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FC Schalke 04: Der Diva droht die Reservebank

Für Trainer Mirko Slomka ist er ein "Weltklasse-Spieler", für Teammanager Andreas Müller "der Beste, den wir seit langem hatten." Trotzdem ist Schalkes Regisseur Lincoln so eine Belastung geworden, dass er um seinen Stammplatz fürchten muss.

Doch im Saison-Endspurt ist Schalkes Regisseur Lincoln außer Tritt geraten. Die Konsequenz: Zum ersten Mal seit seinem Dienstantritt in Gelsenkirchen im Sommer 2004 muss der Brasilianer um seinen Stammplatz bangen. "Wir wissen, was Lincoln kann. Aber momentan ist das eher ein träges Spiel, das hilft uns nicht", sagte Slomka vor dem Hinspiel im UEFA-Pokal-Halbfinale am Donnerstag (20.30 Uhr/ZDF live) gegen den FC Sevilla.

Ohne ihn besser, als mit ihm

Die sportliche Schieflage des FC Schalke 04 in der Fußball- Bundesliga ist eng mit dem Formtief des brillanten Technikers verbunden. Seit seiner Rückkehr nach einer Knieverletzung läuft es beim Revierclub nicht mehr rund. Ohne Lincoln kletterten die "Knappen" nach dem 25. Spieltag auf den dritten Platz, mit ihm blieb die Slomka-Elf danach in fünf Ligaspielen in Serie ohne Sieg und hat bei sechs Punkten Rückstand auf Werder Bremen die Champions League aus den Augen verloren. "Seine Krise ist schade, weil jede Nummer 10 ein Schlüsselspieler für eine Mannschaft ist", meinte Schalkes Verteidiger Mladen Krstajic vor dem Spiel in Bremen am Sonntag.

"Launische Diva"

Auch das Gelsenkirchener Publikum ist von der "launischen Diva" bitter enttäuscht. Lincolns leidenschaftslose Auftritte quittierten die Anhänger zuletzt mit Pfiffen. "Seine Körpersprache ist zur Zeit nicht gut. Die Fans sehen das", äußerte Krstajic Verständnis für den Unmut der Zuschauer. Rudi Assauer registrierte Lincolns Wandel vom Publikumsliebling zum Buhmann ebenfalls. "Nur wenig Kredit" habe der 27-Jährige derzeit bei den Anhängern, sagte Schalkes Manager.

Doch auch innerhalb des Teams scheint sich Lincoln die Sympathien mehr und mehr zu verscherzen. Nachdem Gerald Asamoah und Marcelo Bordon nach dem UEFA-Cup-Rückspiel gegen Levski Sofia ihren Mitspieler scharf kritisiert hatten ("Mach auch mal mit"), ging nun auch Ebbe Sand auf Distanz. "Wir können ihm im Moment nicht helfen. Das muss er jetzt selbst tun", konstatierte der Däne.

Eskapaden und Streitigkeiten

Vor allem Lincolns Verhalten nach seiner Auswechslung im Spiel gegen den 1. FC Köln (1:1) nahmen ihm seine Teamkollegen übel. Der Brasilianer hatte den Handschlag seines Trainers verweigert, war sofort in die Kabine gegangen und hatte noch vor Spielende die Arena verlassen. "Er weiß, dass er einen Fehler gemacht hat. Er hat sich mittlerweile bei der Mannschaft entschuldigt", berichtete Nationalstürmer Kevin Kuranyi.

Auf der großen internationalen Fußball-Bühne leistete sich Lincoln derartige Aussetzer in dieser Saison nicht. Im Gegenteil: In zehn Europacup-Partien erzielte er sechs Tore und bereitete sechs weitere vor. Will der Dribbelkünstler bei Fans, Mitspielern und Vereins- Verantwortlichen Kredit zurückgewinnen, muss er mit mehr Engagement zu Werke gehen - und kann dabei auf seine Kollegen bauen: "Wir sind auch als Mannschaft gefordert", beschwor Asamoah den Teamgeist.

Benjamin Haller und Dietmar Fuchs/DPA

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