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Favoritenstürze in der Champions League: "Real löste sich auf wie ein Stück Zucker"

Vernichtende Kritik der spanischen Presse nach dem sensationellen K.O. der Real-Stars in Monaco. Aber auch Jens Lehmann wird in England für die Niederlage Arsenals gegen Lokalrivalen Chelsea verantwortlich gemacht.

Außenseiter AS Monaco hat die "Galaktischen» von Real Madrid auf die Erde zurückgeholt, Jens Lehmann den FC Arsenal ins Tal der Tränen gestürzt. Am Abend der großen Überraschungen in der Champions League gab ausgerechnet ein weiterer Patzer des deutschen Nationaltorhüter den Ausschlag für die 1:2-Niederlage gegen den FC Chelsea, die die «Gunners» binnen vier Tagen ihrer zweiten Titelchance in dieser Saison beraubte.

Derweil wurde Rekord-Europacupsieger Real im Fürstentum am Mittelmeer für seine Überheblichkeit bestraft und beim 3:1 der Monegassen ausgerechnet vom früheren Madrilenen Fernando Morientes aus dem Wettbewerb befördert. Nicht wie erwartet die Top-Adressen des europäischen Fußballs, sondern Monaco und Chelsea kämpfen nun am 20. April und 5. Mai um die Tickets zum Finale nach Gelsenkirchen.

Jens Lehmann: "Bin sehr,sehr enttäuscht"

Jens Lehmann war nach dramatischen 90 Minuten im Highbury Park am Boden zerstört. "Die Enttäuschung ist sehr, sehr groß. Es fällt mir total schwer, dafür Worte zu finden. Ich wäre gerne am 26. Mai nach Schalke gefahren", sagte der frühere Dortmunder und Schalker dem Sender SAT.1. Anstatt den Fernschuss von Claude Makelele zur Seite wegzufausten, ließ ihn Lehmann nach vorne abprallen und eröffnete Frank Lampard damit die Chance zum Ausgleich. Schon beim 1:1 im Hinspiel an der Stamford Bridge hatte der Deutsche den Gegentreffer verschuldet.

"Es war ein Flatterball"

"Ich habe den Ball erst spät gesehen und es war ein Flatterball. Ich habe ihn mit dem Unterkiefer abgewehrt", versuchte der Schlussmann eine Erklärung für seinen Lapsus zu finden, der den Tabellenführer der Premier League nach dem 1:0 durch Jose Antonio Reyes vom Erfolgskurs abbrachte. Wayne Bridge besiegelte drei Minuten vor Schluss den ersten Sieg des FC Chelsea nach 18 vergeblichen Anläufen gegen den Londoner Rivalen seit November 1998, der Trainer Claudio Ranieri förmlich ausflippen ließ. "Ich bin verrückt vor Freude. Ich war 30 Sekunden wie im Delirium. Alles ist nun möglich", sprudelte es aus dem Italiener heraus.

Spanische Presse zerreisst Real

Noch überraschender kam für die "Königlichen" aus Madrid das Aus im Viertelfinale. Der AS Monaco bestrafte die Überheblichkeit der Real-Stars. Ausgerechnet EX-Real-Star Fernando Morientes machte den spnaischen K.O perfekt. Das Rauschen im Blätterwald war natürlich gewaltig: "Morientes hat sich für seine Abschiebung gerächt", schrieb das Blatt "As" und stellte nach dem bitteren K.o. der "Königlichen" fest: "Real löste sich auf wie ein Stück Zucker." Nicht weniger hart fiel das Urteil von "El Pais" aus: "Der Mythos Real Madrid ging den Bach runter in einem Stadion, das aus Pappe scheint. Es war das enttäuschendste Real seit Jahren."

Entlassung von Real-Trainer Queiroz wahrscheinlich

Das Aus im prestigeträchtigsten europäischen Club-Wettbewerb lässt auch den Trainerstuhl von Carlos Queiroz wackeln. Selbst wenn Real die Meisterschaft gewinnt, scheint sein Verbleib nicht mehr sicher. "Über die Zukunft von Queiroz werden wir noch sprechen", kündigte Sportdirektor Jorge Valdano vielsagend an. Inzwischen wird sogar das Konzept von Präsident Florentino Perez in Frage gestellt, jedes Jahr einen neuen Top-Star zu verpflichten. Mit dem K.o. in Monaco verpasste die Mannschaft erstmals seit 1999 das Halbfinale.

Dabei hatte im Stade Louis II. eine Halbzeit lang nichts auf eine Sensation hingedeutet. Torjäger Raul brachte seine Mannschaft programmgemäß in Führung und wiegte die "Königlichen" nach dem 4:2 aus der ersten Partie in trügerischer Sicherheit. Doch dann wirkte das 1:1 durch Ludovic Giuly wie eine Initialzündung für die Monegassen, die die Schwächen der gegnerischen Abwehr im zweiten Durchgang mit weiteren Toren durch Morientes und Giuly bestraften.

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