Norwich City und versetzte die etwa 25 000 irischen Fans in Ekstase.

EM 2016: Gruppensieger Italien ohne acht Stammspieler

Gleich auf acht Positionen veränderte Trainer Antonio Conte sein Team. Lediglich Andrea Barzagli, Leonardo Bonucci und Alessandro Florenzi standen erneut in der Startelf. Irlands Coach Martin O'Neill verändert sein Team im Vergleich zum 0:3 gegen Belgien auf vier Positionen. Neu dabei sind die Innenverteidiger Richard Keogh und Shane Duffy, Mittelfeldspieler James McClean und Stürmer Daryl Murphy.

Irland bemühte sich von Beginn an, Jeff Hendricks Schuss aus gut 20 Metern ging knapp am linken Pfosten vorbei (9.). Dem Team von der Insel fehlte oft der letzte Pass. Nach einer Ecke lenkte Italiens Schlussmann Salvatore Sirigu Murphys Kopfball über die Latte (21.).

Von Italien kam in der Offensive gewohnt wenig, das nicht eingespielte Team verlegte sich auf die Defensive. Irland hatte zwar mehr Ballbesitz, fand aber kein passendes Mittel um Torgefahr zu entwickeln. Sirigu, der Gianluigi Buffon im Tor vertrat, unterlief nach einer guten halben Stunde eine Flanke und sah weniger später nach einer kleinen Auseinandersetzung Gelb.

Erst kurz vor dem Pfiff wurde die Partie interessanter: Nach 43 Minuten hatte Italien seine erste Torchance: Der ehemalige Dortmunder Ciro Immobile setzte seinen Schuss nach irischem Querschläger links neben das Tor. Auf der Gegenseite versagte Schiedsrichter Ovidiu Hategan (Rumänien) Irland einen möglichen Strafstoß, als Federico Bernardeschi McLean zu Fall brachte.

Zu Beginn der zweiten Hälfte nahm das Spiel dann Fahrt auf: Simone Zazas Volleyschuss ging knapp über die Latte. Auf der Gegenseite hätte Seamus Coleman beinahe den Aussetzer von Thiago Motta zur irischen Führung genutzt, doch Angelo Ogbonna ging gerade noch rechtzeitig dazwischen. Danach verflachet die Partie wieder. Sirigu zeigte weitere Unsicherheiten bei irischen Hereingaben, das blieb aber folgenlos. Immobile musste für Insigne weichen, der Angreifer vom SCC Neapel führte sich mit seinem Pfostenschuss gleich gut ein. Dann aber traf Brady per Kopf. Der Rest des Spiels war nur noch irische Gesänge auf den Tribünen und nach dem Schlusspfiff Jubel auf dem Feld. 

Schweden und Zlatan Ibrahimovic: Vorrunden-Aus

Derweil haben sich die Schweden nach dem dritten Spiel ohne Sieg und ohne Tor ihres traurigen Superstars frühzeitig von der EM verabschiedet - und Zlatan Ibrahimovic endgültig aus der Nationalmannschaft. Nach dem 0:1 (0:0) gegen Belgien am Mittwoch vor 34 011 Zuschauern in Nizza ist die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich für die Skandinavier schon nach der Vorrunde beendet. Den Siegtreffer für die Belgier erzielte Radja Nainggolan in der 84.
Minute. Damit trifft das Team als Gruppenzweiter mit sechs Punkten am Sonntag in Toulouse auf Ungarn.

Das 116. Länderspiel war auch das letzte von Ibrahimovic.
Der 34-Jährige hatte seinen Abschied nach der EM angekündigt. Dass es nun nach drei insgesamt enttäuschenden Auftritten schon nach dem dritten Gruppenspiel so weit war, sorgte für deprimierte Gesichter bei der Mannschaft und den bis zum Ende lautstark anfeuernden Fans.

Schwedens Superstar hatte in seinem letzten Länderspiel einen neuen Sturmpartner. Anstelle von John Guidetti bekam der ehemalige Hamburger Marcus Berg wieder eine Chance und hatte in der zu Beginn flotten Partie auch die erste große Torchance, doch seinen Schuss im Fallen konnte Belgiens Keeper Thibaut Courtois parieren. Die Schweden mussten in der Offensive zulegen, denn nur mit einem Sieg wäre der Einzug in die nächste Runde perfekt gewesen.

Die spielstarken Belgier, die als eine Art Geheimfavorit ins Turnier gingen, setzten im ersten Pflichtspiel der beiden Teams seit der EM 2000 auf ihre zuletzt gegen Irland deutlich erfolgreiche Formation - lediglich Nainggolan ersetzte den angeschlagenen Moussa Dembelé im defensiven Mittelfeld.

Wilmots' Truppe von Anfang an überlegen

Die Mannschaft von Trainer Marc Wilmots kontrollierte die Partie aus einer sicheren Defensive mit flüssigem Kombinationsspiel im Mittelfeld. Tormöglichkeiten ergaben sich vor allem aus der Distanz bei Schüssen von Axel Witsel (3.) und Kevin De Bruyne (25.), doch damit war Andreas Isaksson ebenso wenig zu bezwingen wie zuvor bei Romelu Lukakus Schuss aus halblinker Position.

Ibrahimovic, der zwischendurch von den schwedischen Fans mit Sprechchören gefeiert wurde, trat zum ersten Mal in der 26. Minute in Erscheinung, doch sein Schuss aus 18 Metern verfehlte das Tor nur knapp wie auch in der 86. Minute. Wie in den Spielen zuvor bei der EM hatte der Torjäger von Paris St. Germain wenig Aktionen, wurde kaum in Szene gesetzt und konnte auch mit seinem neuen Sturmpartner nicht wirklich für Gefahr im Strafraum der Belgier sorgen - die ja zudem in Courtois auch noch einen starken Schlussmann hinter ihrer Defensivreihe hatten.

Eine gute Leistung bot Schiedsrichter Felix Brych in seinem zweiten Vorrundenspiel bei dem Turnier. Der 40-Jährige aus München hatte die Partie gut im Griff, musste vier Gelbe Karte ziehen und absolvierte die 90 Minuten souverän. Einem Treffer von Ibrahimovic in der 63.
Minute verweigerte der Unparteiische zurecht die Anerkennung wie auch danach dem Treffer der Belgier durch Lukaku. Der Angreifer vom FC Everton stand im Abseits. Besser machte es Nainggolan, der in der 84. Minute den Siegtreffer erzielte. 

tim
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