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FC Bayern München Sieben Gründe für die Misere


Nach der 0:2-Pleite der Bayern gegen Borussia Dortmund ist die Tabellenspitze für die Bayern in weite Ferne gerückt: 13 Punkte Rückstand auf Mainz, zehn Punkte auf den BVB - so schlecht sind die Bayern noch nie gestartet. Sieben Gründe für die Misere.
Von Carsten Heidböhmer

1. Die Qualität der Mannschaft
Ihrem Selbstverständnis nach sind sie immer die Besten und nur sie haben Anspruch auf die Meisterschaft. Gerade die Leistungsexplosion der vergangenen Saison täuscht aber über die Realität hinweg: Die Mannschaft wird überschätzt. Es ist keinesfalls so, dass das aktuelle Team die Liga nach Belieben beherrschen kann. In der vergangenen Spielzeit hatten sich die Bayern in einen Rausch gespielt, die Bundesliga dominiert und auch in Europa für Furore gesorgt. Diese Top-Leistung ist jedoch nicht beliebig wiederholbar. Viele Spieler sind wieder auf ihr normales Leistungsniveau geschrumpft, manche - wie Bastian Schweinsteiger und Thomas Müller - spielen derzeit sogar häufig drunter. Währenddessen wachsen Teams wie Mainz oder Dortmund gerade über sich hinaus. Im Gegensatz zu den Bayern der Vorsaison sind sich beide Teams aber (noch) bewusst, dass der momentane Höhenflug nicht dem grundsätzlichen Niveau der Mannschaft entspricht.

2. Zu kurze Sommerpause


Vielen Bayern-Spielern fehlt die Frische. Das war im Spiel gegen Dortmund klar zu sehen: Obwohl sich die Münchener zwei Tage länger regenerieren konnten, waren es die Dortmunder, die in der zweiten Halbzeit noch eine Schippe drauflegen konnten. Da macht sich die kurze Regenerationszeit nach der langen vergangenen Saison bemerkbar: Bayern hat elf Spieler im Kader, die bei der WM über die volle Distanz von sieben Spielen gehen mussten. Zum Vergleich: Mainz hatte keinen einzigen Spieler für die WM abgestellt, und für Dortmunds einzigen WM-Teilnehmer Lucas Barrios war im Viertelfinale Schluss. Solche Teams stecken Belastungen unter der Woche besser weg als die Bayern, die schon ausgelaugt in die Saison gestartet sind.

3. Verletzungspech

Auch wenn das Wohl einer Mannschaft nicht an ein oder zwei Spielern hängt: Der Ausfall von Arjen Robben und Franck Ribéry schwächt die Bayern massiv. Der Ausfall von Ribéry ist noch zu verkaften, er wurde schon in der vergangenen Saison adäquat ersetzt. Doch bei Robben zeigt sich jetzt, dass er nicht zu ersetzen ist. Seine Ideen, seine Torgefahr, seine Tempodribblings fehlen den Bayern an allen Ecken und Enden. Im Gegensatz zu Dortmund und Mainz sind die Bayern als Kollektiv nicht stark genug, um einen solchen Ausfall zu kompensieren.

4. Keine Transfers


"Never Change a winning team", hieß es früher. Doch heute braucht auch ein funktionierendes Kollektiv hin und wieder eine Blutauffrischung. Bayern-Trainer Louis van Gaal hat nach der Supersaison 2009/2010 in dem Irrglauben gelebt, er könne mit dem Team einfach weiterspielen. Anstatt den Kader mit den vielen Champions-League-Millionen gezielt zu verstärken, begnügte man sich an der Isar damit, ausgeliehene Spieler zurückzuholen. Doch weder Toni Kroos noch Breno konnten die Mannschaft nach vorne bringen. Inzwischen hat van Gaal sein Versäumnis eingesehen und - was bei ihm höchst selten vorkommt - eingeräumt, einen Fehler gemacht zu haben.

5. Motivationsprobleme


Die vergangenen Saison lief für die Bayern-Spieler nahezu perfekt: Die Spieler wurden Deutscher Meister, Pokalsieger, erreichten das Finale der Champions League und spielten anschließend eine erfolgreiche WM. Nach so einer Spielzeit ist es nur natürlich, dass die Spieler erst einmal in ein Motivationsloch fallen und nicht gleich auf Knopfdruck Bestleistungen bringen können. Vor wenigen Monaten spielten Müller, Schweinsteiger, van Bommel & Co. noch um die Krone Europas und sogar um den WM-Titel. Da fällt es schwer, gegen einen Verein wie den FSV Mainz 05 zu kämpfen, als ginge es schon um alles. Doch genau das ist mittlerweile erforderlich, um in der Bundesliga oben mitzuspielen.

6. Sturmmisere


In der vergangenen Saison gelang den Bayern fast alles. Vor allem in der Offensive: Fast alle Spieler konnten Tore erzielen. Gerade bei Thomas Müller und Ivica Olic hatte man bisweilen den Eindruck, als fände jeder Schuss seinen Weg ins Netz. Ganz anders das Bild in dieser Spielzeit: Egal, wen van Gaal im Sturmzentrum spielen lässt - ob Klose, Olic oder Gomez -, das Resultat ist immer das Gleiche: null Tore. Auch Müller trifft nur sporadisch. Kein anderes Team in der Bundesliga hat so wenige Tore erzielt wie die Bayern - eine besorgniserregende Bilanz. Wann gab es so etwas schon einmal nach dem siebten Spieltag?

7. Unruhiges Umfeld


Bayern München tickt schon seit jeher anders als andere Bundesliga-Vereine. Vor allem ein überzogenes Anspruchsdenken setzt Trainer und Mannschaft immer wieder unter unnötigen Druck. Unbestritten haben die Bayern in der Bundesliga einen Fehlstart hingelegt. Doch das war in der vergangenen Saison nicht anders. Trainer Louis van Gaal hat bewiesen, dass er die Mannschaft zum Erfolg führen kann, wenn man ihn in Ruhe arbeiten lässt. Doch in München ist das Gegenteil der Fall. Ob Rummenigge, Hoeneß oder Beckenbauer: Ständig mischt sich die Vereinsführung ein und setzt die Spieler mit markigen Worten unter Druck. Während der Kaiser schon die Meisterschaft abschreibt und Karl-Heinz Rummenigge regelmäßig Spitzen gegen die Mannschaft loslässt, droht Uli Hoeneß damit, "den Mantel der Nächstenliebe wegzunehmen". Dadurch wird auch Louis van Gaal beschädigt, dessen Vertrag die Münchner gerade erst verlängert haben. In der Ruhe liegt die Kraft - an der Säbener Straße hat man davon offenbar noch nie etwas gehört.


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