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Kommentar zum FC Bayern: Große Spieler + großer Trainer = ein großes Team

Wer braucht schon Ribéry und Robben, wenn man Thomas Müller und Thiago hat? Das Spiel gegen Porto hat bewiesen: Der FC Bayern ist auch ohne seine Flügelzange eine große Mannschaft.

Ein Kommentar von Felix Haas

Thomas Müller und Thiago spielten den FC Porto schwindelig

Thomas Müller und Thiago spielten den FC Porto schwindelig

Nein, ein 6:1 konnte man nicht wirklich kommen sehen. Zwar gab es im Achtelfinale gegen Donezk schon dieses furiose 7:0. Aber da waren ja auch Arjen Robben und Franck Ribéry mit dabei, da war der Bayern-Kader fast komplett, Pep Guardiola ohne Sorgen. Aber jetzt? Mitten in der kleinen Porto-Müller-Wohlfahrt-Krise schon wieder so ein Wahnsinns-Ding?! Was soll das, liebe Bayern, Spannung ertragt ihr offenbar nur ein paar Minuten lang.

Es bleibt nur ein Schluss nach diesem Auftritt: Diese bayerische Büffelherde, die das Gebirge Porto zur Steppe niedertrampelte - sie besteht aus großen Spielern und einem großen Trainer. Nehmen wir das Beispiel Thomas Müller. Bis vor den Fernseher ins ferne Hamburg konnte man spüren, wie viel Bock dieser Schelm auf die Herausforderung hatte. Endlich mal kein langweiliges Bundesliga-Spiel! Bei Germany's next Topmodel würden sie sagen: Endlich mal eine ordentliche Challenge! Der Typ freute sich so sehr aufs Spiel, er pfiff sogar die Champions-League-Hymne mit.

Eine große Mannschaft

Genauso sprintete Müller dann auch über den Rasen, warf sich in jeden Zweikampf, bügelte kleine Abspielfehler aus, bereitete Tore vor, schoss aus seltsamen Winkeln und traf damit erst den Gegenspieler und von da auch noch ins Tor. Müller ist ein Phänomen, sein Wille steht für die gesamte Mannschaft. Im Schatten von Ribéry und Robben vergisst man oft: Er ist ein großer Spieler. Um es mit Pep zu sagen: Supersupersupersuper. Und an Müller sieht man auch, wenn es drauf ankommt und sich diese Rumpfkader-Superstars zusammenreißen, dann ergeben sie auch ohne "Robbery": eine große Mannschaft! Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dann lieferten ihn Thiago und Co. gestern: Die Bayern haben den besten Kader aller Zeiten.

Damit allerdings solch eine Mannschaft auf dem Platz steht, die an sich glaubt und füreinander läuft, braucht es schon einen großen Schamanen hinter dem Team. Klar, das ist der Pep. Nach der Niederlage in Porto hatte er seine Spieler noch geschützt und gesagt: "Der Trainer ist dafür verantwortlich, was auf dem Platz geschieht." Schön für ihn, dass das auch im Erfolgsfall gilt. Guardiola ist ein Besessener, das merkt man immer wieder, wenn er wie ein Irrer nach einem 5:0 auf seine Spieler einredet und das Spiel seines Teams noch mal umstellen will, es optimieren will. Aber wie wahnsinnig gut er wirklich ist, zeigte er gestern nach dem Spiel.

In der vergangenen Woche verteidigte Matthias Sammer Guardiola noch, der Trainer habe keine Fehler gemacht. Pep und Fehler? Dazu bitte keine weiteren Nachfragen. Doch im ZDF-Studio stand Guardiola am Dienstag dann schüchtern zwischen Oli Kahn und Moderator Jochen Breyer und Pep gab unumwunden zu, was in der vergangenen Woche jeder gemerkt hatte: "Wir dachten letzte Woche nicht, dass Mittelstürmer Martinez Alonso konsequent anlaufen würde". Und, das ist sie dann, die größte aller Lebenskünste: Guardiola erkannte seinen eigenen Fehler und machte ihn im entscheidenden Moment kein zweites Mal. Der Besessene hatte wieder einmal die beste Lösung gefunden.

Jetzt gibt's nur noch Challenges

Jetzt wartet das Halbfinale. Und natürlich könnten die Bayern dann auf Barcelona treffen und auch wieder ausscheiden. Aber wenn man sich die Reaktionen der Spieler nach dem Porto-Spiel anschaute, konnte man kindliche Freude über den Sieg erkennen. Der Hunger ist da. Die große Mannschaft hat es in die entscheidende Phase der Saison geschafft. Und da gibt es jetzt nur noch Challenges. Müller pfeift sicher immer noch die Champions-League-Hymne.

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