EM-Test Glanzloses 3:0 gegen Belgien


Schwächen im Aufbau und wenig Spielfreude - so präsentierte sich die deutsche Nationalmannschaft auch im Länderspiel gegen Belgien. Bei Spielende stand dennoch ein 3:0-Sieg auf der Anzeigetafel.

76 Tage vor dem EM-Ernstfall gegen die Niederlande hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft mit einem glanzlosen Sieg gegen Belgien Mut für die Europameisterschaft geschöpft. Durch glückliche Tore von Kevin Kuranyi (45.+1), Dietmar Hamann (55.) und Michael Ballack (81.) jeweils nach Standardsituationen gewann der Vizeweltmeister am Mittwochabend in Köln das zweite Länderspiel des Jahres mit 3:0 (1:0), ließ dabei aber spielerisch noch viele Wünsche offen. Allerdings waren die nicht für die EURO qualifizierten Belgier vor 46.000 Zuschauern im ausverkauften RheinEnergie-Stadion kein ernsthafter Prüfstein für das Team von Rudi Völler.

Neue Trikots, alte Probleme: Elf Wochen vor dem EM-Start gegen den Erzrivalen offenbarte die deutsche Mannschaft beim ersten Auftritt im neuen Europameisterschafts-Outfit ihre bekannten Schwächen im Aufbau und ließ erst in der Schlussphase Ansätze von Spielfreude erkennen. Ihre besten Szenen hatte die Völler-Elf nach Einzelaktionen und Standardsituationen. So war es durchaus bezeichnend, dass alle Tore beim fünftletzten EM-Test nach ruhenden Bällen zu Stande kamen.

Erstes Tor knapp vor der Pause

In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit erwischte der 22-jährige Kuranyi, der lange Zeit unglücklich wie zuletzt beim VfB Stuttgart agierte und meist im Schatten des erst 17 Jahre alten Vincent Kompany stand, einen Eckball von Thorsten Frings mit dem Oberschenkel und drückte ihn nach 960 torlosen Minuten über die Linie. Zehn Minuten nach Wiederbeginn war Hamann mit einem blitzschnell ausgeführten Freistoß aus 20 Metern zu seinem 5. Länderspiel-Tor erfolgreich. Neun Minuten vor dem Ende traf Ballack nach einem Freistoß von Fabian Ernst per Kopfball ins Schwarze.

Im Mittelfeld war Ballack das Bemühen als Denker und Lenker nicht abzusprechen. Der Münchner agierte stärker als zuletzt beim FC Bayern und war sichtlich froh darüber, erstmals seit 18 Monaten seinen bei der Weltmeisterschaft 2002 bewährten Partner Hamann als defensive Absicherung neben sich zu wissen. Allerdings leistete sich auch Ballack eine hohe Fehlerquote. Zu den Aktivposten der deutschen Elf zählten auch Thorsten Frings und Bernd Schneider, die sich um Tempo und Direktspiel bemühten. Dagegen ging das Experiment, Paul Freier vier Tage nach seinem Mittelhandbruch als Ersatz für den verletzten Miroslav Klose in der Spitze aufzubieten, gründlich daneben.

Abwehr kaum gefordert

Die Abwehr wurde von der im Umbruch befindlichen und in der Offensive harmlosen belgischen Mannschaft kaum gefordert. Dennoch wirkte der bei seinem Club Bayer Leverkusen ins zweite Glied verbannte Jens Nowotny in der Innenverteidigung verunsichert, wagte kaum Vorstöße und war vor allem bemüht, keine Fehler zu machen. Eine deutlich stärkere Partie im Deckungsverbund lieferte Christian Wörns. Der bei seinem ersten Einsatz zwischen den Pfosten seit 18 Monaten nicht geprüfte Jens Lehmann konnte seinen Anspruch, besser zu sein als die Nummer 1 Oliver Kahn, nicht geltend machen.

Der Start war verheißungsvoll

Die deutsche Mannschaft startete recht verheißungsvoll in den 22. Vergleich gegen die ebenfalls von personellen Problemen gebeutelten Belgier. Frings nahm in der 9. Minute aus 20 Metern Maß, Keeper Frederic Herpoel lenkte den Ball zur Ecke. Nach der folgenden Hereingabe von Schneider prüfte Mannschaftskapitän Wörns den Schlussmann mit einem platzierten Kopfball. Obwohl die mit fünf Spielern unter 23 Jahren angetretenen Belgier der Völler-Elf genügend Raum ließen, verbreitete die deutsche Mannschaft in der Folgezeit keine echte Torgefahr mehr. Kuranyi (20./25.) kam im Strafraum der Gäste zwei Mal nicht zum Zuge, ehe er in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit nach Eckball von Frings doch noch traf.

Ein knapp am belgischen Tor vorbei fliegender Freistoß von Schneider (47.) gab das Startsignal zu einer zweiten Hälfte, in der die deutsche Mannschaft schwungvoller agierte. Beim zweiten Tor war allerdings auch ein wenig Glück im Spiel. Als die Belgier ihre Abwehrmauer beim Freistoß noch gar nicht postiert hatten, nahm Hamann aus 20 Metern Maß und erwischte Herpoel auf dem falschen Fuß. Der niederländische Schiedsrichter Jan Wegereef hatte dem Schuss des England-Legionärs durch einen raschen Sprung auf die Seite Platz gemacht. Ein mögliches 4:0 verpasste in der 67. Minute der eingewechselte Oliver Neuville, der an Herpoel scheiterte.

Klaus Bergmann und Jens Mende, DPA DPA

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