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Ende einer Ära Den Bayern helfen jetzt nur noch "verrückte Dinge"

FC Bayern: Arjen Robben
Hängende Köpfe: Die Spieler des FC Bayern München unmittelbar nach dem Schlusspfiff des DFB-Pokalspiels gegen den BVB
© AP
Schon vor der Niederlage gegen den BVB war klar, dass sich beim FC Bayern München einiges ändern muss. Der Kader ist veraltet und unausgeglichen. Die internationale Konkurrenzfähigkeit ist kurzfristig gefährdet.

Sicher, dem normalen Fußball-Fan kommt das Jammern der Bayern komisch vor. Immerhin wird das Team von Trainer Carlo Ancelotti voraussichtlich souverän Deutscher Meister, zum fünften Mal in Folge. Aber Fans und Verantwortliche machen gar nicht erst einen Hehl daraus, dass ihnen das zu wenig ist. Man müsse es angesichts der liegengelassenen Chancen so formulieren, dass ein Titel zu wenig sei, sagt Mats Hummels. Und Arjen Robben klingt regelrecht traurig, wenn er sagt, dass man jetzt hart für die Meisterschaft arbeiten müsse: "Mehr bleibt uns nicht."

Es ist fast fünf Jahre her, dass sich die Bayern zuletzt so am Boden wähnten: Die 2:5-Pleite im DFB-Pokalfinale 2012 gegen den BVB beförderte einen großen Umbruch im Verein. Schon ein Jahr später holte Trainer Jupp Heynckes mit seinen Team das Triple, es folgten fette Jahre mit furiosem Fußball unter Pep Guardiola - nur der ersehnte Champions-League-Titel blieb den Münchnern nach 2013 bis heute verwehrt.

FC Bayern München: Geht es jetzt ans Festgeldkonto?

Den hätte in diesem Jahr eigentlich Ancelotti holen sollen. Aber nach dem Aus gegen Real und der jüngsten Pleite gegen den BVB steht auch der italienische Erfolgscoach in der Kritik. Es sei zu früh, um über die Saison zu sprechen, sagte Ancelotti nach dem Spiel gegen Dortmund. Aber genau das werden die Bayern-Bosse schon sehr bald tun: über die Saison sprechen, und vor allem über die kommenden Spielzeiten.

Als Fan könne man sich auf Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge verlassen, sagte Mehmet Scholl in der ARD: "Ich glaube, sie werden jetzt verrückte Dinge machen." Womit der Rückgriff auf das berühmte Festgeldkonto des Vereins gemeint sein könnte, um den veralteten und unausgeglichenen Kader zu korrigieren. Denn das Ende einer überaus erfolgreichen Ära steht unmittelbar bevor: Philipp Lahm und Xabi Alonso hören zum Saisonende auf, Arjen Robben und Franck Ribéry werden ebenfalls nicht mehr ewig spielen.

Adäquater Ersatz für diese Spieler-Ikonen ist in den aktuellen Reihen nicht in Sicht: Douglas Costa scheint den Ansprüchen in München nicht zu genügen und könnte verkauft werden; Kingsley Coman, Renato Sanches und Joshua Kimmich stagnieren unter Ancelotti bisher. Und sobald Robert Lewandowski ausfällt, wird es im gegnerischen Strafraum erschreckend ungefährlich. 

Süle und Rudy als Neuzugänge zu wenig

Als Neuzugänge für die nächste Saison stehen bisher nur Niklas Süle und Sebastian Rudy fest - zu wenig, um das Grundgerüst des Kaders um Neuer, Boateng, Hummels und Müller zu vergrößern. Entsprechend machen Namen möglicher Verstärkungen von internationalem Format die Runde. Einer von ihnen könnte der chilenische Stürmer Alexis Sanches von Arsenal London sein.

Sanches wäre so ein "verrücktes Ding", das die Bayern sich jetzt leisten müssen. Er stünde für das Niveau, das zurzeit in der Breite fehlt. Er wäre eines der Zeichen, das die Kaderplaner setzen müssen. Ansonsten ist die internationale Konkurrenzfähigkeit zumindest kurzfristig gefährdet. Dann bliebe auch in den kommenden Jahren maximal die Meisterschaft. Wenn überhaupt.


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