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stern-Gespräch

Thomas Müller: "Fußballprofi war nie mein Traum"

Das ist nur eines von vielen erstaunlichen Bekenntnissen des Thomas Müller. Mit dem stern sprach er außerdem über seine neue Rolle in der Nationalelf, den Erfolgsdruck bei der EM und den Umgang mit der Terrorgefahr.

Thomas Müller mit angeklebten Schnauzbart

Immer für einen Spaß gut: Thomas Müller, der mit 26 fast alle Titel gewonnen hat, die es im Fußball zu gewinnen gibt. Es fehlt nur der EM-Titel.

Dieses Interview erschien zuerst im stern, Heft Nr. 24, am 9. Juni

Herr Müller, Sie sind dieser Tage omnipräsent in der Werbung. Und auch der Bundestrainer hat Ihre Rolle in der Elf zuletzt mächtig aufgewertet. Sie sind jetzt ein sogenannter Führungsspieler. Was heißt das eigentlich?

Ich zähle jetzt auch zu denen, die dafür sorgen müssen, dass sich hier ein Drive in eine Richtung entwickelt. Und ich zähle jetzt ja auch zum Kreis derjenigen, denen man einen Misserfolg ankreiden würde.

Was tun Sie konkret?

Grundsätzlich gehe ich auf die jungen Spieler zu. Man muss die Spielertypen auch außerhalb des Platzes in das Seelenleben der Mannschaft integrieren.

Sie gehen also von Tisch zu Tisch und bitten die jungen Hüpfer zu Einzelgesprächen auf Ihr Zimmer?

Ein bisschen beiläufiger, bitte. Ein Schnack hier, ein Schnack da, das ist eher mein Stil. Viel findet bei den Mahlzeiten statt. Man sitzt einfach zusammen und unterhält sich, wie in einer normalen Firma beim Mittagessen in der Kantine. Natürlich gibt es Grüppchen, wie in jeder Mannschaft. Aber am Billardtisch, nach dem Abendessen, spielen die Jungen wie Weigl oder Kimmich mit den Etablierten. Es soll keiner das Gefühl haben, er wäre nicht willkommen. Jeder muss sich in der Gruppe wohlfühlen, nur dann funktioniert er. Wir erzwingen die Integration aber nicht, von wegen Reise nach Jerusalem.

Noch bei der EM 2008 wurde auch im Kader mit härteren Bandagen zwischen Jung und Alt gekämpft.

Früher hieß es ja noch: Auf der Massagebank hat ein junger Spieler nix verloren. Alles war verbissener. Das ist heute hinfällig. So ist zumindest mein Eindruck.

Haben Sie das noch erlebt?

Nein. Bei mir ging es darum, Leistung auf dem Platz zu zeigen. Deshalb war das mit der Massage auch kein Problem.

Der Auftaktgegner Ukraine am Sonntag zählt zu den grauen Mäusen des Fußballs. Das schärft nicht die Sinne. Da ist der Führungsspieler Müller gleich gefordert.

Definitiv. Wir müssen aufpassen, dass wir mit der gleichen Ernsthaftigkeit wie vor zwei Jahren gegen Portugal ins Turnier gehen. Das ist wichtig, um nicht im zweiten Spiel gleich unter Druck zu sein. Das kann ganz schnell gehen.

Haben Sie denn die Charaktere für einen weiteren großen Wurf nach dem WM-Sieg beisammen?

Extrovertiert, introvertiert, laut, leise, das ist im Endeffekt ja egal. Wir müssen als Mannschaft auf dem Platz funktionieren. Die Elf muss mit einer klaren Idee agieren, darf nicht offensiv und defensiv in zwei Teile zerfallen. Ich bin da sehr zuversichtlich.

Hat der WM-Sieg dem eigenen Selbstverständnis noch mal eine andere Tiefe gegeben?

Man weiß, wie das funktioniert: gewinnen. Aber das alles bitte nicht zu hoch hängen: Ich glaube nicht, dass es dem Messi an Selbstüberzeugung gefehlt hat, als er im WM-Finale den Ball neben den langen Pfosten gesetzt hat.

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Aber so ein Triumph stärkt doch das Selbstvertrauen massiv. Wenn man zu oft scheitert, kann man doch irgendwann im entscheidenden Moment denken: Vielleicht soll es für mich nicht sein.

Generell bin ich nicht der Typ, der schnell zweifelt: Wenn ich viermal nicht gewonnen habe, wird schließlich die statistische Wahrscheinlichkeit größer, dass es klappt.

Das Gerüst der Elf ist seit der WM das gleiche geblieben, das sollte das Zusammenwachsen vereinfachen, man kennt sich.

Wir haben uns als Mannschaft sehr wohl verändert, es sind ja einige junge Spieler wie Leroy Sané, Joshua Kimmich oder Julian Weigl dazugekommen. Die Frage ist, ob wir Etablierten es schaffen, die Jungen so zu integrieren, zu stimulieren, dass sie für uns auch Waffen sein können.

Waffen?

Waffen heißt, dass die Jungen in manchen Momenten Entscheidendes für die ganze Mannschaft tun können. Und auch für den Gegner Unerwartetes. Dass sie dem Gegner Schmerzen bereiten.

Müller, Khedira, Schweinsteiger, Hummels, Boateng, Neuer, Özil, Höwedes ...

... wir haben nur noch 14 Weltmeister im Kader ...

... davon sind aber, mit Ihnen, gefühlt neun in der ersten Elf gesetzt.

Wir sind doch aus dem Zeitalter raus, dass elf Spieler eine Mannschaft sind. Unterschiedliche Gegner erfordern unterschiedliche Aufstellungen. Der Rücktritt von Per Mertesacker, Miroslav Klose und Philipp Lahm kommt einer Stabübergabe gleich. Es ist jetzt die Frage, ob wir als nächste Generation die Elf so zu gestalten wissen, dass sie titelfähig ist.

Thomas Müller und Joachim Löw

Bundestrainer Joachim Löw hat großes Vertrauen zu Thomas Müller. Er schätzt dessen Motivation, Ungezwungenheit und Stressresistenz. Müller debütierte in der Nationalelf im März 2010 beim 0 : 1 in München gegen Argentinien.


Fühlt sich das Leben als Weltmeister außerhalb des Feldes anders an?

Eigentlich nicht. Ich lebe immer für den nächsten Tag, nicht für den letzten.

Sie hatten persönlich zu keinem Zeitpunkt ein Problem mit der Motivation?

!Nee. Nicht mein Thema – vor allem wenn es um Punkte geht.(lacht)

Kroos, Khedira, Müller, Özil, Hummels, Boateng, alle zwischen 25 und 30 und schon Weltmeister: Man spricht da vom besten Alter. Steht die Elf jetzt in ihrem Zenit?

Oha. Das bedeutet ja, dass wir in zwei Jahren über den Zenit sind? Wie lange dauert denn so ein wissenschaftlicher Zenit?

Bis 30. Dann folgt die sogenannte Cool-down-Phase.

Aaaaaa, okay. Unsere Mannschaft verändert sich ja immer ein bisschen. Was nicht passieren darf: dass man eine Mannschaft durch vier Turniere schleppt, nur weil sie erfolgreich war. Dann ist sie tatsächlich über den Zenit. Generell gilt: Als Fußballspieler hast du ja nie etwas erreicht, das dann in Stein gemeißelt ist. Vielleicht habe ich mir in diesem Jahr schon keinen Gefallen getan für die nächste Saison.

Warum das denn?

Ich habe für den FC Bayern 20 Tore gemacht, das sind sieben mehr als im Vorjahr. Ich kann nicht garantieren, dass ich das noch einmal schaffe.

Beim FC Bayern werden jedes Jahr Spitzenkräfte nachgeschoben, die Ihnen Beine machen sollen. Das muss doch einen unheimlichen Stress auslösen, zu wissen, dass man nie befreit spielen kann.

Ist so.

Sie wirken dafür erstaunlich fröhlich. Warum belastet Sie das nicht?

Weil ich merke, dass ich nicht nur mithalte, sondern jedes Jahr Dinge mache, die mich legitimieren.

Sie erspielen sich Ihr Selbstvertrauen immer wieder neu?

Ganz klar. Ein grundsätzliches Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten hilft allerdings.

Sie hatten unter Pep Guardiola für einen Mann Ihres Standes wenig Kredit.

Das würde ich nicht so sehen.

Das war unser Eindruck. Jedenfalls haben Sie in den drei Jahren unter ihm konstant Leistung gezeigt.

Das stimmt.

Dann sitzen Sie im Champions-League-Halbfinale im Hinspiel auf der Bank und verschießen im Rückspiel einen Elfmeter. Im Pokalfinale treten Sie dann zum Elfmeterschießen an und treffen mit Autorität. Wie machen Sie das?

Das macht sogar Spaß, genau so.

Hat Sie der verschossene Elfmeter nicht beschäftigt nach dem Motto: Wenn ich den zweiten jetzt auch noch verschieße, dann ...

... dann hätte ich sicherlich ein Problem gehabt. In solchen Momenten geht es darum, Verantwortung zu übernehmen.

Das ist zu rational, um wahr zu sein.

Es ist immer meine Stärke gewesen, dass ich mich nicht auf die Situationen konzentriert habe, die nicht geklappt haben, sondern darauf, die nächste Chance zu suchen.

Sie haben keine Angst vor dem Misserfolg, ist es das?

Sagen wir mal so, es ist nicht mein erster Gedanke.

Dabei gelten Sie als extrem ehrgeizig, das passt mit der Abgeklärtheit, die Sie jetzt an den Tag legen, nicht zusammen.

Ich kann nicht gut verlieren, stimmt. Aber ich darf mich und mein Seelenheil nie von einem Spiel abhängig machen, sonst bin ich verloren.

Sie bleiben bei sich?

Ja, ich habe eine Basis.

Die errungenen Titel?

Eher die Frau daheim. Wenn ich ein schlechtes Spiel mache, interessiert die das nicht.

Wird Ihre Frau Sie nach Frankreich begleiten?

Da müssen wir schauen, ob das zeitlich passt. Ist ja nicht so, dass sie daheim wartet und die Uhr danach stellt, wann sie endlich losfliegen kann. Sie hat auch ihr eigenes Leben.

Zumal die Gelegenheiten ja rar sind, sich zu sehen.

Nach dem Spiel hat man die Chance, Bekannte und Freunde zu sehen. Das ist dann oft ein bisschen erzwungen, so auf Kommando: Jetzt habt ihr mal vier Stunden Zeit. Man versucht dann, den privaten Teil einzubauen, bleibt aber die ganze Zeit im Turniermodus.

Welche Rolle spielt die Terrorgefahr? Sie werden ins Stade de France zurückkehren, Ort der Anschläge im November. Manchen Ihrer Kollegen hat das Ereignis damals schwer mitgenommen.

Ich bin da eher nüchtern, vielleicht auch fatalistischer. Es bringt uns nichts, das groß zu thematisieren, etwas anderes als Angst werden wir dadurch nicht erreichen. Wenn jemand Probleme hat, muss man das mit demjenigen natürlich angehen. Aber die Unbeschwertheit leidet doch sehr, wenn man dauernd darüber spricht. Ganz im Gegenteil, es macht einem erst richtig Angst.

Der Fußball hat zuletzt die Selbstoptimierung entdeckt: Profis reden über Ernährung, Stretching, Kraftraum, Privattrainer. Ihr Name verirrt sich nie in die Diskussion. Dennoch sind Sie so gut wie nie verletzt.

Also wenn ich einen Schwachpunkt habe, wird der schon auch angegangen. Aber ich muss mir nicht den Bizeps aufpumpen, nur damit der Bizeps groß ist. An der Rumpfstabilisierung zu arbeiten ist schon wichtig, das Gleiche bei den Beinen. Ich habe sicher auch eine gute Erbmasse, was die Zähigkeit meines Körpers anbelangt.

Wie schaut es mit der Ernährung aus?

Ich lebe nicht strikt nach einem Ernährungsplan. Wenn keine englische Woche ist (drei Spiele binnen acht Tagen, d. Red.), kann ich abends auch mal zwei Gläser Wein nach dem Spiel trinken, kein Problem. Aber wenn ich einen Schlag auf die Wade bekommen habe, lasse ich den Alkohol eben weg. Das behindert Regenerations- und Heilungsprozesse.

Sie kasteien sich also nicht mit Trainingsplänen?

Nee, ich spüre jeden Tag, was mit meinem Körper los ist.

Warum liegt generell eine solche Bedeutungsschwere über Ihrem Beruf? Die Kommentare Ihrer Kollegen werden oft mit heiligem Ernst gesprochen, dabei stehen Sie alle auf der Sonnenseite des Lebens mit Ihren Millionengehältern.

Jeder Spieler hat doch genau das schon mal gegen sich verwendet gesehen. Und wenn nicht bei sich, dann bei einem Kollegen: Scheiß Millionäre und so. Deshalb ist da jeder extrem vorsichtig.

Sie scheinen die Öffentlichkeit nicht als bedrohlich zu empfinden. Bei der Meisterfeier haben Sie sich auf den Rathausbalkon gestellt und einen denkwürdigen Auftritt als Stand-up-Comedian gegeben.

Macht mir Spaß.

Man kann sich bei solchen Aktionen auch übel blamieren.

Hab ich schon hinter mir.

Nach dem Pokalfinale haben Sie vor randvollem Saal gesungen.

Hätte ich mit 20 definitiv nicht gemacht. Auch da gilt: Man muss da reinwachsen. Generell ist es doch so: Wenn ich vor Fans bin, kann ich machen, was ich will; die bleiben meine Fans. Also: solange ich mich nicht wie ein Vollidiot verhalte.

Sie müssen als Rampensau da rauf?

Aber ganz sicher. Sonst würde ich das nicht machen. Aber wenn ich jetzt Lust hätte zu singen und die anderen fänden das blöd, würde ich das schon hinterfragen.

Und dann?

Würde ich selbstverständlich trotzdem singen. Sollen sie es blöd finden, da müssen sie durch.

Der Clown in Ihnen will raus?

Ich war schon immer einer, der auch mal die anderen unterhalten hat. Aber ich würde jetzt nicht künstlich Dinge aus meinem Privatleben preisgeben, über Facebook, Instagram oder so. Da hat mein Engagement Grenzen. Wenn ich den Bayern-Anzug ausziehe, bin ich privat.

Das ist ja beinahe old school.

Ja, kann man so sehen.

Neben manchem seltsamen Tor haben Sie auch bislang das bemerkenswerte Kunststück vollbracht, dass nach sieben Jahren im Geschäft weder das Gerücht im Netz über Sie kursiert, dass Sie homosexuell seien noch dass Sie fremdgingen.

Mein Trick im zweiten Fall: Ich lass es.

Bleibt noch die Homosexualität.

Schön, so ein Coming-out im stern, schon klar. Beim nächsten Mal.

Beim FC Bayern haben Sie zuletzt einen Fünfjahresvertrag unterschrieben. Das Ausland scheint Sie als Bayer weniger zu reizen.

Wir beim FC Bayern kommen ja viel rum in der Champions League, ich habe also eigentlich schon in allen großen Ligen gespielt. Ich bin ohnehin nicht der Typ, der einen Zehnjahresplan aufstellt. Was ist, wenn dich das, was du tust, in fünf Jahren nicht mehr erfüllt, dann musst du auch was ändern, selbst mit festem Job und Familie. Nee, nee, ich bin froh, wenn die nächsten drei Wochen gut werden.

Leben Sie Ihren Traum?

Mein Traum war es, jeden Tag Spaß zu haben. Fußballprofi war für mich nie ein Traum. Trotzdem ist es schön, dass es so gekommen ist.

Wenn man Sie über Jahre erlebt, hat man den Eindruck, dass Ihre große Popularität vor allem auf dieser Lockerheit beruht. Werden die Dinge für Sie nie mal schwer?

Ich versuche, egal, wo ich bin, für mich selbst Spaß zu haben. Eigentlich ist das sehr egoistisch, wenn man es sich genau überlegt. Wie hat Karl Valentin doch gesagt: Ich freue mich, wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.

Wissenscommunity

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(